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Chinesische Studentin bringt Glück ins Pflegeheim Rheinauen

Shu Hao Lu, eine chinesische Studentin, verbrachte die letzten drei Monate im Alters- und Pflegeheim Rheinauen. Ihr Aktivierungsprogramm führte bei den Bewohnern zu mehr Einsatzfreude und Fröhlichkeit.
Benjamin Schmid
Trotz Sprachbarrieren verstanden sich Willi Mäder und die chinesische Studentin «Chu Chu» auf Anhieb. (Bild: Benjamin Schmid)

Trotz Sprachbarrieren verstanden sich Willi Mäder und die chinesische Studentin «Chu Chu» auf Anhieb. (Bild: Benjamin Schmid)

Hao Lu Shu oder Chu Chu, wie sie genannt werden möchte, ist Nationalchinesin und studiert Sonderpädagogik in Taiwan. Die 24-Jährige möchte im nächsten Jahr den Masterabschluss erlangen und hat im Zuge ihrer Masterarbeit ein Aktivierungsprogramm für ältere Menschen und solche mit speziellen Bedürfnissen erarbeitet. Die letzten drei Monate wandte sie dieses Programm an drei Bewohnern im Alters- und Pflegeheim Rheinauen erfolgreich an.

Kalligrafie als Beruhigungstherapie

Obwohl die Kalligrafie die Kunst des Schönschreibens umreisst, setzte sie Chu Chu nicht ein, um besonders schöne Ergebnisse zu erzielen, sondern stellte die Handlung selbst in den Mittelpunkt. «In der Maltherapie versucht man seine Umgebung zu vergessen, um sich ganz auf die Situation einzulassen», sagt die Studentin. Die Farben und Formen werden mit allen Sinnen betrachtet und vor allem erlebbar gemacht. Bei dieser Methode können die Bewohner entspannen und gleichzeitig die Feinmotorik bewahren. Für Willi Mäder, einen Bewohner des Heims, war die Kalligrafie sehr schwierig: «Man braucht eine ruhige Hand – und die habe ich nicht mehr. Schreiben ja, Kalligrafie nein», sagt er. «Aber die Übungen mit Bewegung und Koordination im Zusammenspiel haben mir gut gefallen.» Chu Chu habe eine angenehme Art, sei geduldig und wisse auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen. «Wir werden sie vermissen», fügt Mäder an. Egal was Chu Chu unternahm, sie tat es mit Leidenschaft und Begeisterung. Ihr frohes Gemüt strahlte über die Grenzen des Altersheims hinaus und erfreute manchen Diepoldsauer. «Mein Ziel war es, den Menschen ein glücklicheres Leben zu ermöglichen», sagt sie und ergänzt: «Mit kleinen Übungen kann man so viel erreichen.» Sei es mit Malen, Musizieren oder Tanzen. Oft brauche es nicht viel, um die Leute abzuholen und sie zu Aktivitäten zu bewegen. Ihr freundliches Lächeln half dabei nicht unwesentlich. «Ihre Art hat mich stets motiviert», sagt Mäder. «Ihre Gestik und ihre Mimik waren Brückenbauer, sodass die fehlenden Sprachkenntnisse nie ins Gewicht fielen», sagt Jörg Schumacher, Leiter Pflege und stellvertretender Heimleiter. Er könne eigentlich gut Englisch, sagt Mäder, nur verstünden ihn die Engländer nicht. Bei der sympathischen Chinesin sei dies von Anfang an anders gewesen, und sie hätten sich prima miteinander unterhalten können. Nicht nur die Bewohner hatten eine gute Zeit, auch Chu Chu selbst fand nur positive Worte über diese Erfahrung.

Verliebt ins Rheintal und die Natur

Es scheint so, als hätte sie sich in diesen drei Monaten in die Schweiz, ins Rheintal und in Diepoldsau verliebt: «Die Landschaft ist so schön, die Menschen sind nett, dazu kommt die unglaublich frische Luft.» Tatsächlich ist die Luft im Rheintal wohl etwas frischer, als in der 23-Millionen-Metropole Peking, wo Chu Chu zehn Jahre lang traditionellen chinesischen Tanz studierte, bevor es sie nach Taiwan zog. Die Chinesin ist nicht nur von der Natur beeindruckt, sondern auch von den kurzen Wegen, bis man mitten in der Natur steht. Gut möglich, verrät sie, dass sie nach dem Masterstudium das Doktorat in Zürich absolviere. «Wenn ich schnell Deutsch lerne, kann ich nächstes Jahr in Zürich beginnen», sagt Chu Chu.

Spass hat einen zentralen Stellenwert im Alltag von Chu Chu. «Mit einem Lächeln im Gesicht fällt es mir leichter, auf andere Menschen zuzugehen.» Trotzdem sei ihr nicht immer zum Lachen zumute gewesen. «Ich habe meine Familie vermisst», sagt die 24-Jährige, «aber dank Videotelefonie konnte ich das Heimweh mildern.»

Tanzen gegen das Heimweh

Immer wenn sie besonders stark von Heimweh geplagt wurde, hätte sie getanzt. «Beim Tanzen bekomme ich gute Laune. Deshalb habe ich mit den Bewohnern Bewegungsübungen gemacht und getanzt.» Ihre Aktivierungsstunden begann sie mit Einwärmen. Danach folgten Mal-, Kalligrafie- oder Musikeinheiten. Mit einer Glücksliste, durch Interviews und Gespräche mit Pflegerinnen und Pflegern konnte sie sehen, ob sich ihr Programm auf die Zufriedenheit der Bewohner ausgewirkt hatte. «Wir erzielten gute Bewertungen», sagt die Studentin sichtlich zufrieden. «Es hat sich gelohnt.» Dem pflichten nicht nur Heim- und Pflegeleitung bei, sondern auch Willi Mäder, der das Aktivierungsrogramm am eigenen Leib erfahren hatte.

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