«Das Feuer muss man verstehen»

Angehende Feuerwehr-Offiziere erleben keinen Frontalunterricht mehr. Sie lernen die Theorie in der Praxis. Auch dank eines Hauses, das angezündet werden darf.

Gert Bruderer
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In Walzenhausen kann am brennenden Objekt geübt werden. (Bild: Gert Bruderer)

In Walzenhausen kann am brennenden Objekt geübt werden. (Bild: Gert Bruderer)

ST. MARGRETHEN. Die Feuerwehren sind kleiner als früher, Effizienz ist noch wichtiger. Auch der Berufsalltag verlangt nach einer Konzentration aufs Wesentliche. Die interkantonalen Kurse, in denen Feuerwehrleute zu Führungskräften ausgebildet werden, dauern deshalb nicht mehr acht, sondern fünf Tage. Es gibt keine «Papiertiger» mehr, sondern Einsatz um Einsatz. Elf, um genau zu sein. Und was die Teilnehmenden wissen müssen, erfahren sie ausschliesslich beim Üben, nicht in einem Schulungsraum.

Mit 10 Mann in den Ersteinsatz

Diese Woche haben 60 Feuerwehrleute aus dem Kanton St. Gallen und den beiden Appenzeller Halbkantonen den Kurs besucht, 40 weitere absolvieren ihn nächste Woche. Immer geht es für die angehenden Offiziere darum, zehn Mann im Ersteinsatz zu führen. Wenn ein Fahrzeug brennt. Wenn die Brandmeldeanlage losgeht. Wenn es wirklich brennt. Oder ein Bauarbeiter ist eingeklemmt, ein Mann aus dem Tobel zu retten, ein Atemschutz-Einsatz in einer Tiefgarage nötig.

Haus in Brand gesteckt

Am Freitagabend war nach Walzenhausen auszurücken. Im Heldstadel steht der Feuerwehr das Haus des verstorbenen ehemaligen Kantonsrats Paul Künzler zur Verfügung. Anders als im Kanton St. Gallen dürfen im Appenzellischen Häuser zum Üben in Brand gesteckt werden. Diese Möglichkeit bezeichnet Kurskommandant Andreas Gantenbein aus Waldstatt als enormen Vorteil. Der Lerneffekt sei sehr gross. «Das Feuer muss man verstehen», lautet eine Kernaussage Gantenbeins. Es sei sehr unberechenbar und ein Feuerwehroffizier habe auf alles Unerwartete vorbereitet zu sein.

Das Überraschende planen

Mit Hilfe des Brandobjekts lasse sich für die Kursteilnehmenden das Überraschende planen. Dass zuvor die Feuerwehr das Haus von allem umweltschädigenden Material befreit hat, das verstehe sich von selbst. Eternit, Bodenbeläge, Kabel und überhaupt alles, was nicht rohes Holz ist, wurde entfernt. Das ist nicht nur im Sinne der Feuerwehr selbst, sondern auch nach dem Gusto des Amtes für Feuerschutz und der St. Galler Assekuranz, unter deren Patronat der Kurs für Offiziere steht.