Das Coiffeurhaus erstrahlt in neuem Glanz

Walzenhauser Kulturobjekt mit interessanter Geschichte: Das Coiffeurhaus verschönert das Ortsbild.

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Das renovierte Haus zeichnet sich durch eine höchst wechselvolle Geschichte aus.

Das renovierte Haus zeichnet sich durch eine höchst wechselvolle Geschichte aus.

Bild: Peter Eggenberger

(egb) Im Band Vorderland der Buchreihe «Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausser­rhoden» würdigt Verfasser Eugen Steinmann die 1638 eingeweihte evangelische Kirche und deren unmittelbare Nachbarschaft. Erwähnt wird unter anderem das heutige, 1836 erbaute Pfarrhaus. Beschrieben werden auch die Rheinburgklinik sowie das am 30. Dezember 1951 niedergebrannte und nicht wiederaufgebaute Gasthaus Löwen. Auf der Südseite wird der Kirchplatz vom jetzt erneuerten Coiffeurhaus abgerundet.

Wahrscheinlich 1736 erbaut, 1929 erstmals ein Coiffeur

Ein seinerzeit im Estrich entdecktes Firstbrett weist die Jahrzahl 1736 auf. Es bleibt offen, ob damit das Baujahr gemeint ist. Stickereifabrikant und Kantonsrat Konrad Kellenberger erwarb das Haus 1857 und liess es zwölf Jahre später renovieren. Von diesem Umbau zeugt die Jahrzahl 1869 über der Eingangstür. Gleichzeitig erhielt das Gebäude einen Anbau, der sich im Gegensatz zum Haupthaus mit seinen Reihenfenstern durch grosse Fenster auszeichnet.

Neuer Eigentümer des Hauses wurde 1929 Coiffeur Robert Thalmann, der im Anbau einen Herrensalon einrichtete. Ein Jahr später eröffnete Andreas Eggenberger im Erdgeschoss des Haupthauses ein Fotogeschäft. Ab 1946 war Sohn Robert Thalmann als Coiffeur tätig. Ihm folgte 1959 Willi Wirth, der 1980 verstarb. 1983 führte Markus Rechsteiner die mit dem Haus eng verbundene Figaro- Tradition weiter, bis er seinen Salon 1991 an den heutigen Standort im Bahnhofgebäude verlegte.

Brutaler Raubüberfall vor zehn Jahren

Nun diente das Haus am Kirchplatz als Wohn- und zeitweilig als Geschäftshaus. Vor gut zehn Jahren richtete die zugezogene Rosa Reiber im Anbau ein kleines Café ein. In der Nacht vom 1. Februar 2010 wurde die 71-Jährige von einem 18-Jährigen brutal überfallen, schwer misshandelt und beraubt. Ein gutes Jahr später wurde der Täter vor Gericht gestellt und verurteilt.

Seither dient das geschichtsträchtige Gebäude am Kirchplatz als Wohnhaus, das der Firma Suisse Ecotec GmbH in Lutzenberg/Altenrhein gehört. Inhaber Ramon Würth: «Wir haben sämtliche Fassaden erneuert, die Fenster ersetzt, Dach und Heizung saniert sowie im Innern alle nötigen Reparaturen ausgeführt. Heute umfasst das Haus vier Wohnungen und ein Studio.»