Das Auge «hört mit»

Nach der neuen Fahne im Herbst nun eine neue Uniform: Der Feier dieses Ereignisses widmete die Musikgesellschaft ein ganzes Wochenende. Höhepunkt war die Enthüllung der Uniform.

Corina Tobler
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Flötistin Julia Cavallaro zeigt stolz ihre neue Uniform. (Bild: Corina Tobler)

Flötistin Julia Cavallaro zeigt stolz ihre neue Uniform. (Bild: Corina Tobler)

BUECHEN. Der kleine Prinz in Saint-Exupérys gleichnamigem Werk lernt: Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Und doch drehte sich an diesem Wochenende in der Turnhalle Bützel alles um Kleider. Ihre neue Uniform war der Musikgesellschaft Altenrhein-Staad ein zweitägiges Dorffest wert.

Keine Nackt-Auftritte nötig

Hunderte Gäste folgten der Einladung. Kein Wunder, denn die ganze Gemeinde half mit, die rund 100 000 Franken aufzubringen, mit denen die Uniform finanziert wurde. Nach 25 Jahren in grau-roter Uniform, für die Ersatzteile nicht mehr erhältlich sind, hatte die MG vor Monaten leicht bekleidet auf Flyern und Plakaten auf ihre textile Notlage aufmerksam gemacht. Mit Erfolg und dem Resultat, dass am Samstagabend die Uniform das Einzige war, das enthüllt wurde. Das bemerkte auch Gemeindepräsident Robert Raths in seiner Ansprache. «Ich bin froh, dass die Musiker ihr Ziel erreicht haben und niemand leicht bekleidet oder gar nackt wie am FKK-Strand auftreten muss. Mir wären aber auch dazu einige Worte eingefallen», fügte er schmunzelnd an.

Akzente in Türkis statt Rot

Dann wurde Raths aber ernst und würdigte den schwierigen Entscheidungsprozess, den die MG hinter sich hat. Schliesslich galt es, knifflige modische Aspekte wie Farbwahl und Schnitt zu diskutieren; und nicht zuletzt die Mit-oder-ohne-Frage bei Hut und Gilet. Ohne die neue, aber mit der alten Uniform begann die MG dann den Unterhaltungsteil – und natürlich mit Musik. Dabei «hörten» allerdings die Augen mit, betonte zuvor Verena Federli, Kreispräsidentin Rheintal des St. Galler Blasmusikverbands. Daher passte es, dass Dirigent Harry Zierler sein Corps nicht nur durch Märsche, sondern auch durch viel Filmmusik führte. Dazwischen gehörte die Bühne immer wieder dem Duo Messer & Gabel alias René Sulser und Rolf Kern. Die Appenzeller Komiker – in Tracht gekleidet – lösten mit verbalem und visuellem Witz schallendes Gelächter aus.

Doch so schön Musik und lustig Comedy auch ist, eigentlich wollten alle nur eines. Endlich wissen, wie die neue Uniform nun aussieht, die MG-Präsident Marcel Capeder als Meilenstein der Vereinsgeschichte bezeichnet. Also, Trommelwirbel für den grossen Moment. Der Vorhang öffnete sich, Nebelschwaden hoben sich und enthüllten Schwarz, Schiefer und diverse Einsätze in Türkis; mittendrin die lachenden Gesichter der Musiker. Und die Accessoires? Hut und Gilet. Letzteres in strahlendem Türkis.

In Schweizer Textilien gekleidet

Kreiert wurde die Uniform im Atelier Büttiker, Pfaffnau LU. Dessen Chef Markus Büttiker vom Duo Messer & Gabel auf die Bühne geholt wurde, beschrieb die Uniform, an der besonders die Farbeinsätze speziell seien, als modisch und elegant. 30 Stunden habe das Schneidern pro Uniform gedauert. Büttiker dankte der MG Altenrhein-Staad nicht nur fürs Vertrauen in seine Firma, sondern auch für die so getroffene Entscheidung, ihre Uniform vollumfänglich in der Schweiz – statt billiger im Ausland – herstellen zu lassen. All das zeige: Viel Aufhebens um die Uniformen ist durchaus gerechtfertigt. Sie sind nicht nur Zeichen von Zusammenhalt, in ihnen steckt Herzblut und Überzeugung. Wesentliche Dinge, würde wohl auch Saint-Exupéry bestätigen. Oder wie es Gottfried Keller sagte: Kleider machen eben doch Leute.