«Dann höre die Nachrichten und lies die Zeitung»

Aus christlicher Sicht

Andrea Hofacker
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Wer sich den Nachrichten widmet, sollte sich daran erinnern, was Halt gibt. (Bild: Monika von der Linden)

Wer sich den Nachrichten widmet, sollte sich daran erinnern, was Halt gibt. (Bild: Monika von der Linden)

Kennen Sie das auch, wenn Sie abends vor dem Fernseher sitzen und die Nachrichten einschalten, dass Sie dieses Gefühl haben, dass in Europa, ja in vielen Teilen der Welt auseinanderbricht, was wir immer für selbstverständlich, für stabil und zuverlässig gehalten haben?

Vor den Toren des europäischen Kontinents tobt ein beispielloser Stellvertreterkrieg, an dem fast alle führenden Nationen der Region teilnehmen. Wir haben ein Land als Puffer zwischen Syrien und Europa, das dabei ist, eine Diktatur zu errichten. Wir haben viele Flüchtlinge, die sich auf den Weg zu uns machen aus Afrika, wo es eine riesige Hungersnot geben wird in diesem Jahr. Und wir haben einen vergessenen Krieg im Jemen, der bereits mehr als 10000 Menschen das Leben gekostet hat.

Verabschiede die Nacht mit dem Sonnenhymnus auch bei Nebel.

Hol dir die ersten Informationen aus den Liedern Davids.

Dann höre die Nachrichten und lies die Zeitung.

Beachte die Reihenfolge, wenn du die Kraft behalten willst, die Verhältnisse zu ändern.

Bete gegen das fünfsternige Nichts, das Dir aus jedem Kanal entgegentönt.

(Wilhelm Bruners, Grosser Gott klein, Düsseldorf 1993, S. 110)

Dieses Gedicht berührt mich sehr, wenn ich über die aktuelle Situation nachdenke. Der Autor ruft dazu auf, erst die Bibel zu lesen, ein Gebet zu sprechen, bevor man sich den Nachrichten widmet, dem Schlimmen, was auf der Welt geschieht. Wir sollten uns besinnen darauf, wo wir herkommen, an was wir glauben und auf welchem Grund wir stehen. Uns daran erinnern, was Halt gibt, auf was wir vertrauen dürfen, an was wir uns anlehnen können: an Gottes und Jesu Botschaft von einem friedlichen und gerechten Zusammenleben aller Völker. Wenn ich mit einem Wort des Friedens aus der Bergpredigt oder einem Psalm, der um Gerechtigkeit bittet, den Tag beginnen kann, dann hat das auch eine wichtige politische Bedeutung für mich. Es erinnert mich daran, dass alles, was wir uns als Folgen des Zweiten Weltkrieges hier in Europa zu eigen gemacht haben – das Demokratieverständnis ebenso wie die humanitären Leitlinien – auch zutiefst christliche Ideale sind. Ein Aufrechterhalten dieser Ordnung, die damals für gut befunden wurde, und die der westlichen Welt in den letzten 60 Jahren so viel Stabilität verliehen hat, fängt bei jedem Einzelnen von uns an. Eine Gesellschaft, ein Kontinent ist nur so stabil und gefestigt in seiner Demokratie, wie es die Menschen sind, die darüber mitbestimmen. Dazu kann unser Glaube einen wichtigen Teil beitragen und ein Rückhalt sein.

Andrea Hofacker

Pfarrerin in Marbach

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