«Dann bin ich schon beim Znüni»

Der Marbacher Landschaftsgärtner Benjamin Tanner hat letzte Woche seine Lehre als Bestklassierter der Ostschweiz abgeschlossen. Woran lag es? An der seriösen Vorbereitung oder schliesslich doch am Bruder?

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Landschaftsgärtner Benjamin Tanner vor seinem Lehrbetrieb Steger Garten in Altstätten. (Bild: Samuel Tanner)

Landschaftsgärtner Benjamin Tanner vor seinem Lehrbetrieb Steger Garten in Altstätten. (Bild: Samuel Tanner)

Dienstagnacht, zu Hause in der guten Stube: Interviewtermin. «Es geht nicht lange», habe ich versprochen. Einige Tage ist es her, seit Benjamin am Küchentisch von guten Noten berichten konnte: Gesamtnote: 5,5. Pflanzenkenntnisse: 5,3. Dass er als bester Landschaftsgärtner der Ostschweiz abgeschlossen hatte, schoben die Eltern nach. Höchste Zeit zu fragen, wie es so weit kommen konnte. Ein Gespräch unter Brüdern.

Benjamin, zuerst die Diplomfeier. Dann das zigfache Erzählen in der ganzen Verwandtschaft. Jetzt dieses Interview. Ist dir die gute Note schon verleidet?

Benjamin Tanner: Nein, im Moment ist es noch ganz erträglich. Ich werde halt viel darauf angesprochen.

Wo denn?

Tanner: Neulich hat mir im Material-Handel jemand gratuliert. Sonst in der Verwandtschaft oder unter den Arbeiter-Kollegen.

Wie war deine Note möglich?

Tanner: Einen grossen Anteil am Erfolg hat die Firma Steger Garten, mein Lehrbetrieb. Ich bekam oft Gelegenheit, selbständig zu arbeiten und wurde gut betreut. Ausserdem braucht es Eigeninitiative.

Und schulisch?

Tanner: Da ich aus der Sekundarschule in die Lehre stieg, hatte ich gewisse Vorteile. Trotzdem war es wichtig, in der Schule gut aufzupassen und für die Prüfungen zu lernen.

Beim Lernen sah ich dich in den letzten drei Jahren aber nicht oft.

Tanner: (schmunzelt) Ja, ich hatte Glück, dass ich mir die vielen Pflanzen, die wir lernen mussten, gut einprägen konnte.

Wie hast du gefeiert?

Tanner: Letztes Wochenende war ich mit dem Turnverein an einem Turnfest. Da wurde gefeiert. Zudem gab es noch eine Party mit dem Unternehmen, weil ich an der Schule einen Stern mit eingraviertem Namen erhielt.

Du hast am Küchentisch erzählt, circa 10 von 70 angehenden Gärtnern hätten die Abschlussprüfungen nicht geschafft. Eine hohe Zahl.

Tanner: Das stimmt. Der Grund dafür ist das Fach Pflanzenkenntnisse, ein sogenanntes Fallfach. Schliesst du dort ungenügend ab, hast du keinen Lehrabschluss. Am praktischen Teil der Prüfung lag es bei niemandem.

Was ist so schwierig an dem Fach?

Tanner: Wir mussten 400 Pflanzen auswendig lernen. Inklusive Erkennen, lateinischer Namen und Verwendung.

Welcher lateinische Name ist besonders kompliziert?

Tanner: Da hätten wir zum Beispiel die Zwergbleiwurz. Oder eben die: Ceratostigma plumbaginoides. Solche Namen richtig zu schreiben, ist nicht ganz einfach.

Nun ein Rating-Spiel. Welche Faktoren sind für eine erfolgreiche Ausbildung wichtig? Ich nenne Stichworte, beurteile diese bitte von 0 (nicht wichtig) bis 10 (extrem wichtig). – Eltern.

Tanner: Sieben.

Schulkollegen.

Tanner: Fünf.

Als Ausgleich: Das Nachtleben am Wochenende.

Tanner: Sechs.

Auch als Ausgleich: Turnverein.

Tanner: Acht.

Lehrbetrieb.

Tanner: Zehn!

Bruder.

Tanner: (lacht) Sechs.

Du schleimst.

Tanner: Stimmt.

Jetzt noch die Frage, mit der jedes schulbuchmässige Interview angefangen hätte. Warum ausgerechnet Landschaftsgärtner?

Tanner: Es ist ein extrem vielseitiger Beruf, in dem du in der Natur kreativ sein kannst. Das sagte mir von Anfang an zu.

Tönt wie aus einem Werbeprospekt.

Tanner: Es ist aber so! Für jemanden, der gern draussen ist und körperlich arbeitet, ist es ein toller Job.

Denkst du das auch, wenn du mich im Winter siehst, wie ich nach dem Mittagessen ins warme Büro fahre und dich die kalte Natur erwartet?

Tanner: Klar gibt es auch Tage, an denen man weniger gerne arbeiten geht. Die kalten Wintertage zähle ich dazu.

Welche Eigenschaften deines Berufes magst du nicht?

Tanner: (überlegt lange) Wenn man am Abend von einer Baustelle geht und kein Ergebnis sieht. Das kommt aber selten vor.

Zu Beginn der Lehre hattest du mal Zweifel an der Berufswahl. Warum?

Tanner: Da ich aus der Sek kam, war mir der Schulunterricht zu wenig fordernd, damit musste ich zuerst klarkommen. Zudem hatte ich Anfang Lehre eine Rückenverletzung. Der Körper musste sich erst an die körperlichen Strapazen gewöhnen.

Du sprichst die körperlichen Anstrengungen an. Diesen Job machen nicht viele bis zum AHV-Alter. Oder täusche ich mich?

Tanner: Die Lehre war mein erstes Ziel, später möchte ich aber mal in der Planung oder Bauführung arbeiten.

Wie bildet sich ein Landschaftsgärtner weiter?

Tanner: Es gibt verschiedene Stufen: Erst Obergärtner, dann Gärtnermeister oder Gartenbautechniker. Ich möchte einmal Gärtnermeister werden.

Also nichts gewesen mit Auf-den-Lorbeeren-ausruhen.

Tanner: Nein, definitiv nicht. Ich möchte mich möglichst bald weiterbilden.

Danke für die Antworten spätnachts. Für mich kein Problem, morgen beginnen wir auf der Redaktion erst um neun. Wie ist es bei dir?

Tanner: (lacht laut) Dann bin ich schon beim Znüni.

Interview: Samuel Tanner