Dank starker Nachwuchs-WM in Brasilien

Die 18-jährige Tanja Bognar vom SVD Diepoldsau bestreitet nächste Woche mit dem Schweizer Frauen-Nationalteam die WM in Curitiba. Sie ist die Jüngste im Team, hat den anderen aber etwas voraus: 2016 hat sie schon eine WM-Medaille gewonnen.

Yves Solenthaler
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Tanja Bognar vom SVD Diepoldsau spielt nächste Woche mit der Schweiz an den Frauen-Weltmeisterschaften in Brasilien. (Bild: Swiss Faustball)

Tanja Bognar vom SVD Diepoldsau spielt nächste Woche mit der Schweiz an den Frauen-Weltmeisterschaften in Brasilien. (Bild: Swiss Faustball)

Vor drei Monaten hat Tanja Bognar aus Widnau bereits an einer WM teilgenommen: Mit der U18-Auswahl rangen die Schweizerinnen im Spiel um Bronze Österreich 4:3 nieder.

«Die Medaille an der U18-WM wollte ich um jeden Preis holen, das war mein Erfolgsrezept in diesem Jahr», sagt Tanja Bognar. Denn der Gewinn von EM-Bronze zog einen weiteren Erfolg mit sich: Die Nomination fürs WM-Kader der Elite. «An den U18-Titelkämpfen habe ich gezeigt, dass ich an solchen Events meine Top-Leistung bringen kann.»

Kolleginnen in der Nati, Konkurrentinnen im Verein

Als einzige der U18-Nati ist Bognar auch ins Kader für die Frauen-WM berufen worden, ihre Diepoldsauer Teamkollegin Jamie Bucher steht als Pikett-Spielerin indes auf Abruf bereit. Schweizer Meister Jona und Oberentfelden haben die Frauen-NLA dominiert – je vier Spielerinnen von diesen Teams stellen den Grossteil der Nati. Die Diepoldsauer Equipe ist noch jung, nebst Tanja Bognar und Jamie Bucher spielten auch Lorena Lipp, Eva Tüscher, Mirjam Schlattinger und Sina Meier an der U18-WM. «Ein grosses Ziel von mir ist es, mit Diepoldsau die Schweizer Meisterschaft zu gewinnen.» In der Nati bilde sie mit den Spielerinnen anderer Vereine ein Team, «aber es reizt mich, den älteren Spielerinnen eines auszuwischen – und vielleicht irgendwann gegen sie zu gewinnen.»

Die Umstellung in eine Mannschaft ohne Teamkolleginnen aus Diepoldsau falle nicht so schwer, sagt Tanja Bognar: «Ich bin seit Beginn der WM-Vorbereitung vor einem Jahr dabei, wir haben also oft und auch gut zusammen trainiert.» Der Teamgeist sei denn auch ein möglicher Trumpf der Schweiz im Vergleich mit höher eingestuften Nationen wie Deutschland, Brasilien und Österreich: «Wir haben definitiv die Qualitäten, um mit anderen Ländern mitzuhalten.» Den Unterschied soll dann die Teamleistung ausmachen.

Teamleaderin in der U18, Neuling in der Frauen-Nati

Elf A-Länderspiele hat Tanja Bognar im letzten Jahr bestritten. An Titelkämpfen auf höchster Ebene ist sie ein Neuling: «An der U18-WM wurde von mir verlangt, dass ich das Team führe, dort hing sehr viel von mir ab», erklärt Tanja Bognar, «an dieser WM habe ich sicher eine andere Rolle. Wer auf dem Platz steht, trägt zwar immer Verantwortung. Aber in Brasilien, das darf ich sicher sagen, kann ich auch mal zusehen und lernen.»

Das Niveau sei im Vergleich zur U18 nochmals um einiges höher. Weil die 1,75 m grosse Angreiferin auch als Schlägerin eingesetzt wird, kann sie sich vor Verantwortung jedoch ohnehin nicht drücken: «Als Schlägerin entscheidet man über Punkt oder Fehler. Top oder Flop, da kommt der Druck von allein.»

Dass sie diesem gewachsen ist, hat Tanja Bognar an der U18-WM in Deutschland gezeigt. Auch in der NLA-Meisterschaft bei Diepoldsau nimmt sie eine wichtige Rolle ein. «Diese Saison hat aber etwas unter meinen vielen Trainings gelitten», sagt sie selbstkritisch, «ich konnte nicht immer die volle Leistung abrufen.»

Noch Energie trotz zwei WM-Kampagnen im Jahr

Aber es ist mit den zwei Weltmeisterschaften ja auch eine aussergewöhnliche Saison: «An praktisch jedem Wochenende hatte ich entweder Meisterschaft oder Trainings mit einem der zwei Nationalteams. Aber ich spiele Faustball aus Leidenschaft: Dann springt man mal über den eigenen Schatten und trainiert weiter.» Und das grosse Ziel – die Medaille an den U18-Weltmeisterschaften – trug dazu bei, «dass ich über mich hinausgewachsen bin.» Trotz der vielen Trainings seien ihre Energiereserven für die Frauen-WM aber wieder aufgefüllt. «Und Energie während des Spiels hole ich mir mit Schokolade, von der ich viel esse, weil ich sie gern habe», lacht die Kantonsschülerin.

In Heerbrugg besucht Tanja Bognar im letzten Semester die Fachmittelschule. Bisher schaffe sie es, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen: «Ich werde von der Schulleitung immer unterstützt, wenn ich Freistellungen brauche.» Tanja Bognars Berufswunsch ist es, als Primarlehrerin zu arbeiten.

Wenn die Erfolgs-Saison anhält, gibt's Edelmetall

In der nächsten Woche stehen für Tanja Bognar aber die sportlichen Ziele im Vordergrund. Die WM in Curitiba beginnt am Dienstag und dauert bis am Samstag.

Wenn Tanja Bognars Erfolgsrezept weiterhin so gut aufgeht wie bisher in dieser Saison, steht sie in einer Woche auf dem Podest der Frauen-Weltmeisterschaft. Wenn nicht, bleibt ihr die U18-WM-Medaille vom Sommer und die Gewissheit, an der WM auf höchster Ebene viel gelernt zu haben.