Daniel, der musikalische Erfinder

Daniel Untersander, Lehrer und Lego-Fan, hat sein Eigenheim selbst renoviert und viel über Elektrotechnik gelernt. Beim Bau einer grossen Legobahn-Anlage ist er – als wäre sein Vorname Programm – zum Erfinder geworden.

Gert Bruderer
Drucken
Teilen

ALTSTÄTTEN. Daniel Düsentrieb, der geniale Ingenieur aus Walt-Disney-Comics, wäre verblüfft, bekäme er die Gleise des heute in Teufen lebenden Altstätters vorgeführt. Sie sehen aus wie Teile einer Lego-Eisenbahn und sind das auch. Nur dass sie nicht von Lego stammen, sondern aus der Hobby-Werkstatt des findigen Lehrers.

Phantasievolle Lego-Welt

Wenn der Altstätter Modellbahnclub am 7. und 8. November seine Ausstellung durchführt, wird Daniel Untersander einen Teil der 2000 Quadratmeter belegen. Zusammen mit seinem achtjährigen Sohn Micha und dem elfjährigen Göttibueb Manuel Hartmann hat er eine beachtliche Lego-Anlage gebaut. Züge rollen durch eine phantasievoll gestaltete Welt aus Stadthäusern, berühmten englischen Gebäuden, Jahrmarkt, Geisterschloss, grossem Bahnhof und vielem mehr.

Hätte Daniel Untersander sich mit dem Lego-Sortiment begnügt, wäre der Kurvenradius immer gleich – und immer eng. Dieser Einschränkung beim Anlagenbau wollte er sich entziehen. Er begann zu tüfteln. Sein Ziel war ein flexibles, stromführendes Gleis, das jeden Kurvenradius ermöglicht.

Ausgeklügelte High-Tech

Als Bazzaschüttler hat Daniel Untersander einen grossen Kollegenkreis. Präsident Michael Graf aus Eichberg, ein gelernter Konstrukteur, hat den Bähnler unterstützt und die Spritzgussteile gefertigt.

Was einfach klingt, ist ausgeklügelte High-Tech: In ein Lego-kompatibles Teil lässt sich biegbares, mit einer Nut versehenes Metall so einklicken, dass ein Gleisstück entsteht. Für seine Gleise der Marke Eigenbau liess Untersander 5000 Schwellen anfertigen, von denen er 3000 bereits verbaut hat. So entstanden über hundert Meter Gleis.

Musizieren und tüfteln

Bis vor zwei Jahren war Daniel Untersander Primarlehrer. Heute ist er in der Oberstufe von Appenzell als Teilzeit-Musiklehrer tätig, daneben unterrichtet er Gefangene in der Strafanstalt Gmünden. In seiner Freizeit steht Musik im Vordergrund. Als Gugger hat der ehemalige Major sich zwar zurückgenommen, doch leidenschaftlich singt er nun in einer A-capella-Band.

Vor drei Jahren wurde er in einem Zeitungsbeitrag so zitiert: «Mein Kopf ist voller Ideen, das ist manchmal anstrengend – auch für die Familie. Wenn mir eine Melodie in den Sinn kommt, dann singe ich sie gleich auf mein Handy.» Ein guter Ausgleich ist zudem das Bauen, Tüfteln, Konstruieren. Während andere klein anfangen, mit einer Modellbahn zum Beispiel, und sich dann vielleicht an grosse handwerkliche Aufgaben heranwagen, hat Daniel Untersander zuerst das Eigenheim in Teufen rundum erneuert und danach gewusst, wie er den Strom auf die Lego-Anlage bringt.

Für seine Lego-Züge, das Licht, die Weichen hat Daniel Untersander je einen eigenen Stromkreis mit je anderer Spannung eingerichtet und acht Trafos für die Steuerung der Züge angeschlossen.

In Vaters Fussstapfen

Somit tritt Daniel Untersander in Vaters Fussstapfen. Denn dieser, Schreiner von Beruf und Hauswart des Altstätter Schöntal-Schulhauses, präsidiert den Altstätter Modellbahnclub, der am 7. und 8. November sein 40-jähriges Bestehen feiert. Eine von vielen schönen Kindheitserinnerungen Daniel Untersanders ist der Modellbahnzug, der an Weihnachten den Christbaum umkreiste. Als Erwachsener hat Daniel Untersander die Tradition konsequent fortgeführt. Inzwischen sind es seine Kinder, die sich freuen, wenn das Zügli seine Runden um den Christbaum dreht. Natürlich ist es jetzt ein Lego-Zug.

7./8. November, Schöntal-Schulhaus in Altstätten: Grosse Modellbahn-Ausstellung.