CURLING: Jung, fleissig und erfolgreich

Die 17-jährige Laura Engler aus Lutzenberg ist eines der grössten Talente im Schweizer Curling. Um den Weg nach oben zu schaffen, verfolgt sie ihre Ziele mit einem gesunden Ehrgeiz, den sie früh mitbekommen hat.

Lukas Würmli
Drucken
Teilen
Laura Engler: Die talentierte Curlerin aus dem Appenzeller Vorderland arbeitet nicht nur in ihrem Sport sehr zielgerichtet. (Bild: pd)

Laura Engler: Die talentierte Curlerin aus dem Appenzeller Vorderland arbeitet nicht nur in ihrem Sport sehr zielgerichtet. (Bild: pd)

Lukas Würmli

«Eine aufgestellte und ehrgeizige Sportlerin, die alles Mögliche tut, um ihre hoch gesteckten Ziele zu verfolgen und dabei keinen Aufwand scheut.» Auf die Frage, wer sie sei, antwortet Laura Engler zielgerichtet und fast ohne zu zögern. Fast so, als hätte sie mit einer solchen Frage gerechnet und sich darauf vorbereitet. Es würde zur 17-jährigen Curlerin passen, denn dem Zufall will sie wenig überlassen.

So fügt sie gleich auch an: «Die hohen Ziele setze ich mir nicht nur im Sport, sondern auch in der Schule oder bei anderen Dingen.» Engler besucht seit zweieinhalb Jahren die Sportschule Appenzellerland, lernt dabei an der Kantonsschule in Trogen mit dem Schwerpunktfach Biologie/Chemie – ein sehr aufwendiges Fach. «Ja, ich hätte es mir einfacher machen können», sagt sie. «Aber das wollte ich nicht.»

Zweite Silbermedaille an Schweizer Meisterschaften

Der Ehrgeiz ist in vielen Aussagen der jungen Sportlerin spürbar. Mitte März gewann Engler mit ihrem Team St. Gallen-Bern zum zweiten Mal nach 2016 die Silbermedaille an den Schweizer Meisterschaften der Juniorinnen. Sicher sei es ein Erfolg, wenn man bedenkt, dass sich das Team erst auf diese Saison hin neu formierte, so die 17-Jährige. «Aber Silber habe ich schon und eigentlich wollte ich dieses Jahr mehr als wieder den zweiten Platz.»

Schon früh in ihrer Karriere zählte für Laura Engler nur der Sieg. Die Grundlage dafür wurde ihr früh mitgegeben. Schon ihr Grossvater spielte Curling und war während vielen Jahren auch Präsident des Vereins in St. Gallen. «Meine ersten Begegnungen mit dem Eis machte ich bei den Siegerehrungen, die mein Opa als Präsident leitete. Da wollte ich immer dabei sein.» Ob der Siegeswille von dort stammt, weiss Engler nicht. «Aber das würde eigentlich Sinn machen», sagt sie und lacht.

Selbst angefangen mit Curlingspielen hat die Lutzenbergerin im Alter von erst sechs Jahren. Sie selbst wollte zwar früher beginnen, doch war zuvor schlicht zu klein. Zu den Grössten gehört sie auch heute nicht – und trotzdem ist ihre Physis eine der Stärken von Engler. In der Sportschule, wo sie als Curlerin sonst eher eine Exotin ist, kann sie in Sachen Ausdauer und Kraft enorm viel profitieren.

Zusätzlich ist Laura Engler im Sommer Mitglied eines Rudervereins am Bodensee und will in diesem Sommer auch vermehrt Ruderwettkämpfe bestreiten. Alle diese Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen, sei manchmal schwer.

Freizeit bleibt nicht viel übrig. «Klar, manchmal ist es frustrierend, wenn alle Freunde draussen etwas zusammen unternehmen und ich noch trainieren muss», sagt Laura Engler. «Aber ich mache es für meine Ziele, und deshalb mache ich es gern.»

Mit 17 Jahren ist Engler die Jüngste in ihrem Team. Das war schon immer so, besonders als sie vor drei Jahren die Chance erhielt, in ein Team aus der höchsten Juniorinnen-Klasse zu wechseln. «Ganz am Anfang hatte ich durchaus etwas Mühe damit, weil ich doch einiges jünger war als die anderen», sagt Engler. Auf einen Schlag wurde ihr bewusst, dass es jetzt ernst gilt. Sie hatte Zweifel, ob sie das packen kann. «Meine offene Art und die Unterstützung aus dem Umfeld, die ich bekommen habe, hat mir in dieser Phase sehr geholfen. Ich konnte viel von meinen älteren Mitspielerinnen lernen.»

Es sei der richtige Entscheid gewesen, der ihr viele Türen geöffnet habe. So konnte Laura Engler vor einem Jahr an die Youth Olympic Games (YOG) nach Lillehammer reisen, wo sie für die Schweiz prompt die Bronzemedaille gewann. Während sie vom Event erzählt, gerät sie ins Schwärmen: «Es war bestimmt das Highlight meiner bisherigen Karriere.»

Trotz neuem Team strebt sie nächstes Jahr Gold an

Doch es soll nicht das letzte in ihrer Karriere bleiben. Auch in der nächsten Saison strebt Laura Engler die Goldmedaille an den Schweizer Meisterschaften an. Weil zwei ihrer Mitspielerinnen aber im nächsten Jahr zu alt für die Juniorinnen-Meisterschaft sind, sucht ihr Team momentan Ersatz.

«Wir wollen eine ehrgeizige, aber auch kontaktfreudige Spielerin», sagt die Lutzenbergerin. Eine zweite Laura also? «Vielleicht», sagt sie und lacht. So eine würde jedem Team gut tun.