Coronakrise
«Viele Leute halten sich zurück»: Kaum Neueintritte in Rheintaler Altersheimen

In der Pandemie starben viele Bewohner der Alters- und Pflegeheime. Trotzdem gibt es kaum Neueintritte.

Monika von der Linden
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Ein besonderes Augenmerk fällt in der Pandemie auf die Alters- und Pflegeheime.

Ein besonderes Augenmerk fällt in der Pandemie auf die Alters- und Pflegeheime.

Bild: depositphotos/Vadim Vasenin

In diesem Winter waren Sterben und Tod allgegenwärtig. Häufiger als in anderen Jahren sah man sich mit der traurigen Nachricht konfrontiert, dass ein Angehöriger, Freund oder Bekannter gestorben war. Einher ging und geht noch heute oft die Angst, sich oder jemand anderen mit dem Coronavirus anzustecken und womöglich einen unheilvollen Verlauf auszulösen oder selbst ertragen zu müssen.

Heime können freie Betten oft nicht neu belegen

Ein besonderes Augenmerk fällt in der Pandemie auf die Alters- und Pflegeheime. Auch dort starben überdurchschnittlich viele Menschen. Nicht jedes Bett können die Heime schnell wieder belegen. Der Grund dürfte im Unbehagen liegen.

Einen Zusammenhang sieht Daniel Tobler, Leiter Pflegewohnheim Thal-Rheineck. Aktuell sind dort mehr Betten frei, als in anderen Jahren. «Seit Ende Dezember hatten wir kaum Anfragen mehr. Viele Leute halten sich mit einem Eintritt zurück», sagt er. Die Situation sei schwierig, aber nicht alarmierend.

Katharina Linsi ist Präsidentin der Spitex Am Alten Rhein. Sie hat den Eindruck, dass mehr Menschen länger zu Hause bleiben möchten, als noch vor Beginn der Pandemie. «Im ersten Lockdown hatten wir weniger Arbeit als sonst, so dass wir Personal an Heime ausleihen konnten», sagt sie. Einige Einrichtungen hatten so viele Ausfälle, dass sie Lücken nicht immer aus eigenen Reihen füllen konnten. Aktuell haben die Spitex-Mitarbeiterinnen etwas mehr zu tun als im Durchschnitt. Ob der leichte Anstieg mit der Pandemie zusammenhängt, vermag Anthea Baumann, Geschäftsleiterin der Spitex Am Alten Rhein, nicht zu sagen:

«Wir erleben immer Situationen, in denen Menschen daheim bleiben wollen, obwohl wir glauben, dass ein Heimeintritt richtig wäre.»

Sie vernimmt allerdings auch neue Gründe: «Früher wollte man nicht ins Heim, weil dort das Essen nicht gut sei oder man nicht viele Menschen um sich herum haben mochte», sagt sie. «Heute sagen viele Patienten, sie wollen keine Quarantäne und nicht auf den Besuch ihrer Angehö­rigen verzichten.» Nicht geimpft werden zu können, führt Anthea Baumann nicht als Grund an. «Recht viele unserer Klienten sind bereits geimpft oder zur Impfung angemeldet.»

Daniel Tobler versteht, dass manche Menschen Bedenken haben. «Manchmal ist ein Heimeintritt unumgänglich. Die Spitalaufenthalte werden tendenziell verkürzt», sagt er. «Die Situation in Heimen ist wie überall.» Aktuell ist das Pflegewohnheim frei vom Coronavirus. Damit dies möglichst so bleibt, muss jeder neueintretende Bewohner einen negativen Test nachweisen. Die ersten sieben Tage verbringt er in einem Isolationszimmer. Danach wendet die Leitung die im Kanton geltenden Regeln an: Erlaubt sind zwei Besucher pro Bewohner und Tag. Sie sind nur in öffentlichen Räumen und im Freien möglich. Entspannung erhofft sich Daniel Tobler von der Impfung. Ein grosser Teil der Bewohner habe sich bereits freiwillig impfen lassen.

Im Verahus in Balgach ist es «aktuell schwieriger als auch schon, freie Plätze zu besetzen», sagt Zentrumsleiter Manuel Allemann, ohne Zahlen zur Auslastung zu nennen. Er ist der Meinung, dass es nicht nötig sei, verunsichert zu sein. «Wir tun mit unserem Schutzkonzept alles, damit die Bewohner bestmöglich geschützt sind», sagt er. Anders verhält es sich im Altersheim Feldhof des Zweckverbands Oberriet-Rüthi. Dort gibt es keine leeren Zimmer und die Warteliste ist gleich lang wie in anderen Jahren. «Wir waren von einer grossen Ausbreitung des Virus verschont», sagt Heim­leiter Kurt Maute.

Es gab keine coronabedingten Austritte. Mit den angewandten Massnahmen versuchte der «Feldhof», eine Balance zwischen grösstmöglicher Sicherheit und bestmöglichem Schutz herzustellen. Zum Beispiel waren alle Mitarbeiter verständnisvoll und blieben beim kleinsten Symptom zu Hause. «Zum Erfolg kommt sicher auch das Glück. Vereinzelte Fälle breiteten sich im Haus nicht aus.» Kurt Maute hofft auf baldige Entspannung. «Unter den Bewohnern haben wir eine Herdenimmunität erreicht.» 80 Prozent von ihnen sind geimpft. Freiwillig.

Viele Betagte hatten eine Patientenverfügung

Dass relativ viele Menschen in den Alters- und Pflegeheimen an Covid-19 starben, führt Katharina Linsi auch auf die Wirkung der Palliative Care zurück. «Viele Bewohnerinnen und Bewohner waren gut informiert, reagierten schnell, machten ihre Hausaufgaben und erstellten frühzeitig eine Patientenverfügung.» War darin festgeschrieben, dass jemand nicht ins Spital eingeliefert werden mochte, führte dies dazu, dass er oder sie im Heim starb.