Coronakrise
Nach Bundesratsentscheid: Rheintaler Gastronomen leiden weiter

Ladenbesitzer freuen sich auf die Öffnung ihrer Geschäfte, Gastro- und Fitnessunternehmer bleiben frustriert.

Seraina Hess, Hildegard Bickel
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Die Restaurants bleiben weiterhin geschlossen.

Die Restaurants bleiben weiterhin geschlossen.

Bild: Patrick Huerlimann

Am Mittwoch hat der Bundesrat Lockerungen bekannt gegeben: Während Restaurants, Bars und Fitnessbetriebe vorerst geschlossen bleiben, dürfen Geschäfte sowie Outdoor-Sport- und Freizeitanlagen, Museen und Zoos ihren Betrieb ab Montag wieder aufnehmen. «Unsere Freude ist natürlich riesig», sagt Mirjam Seitz-Popp, die der Interessengemeinschaft Einkaufsstadt Altstätten (Igea) vorsteht. «Die Aufbruchstimmung ist nicht erst seit Mittwoch spürbar. Nach der Ankündigungen vor einer Woche haben viele beinahe überhört, dass Lockerungen erst angedacht und noch nicht beschlossen sind.»

«Ohne Restaurants ist es nicht das Gleiche»

Im Städtli seien die Lädeler schon jetzt geschäftig, kleiden Schaufensterpuppen mit frisch eingetroffenen Frühlingskollektionen ein und stellen neue Produkte ins Regal. Doch ob all der Freude, die Mirjam Seitz-Popp in den letzten Tagen wahrnimmt, fühlen die Detaillisten mit dem Gastrogewerbe mit.

«In erster Linie geht es natürlich um Existenzen. Aber auch das Shoppingerlebnis der Kunden ist nicht dasselbe, wenn man nirgendwo einkehren und einen Kaffee trinken kann.»

Ob im Städtli aufgrund geschlossener Beizen nach der Wiedereröffnung mit weniger Laufkundschaft zu rechnen ist, sei schwierig einzuschätzen. «Vermutlich besuchen Kunden Geschäfte gezielt und flanieren seltener.»

Take-away lohnt sich für Lifestyle-Lokal kaum

Als Riesendrama und ziemlich frustrierend beschreibt Joël Lucas Erb die Situation. Er ist Geschäftsführer des Restaurants Emil Schöflisberg in St. Margrethen. Erneut müsse die Branche warten, erneut bleibe schwammig, wann Öffnungen konkret werden. Belastend komme hinzu, dass angekündigte finanzielle Entschädigungen noch ausstünden. Der Betrieb im «Emil» steht zurzeit still.

Von einem Take-away-Angebot sieht Joël Lucas Erb ab. Die Lage des Restaurants ausserhalb des Dorfes bringe keine Laufkundschaft und die meist aufwendigen Gerichte aus der Küche des Lifestyle-Lokals möchte er nicht für Transportwege in Einwegverpackungen abfüllen. «Unsere Gäste kommen wegen des Gesamterlebnisses zu uns.» Vorläufig könne er nur auf bessere Zeiten hoffen und ruhig Blut bewahren.

Im Restaurant Rüthihof in Rüthi verleitete das sonnige Wetter dazu, diese Woche die Gartenmöbel aus dem Keller zu holen und die Terrasse herzurichten. Dieser Tatendrang kam etwas zu früh. Der Bundesrat erlaubt auch keinen Gastrobetrieb im Freien. «Schlimm», sagt Michaela Gmür, die im Service arbeitet und für die Lernenden zuständig ist. «Aber ich kann es teilweise auch verstehen.»

Immerhin ist das Integrationsprojekt nicht gefährdet. Flüchtlinge erhalten im «Rüthihof» eine Ausbildung in den Berufsfeldern Gastronomie und Hotellerie, angeboten vom Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen TISG. Trotz Einschränkungen gibt es in der «Rüthihof»-Küche zu tun. Die Take-away-Menüs am Mittag finden Anklang und das Team kocht weiterhin für den Mahlzeitendienst der Spitex. Freie Zeit nutzen die Verantwortlichen, um die Auszubildenden verstärkt bei den Schularbeiten zu unterstützen.

Auch in der Fitnessbranche steigt die Frustration. Nun, nach über einem Jahr Restriktionen und einer zweiten Schliessung seit dem 22. Dezember, geht es ans Eingemachte, bestätigt Kenshj Savary, stellvertretender Geschäftsführer des TC Heerbrugg. «Ich kenne mehrere Betriebe, die um ihre Existenz bangen oder den Betrieb sogar schon schliessen mussten.»

Lieber später öffnen, dafür nie mehr schliessen

Das TC stehe allerdings nicht auf der Kippe: «Das Fitnesscenter ist das Lebenswerk meiner Mutter: Mein Bruder und ich werden alles daran setzen, das Unternehmen weiterzuführen, obwohl es knapp wird mit der Härtefallhilfe.»

Trotz der Not bringt Kenshj Savary Verständnis auf für die verlängerten Massnahmen bis mindestens 22. März: «Die Sicherheit geht vor, unsere Schutzkonzepte haben wir deshalb bereits angepasst, damit wir bereit sind für eine Wiedereröffnung. Uns ist letzten Endes aber lieber, wenn wir erst etwas später öffnen dürfen, dann aber auch tatsächlich offen bleiben können. Schlimm wäre, wenn wir nach nur wenigen Wochen oder Monaten erneut dicht machen müssten.»

Für Sportler unter 20 Jahren sind Indoor-Trainings ab 1. März wieder erlaubt. Ob das TC in Heerbrugg das Fitnesscenter für das junge Klientel öffnen wird, ist noch unklar. Gemäss Savary warte man die Empfehlungen des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbands ab.