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Der Höllenritt des Altstätters Roger Coray durch Wales

In fünf Etappen über 315 Kilometer und 15'500 Höhenmeter über hügeliges Gelände von Nord- bis Süd-Wales: Das The Dragon’s Back Race wurde für Roger «Rats» Coray, begleitet vom Olympioniken Christian Kreienbühl, zum einmaligen Erlebnis.
Andrea Kobler
Roger «Rats» Coray auf dem Crip Goch im Snowdonia-Nationalpark in Gwynedd: Eine schöne Landschaft, aber gefährliches Terrain. (Bild: pd)

Roger «Rats» Coray auf dem Crip Goch im Snowdonia-Nationalpark in Gwynedd: Eine schöne Landschaft, aber gefährliches Terrain. (Bild: pd)

Umso kürzer die jeweiligen Etappen waren, desto steiler. Dazu kam, dass ein Fünftel des Weges, vom Veranstalter als «trackless» bezeichnet, gesucht und gefunden werden musste. Die Tücken dabei: War ein Grundstück eingezäunt, musste frühzeitig entschieden werden, ob es durchquert oder umgangen wurde. Über Zäune steigen, war verboten.

Beobachtet wurden die über 400 Athletinnen und Athleten mit Satelliten. Von Begleitern durften weder Utensilien noch Verpflegung entgegengenommen werden. Geschlafen wurde im Zelt – meist in eisiger Kälte. «Ich war froh, dass mich Christian Kreienbühl bei meinen Zielankünften unterstützte, sodass ich schnell zum Liegen kam. Denn aufgrund des Zeitlimits musste ich immer frühmorgens starten», erzählt der Altstätter.

Immer irgendwo ein Schaf

Die Strecke war sehr abwechslungsreich, die Natur schön. Unterwegs waren die Sportler meist alleine. In einem Niemandsland ohne Restaurants oder Liegemöglichkeiten. Manchmal bestand vier bis fünf Stun­-den keine Möglichkeit, die Wasserreserven aufzufüllen. Deshalb hiess es einteilen. «In der Burg der Stadt Conwy wurden wir von einem Chor, der das Lied ‹You’ll Never Walk Alone› sang, in das The Dragon’s Back Race verabschiedet. Wenigstens blökte immer irgendwo ein Schaf», nahm es der Ultrasportler Tage nach seiner Rückkehr wieder mit Galgenhumor.

Von der Bieridee zum härtesten Rennen

Die Teilnahme am Dragon’s Back Race war eine Bieridee. Spätabends fassten Rats Coray und Christian Kreienbühl den Entscheid – der eine seinen 50. Geburtstag, der andere seinen Polterabend feiernd. Viel Vorahnung, was sie erwarten wird, hatten sie nicht. «Wir sahen zwar Bilder – auch mit vielen Verletzten. Wir nahmen das aber nicht sehr ernst. Schliesslich schreiben viele Veranstalter vom härtesten Rennen der Welt», so Coray. Gestartet wurde mit 52 km und 3800 Höhenmetern. Der Tag war mehr als grenzwertig. «Wir kletterten ungesichert über drei Berge, die normalerweise nur in einer Seilschaft gesichert bestiegen würden. Wir waren aber im Rennmodus und ein Zurück gab es nicht», so Coray. Über die Gipfel und teils auch abwärts «lief» er auf allen Vieren. «Ich dachte mir oft: «Jetzt ist fertig.» Vier Athleten, die bereits zweimal am Rennen gestartet waren, bestätigten aber, dass die grössten Schwierigkeiten nun hinter ihnen liegen würden.

Nie wieder durch Wales

Coray sprach von Glück, dass während allen fünf Tagen trockene Wetterbedingungen herrschten: «Ich wüsste nicht, wie wir das Rennen bei Regen und Nebel bewältigt hätten – Bedingungen, wie sie in den Vorjahren geherrscht hatten.» Die Tage zwei bis fünf waren dann in einem technisch einfacheren Gelände, ähnlich steil und lang: «Immer auf und ab, kreuz und quer und wieder mal zurück, weil man sich verlaufen hatte.» Der dritte Tag brachte die grosse Zäsur. Kreienbühl, der bis dahin sehr gut im Rennen gelegen hatte, kämpfte mit Magenproblemen und musste seine Hoffnungen von «Angriff auf die Top ten» durch den olympischen Gedanken «dabei sein und dabei bleiben ist alles» ersetzen. Dafür verbesserte sich Coray vom 302. auf den 259., tags da­rauf auf den 239. Rang. Auch im weiteren Rennverlauf verbesserte er sich stetig, sodass er schliesslich nach 70 Stunden und 50 Minuten als 219. finishte. Kreienbühl wurde bei seiner Ultra- Marathon-Premiere 35. – eine sehr gute Leistung. Trotz der vielen eindrucksvollen Momente ist für Coray aber klar: «Das Rennen war brutal hart, teilweise über dem Limit. Deshalb werde ich garantiert nie wieder ein solches Rennen wie das The Dragon’s Back Race bestreiten.»

Gemeinsamer Start am Städtlilauf

Sportlich trennen sich die Wege von Roger «Rats» Coray und Christian Kreienbühl für die Sommermonate. Coray startet am Eiger Ultra Trail (101 km/ 7500 Hm) und am SwissPeaks 360 (360 km/25000 Hm), Kreienbühl will bei einem Stadtmarathon die Limiten für die Europameisterschaft 2020 in Paris und für Olympia 2020 in China unterbieten. Wieder gemeinsam am Start stehen werden sie am 14. September am Altstätter Städtlilauf sowie zwei Wochen später am Berlin-Marathon – dann aber ohne Laufrucksack.

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