Cheftrainer mit 27 Jahren

Denis Sonderegger aus Widnau wurde vom FC Egg in der vierthöchsten österreichischen Spielklasse verpflichtet, um nächste Saison vielleicht sogar in der dritthöchsten Liga mitspielen zu können.

Gerhard Huber
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Denis Sonderegger startet im Frühling im Bregenzerwald in die Saison. (Bild: Ulrike Huber)

Denis Sonderegger startet im Frühling im Bregenzerwald in die Saison. (Bild: Ulrike Huber)

Denis Sonderegger ist wohl schon mit Stollen an den Füssen zur Welt gekommen. Er ist der Sohn der «Grande Dame» des Rheintaler Frauenfussballs, Renate Sonderegger, und des legendären Widnauer «Schwalbenkönigs» und heutigen Faktotums auf der Aegeten, Peter «Fip» Sonderegger.

Während Denis’ Bruder Sandro beim FC Diepoldsau-Schmitter im Mittelfeld die Fäden zieht, war der älteste Bruder Sven seit vielen Jahren als Nachwuchstrainer und bis zum vergangenen Sommer beim FC Widnau als Chefcoach tätig. Dass Schwester Fabienne selbst Spielerin und Nachwuchstrainerin war und mit Widnaus Co-Trainer Daniel Lüchinger liiert ist, versteht sich da schon fast von selbst.

Auf dem Fussballplatz aufgewachsen

«Ich bin praktisch auf dem Fussballplatz aufgewachsen, schon mit vier, fünf Jahren habe ich angefangen», schmunzelt ein etwas erschöpfter Denis Sonderegger im Gespräch. Erst am Abend zuvor war er in der Münchner Allianz-Arena zu Gast, um den Bayern auf die Füsse zu schauen. Am kommenden Tag fliegt er nach Barcelona, um live zu erleben, was Messi, Suarez, Piqué und all die anderen Fussballlegenden der Katalanen auf den Rasen zaubern. Denis Sonderegger ist: ein Fussballverrückter im positiven Sinn. Mit 17 Jahren bestritt Denis Sonderegger einige Kurzeinsätze in Widnaus erster Mannschaft. Schon damals hat er entschieden, nicht als Spieler, sondern als Fussballtrainer Karriere machen zu wollen.

Den finanziellen Rückhalt für diesen Plan holte sich Denis Sonderegger als Angestellter. Zunächst für zwei Jahre im Sekretariat und der technischen Abteilung des Ostschweizer Fussballverbands, dann in gleicher Funktion beim Challenge-League-Klub FC Wil. Daneben war er bei verschiedenen Nachwuchsteams als Trainer tätig und übernahm beim FC Wil vor drei Jahren das Amt des Nachwuchschefs.

Im Sommer-Juniorencamp in Egg mitgeholfen

Nur wenig später war er Assistenztrainer des Challenge-League-Teams, musste dann aber feststellen, dass er mit Cheftrainer Konrad Fünfstück das Heu nicht auf derselben Bühne hatte. Und letztes Jahr war der Widnauer als Gegner-Analyst für den FC Sion tätig. Und jetzt Cheftrainer beim FC Egg, derzeit mit 26 Punkten auf dem elften Rang der 17 Teams umfassenden Vorarlberg-Liga. Der Kontakt zu den Bregenzerwäldern kam zustande, als Denis Sonderegger dort beim von einem Kollegen organisierten Sommer-Juniorencamp mitgeholfen hat.

Der FC Egg habe mit Roland Kornexl einen langjährigen und lange auch erfolgreichen Trainer. «Allerdings stagnierte die Mannschaft seit einiger Zeit, weshalb sich die Vereinsführung entschied, einen neuen Trainer zu installieren», sagt Sonderegger.

Der FC Egg geniesst in Vorarlberg den Ruf eines gut organisierten Vereins. Im Vorstand hätten viele junge Leute ehrgeizige Pläne mit dem Verein. «Wie auch Widnau setzen die Bregenzwerwälder auf selbst ausgebildete Spieler: Im Kader stehen nur fünf Kicker, die nicht aus Egg kommen», sagt Sonderegger. Auch wie Widnau im Rheintal weist der FC Egg den höchsten Zuschauerdurchschnitt im Vorarlberger Amateurfussball auf. «Da kann ich mich schon jetzt auf die tolle Atmosphäre freuen», sagt Denis Sonderegger. Er kennt bereits alle Spieler: «Ich habe die Mannschaft schon ein paar Mal beobachtet.» Dabei hat Sonderegger auch schon einige Ansätze gefunden, «um wieder Bewegung in Kopf und Beine der Spieler zu bekommen.» Der Jungtrainer sagt, er möchte jeden einzelnen Spieler besser machen: «Dann wird die Qualität im Training und auch im Spiel steigen.»

Regionalliga in Österreich wird aufgelöst

In der neuen Saison wird in Österreich die bisher dritthöchste Spielklasse, die Regionalliga, aufgelöst. Anstelle der in die Gruppe Ost, West und Süd aufgeteilten Liga, gibt es ab der Saison 2019/20 die «Eliteliga», die mehr und geografisch enger gefasste Gruppen enthält.

Zum Aufstieg aus der Vorarlbergliga in die dann dritthöchste Spielklasse Österreichs würde der sechste Platz genügen, von dem die Egger vor den restlichen 15 Partien nur zwei Punkte entfernt sind. Das Ziel für Sonderegger und sein Team ist vor der kommenden Rückrunde also klar definiert.

Die persönlichen Ziele des jungen Trainers, der zum ersten Mal Chef einer Aktivmannschaft ist, sind etwas weiter gefasst: «Ich möchte als Trainer so weit wie möglich nach vorne kommen – vielleicht auf höchstem Niveau, vielleicht sogar in einer europäischen Top-5-Liga (Anm. d. Red: England, Spanien, Deutschland, Italien oder Frankreich).»

Denis Sonderegger weiss aber selbst auch, dass er dazu nebst grossem Geschick viel Glück benötigt. Und selbst wenn dies klappt, ist ein Vereinstrainer immer auch von anderen Faktoren abhängig: «Um erfolgreich sein zu können, braucht es ein gutes Team, ein breites Kader und einen ambitionierten, aber doch realistischen Verein.»