Chef ertrügt Geld für Hausbau

RHEINECK. Als verantwortlicher Geschäftsführer mit Vertrauensbonus und weitreichenden Befugnissen ertrog ein 40-jähriger Rheintaler innert weniger Jahre ein Vermögen. Gestern stand er vor dem Richter. Die Geschichte klingt unglaublich.

René Schneider
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Vertrauen ist alles, Kontrolle schwierig. Wie viele Tonnen welcher Qualität und von wem sind am Lager? (Bild: René Schneider)

Vertrauen ist alles, Kontrolle schwierig. Wie viele Tonnen welcher Qualität und von wem sind am Lager? (Bild: René Schneider)

Das «Geschäftsmodell» des Geschäftsführers bei der überregional agierenden Entsorgungsfirma war so dreist wie einfach: Er kaufte auf Firmenkosten Güter und verkaufte sie auf eigene Rechnung. Er fälschte Belege oder steckte Barauszahlungen an fingierte Lieferanten in die eigene Tasche. In der Sprache der Juristen heissen die Taten Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei. Seiner Arbeitgeberin entstand gemäss Anklageschrift innert weniger Jahre ein Schaden von mehreren Hunderttausend Franken.

Mit drei Helfern

Der Mann und drei Helfer mussten sich gestern in Rheineck vor dem Kreisgericht verantworten. Einer hatte als Mitarbeiter und Kollege mitgewirkt, ein zweiter liess fingierte Zahlungen über seine Firma laufen und profitierte von Gegengeschäften. Ein dritter Mann verkaufte mit Provision gestohlene Ware. Dem Quartett drohen jetzt hohe Geld- und Freiheitsstrafen. Die beiden Haupttäter, der Geschäftsführer und sein Mitarbeiter, haben mit dem «Erlös» gut gelebt und drei Häuser gebaut, für den Geschäftsführer sogar inklusive Pool. Für ihn beantragt die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren und eine Geldstrafe von 27 000 Franken. Seinem Mitarbeiter und Vertrauten droht eine bedingte Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren und eine Geldstrafe von 43 000 Franken. Dem einen Hehler droht eine bedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten und eine Geldstrafe von 6900 Franken. Dem dritten Hehler droht eine bedingte Geldstrafe von 30 000 Franken. Alle drei Mitangeklagten gaben an, Freundschaftsdienste geleistet und nichts gewusst zu haben. Die Behörden haben vorsorglich «die Hand» auf die Häuser und andere Vermögenswerte gelegt. Die Urteile stehen noch aus.

Im gegenseitigen Einvernehmen

Der Geschäftsführer habe «mit hoher krimineller Energie» gehandelt, sagte ein Geschädigter in der Verhandlungspause. Dem Verwaltungsrat habe er mit seiner gewinnenden Art zu lange die auffällig dürftigen Geschäftszahlen plausibel machen können. Ein erster Verdacht und den immer grösser werdenden Fall ins Rollen gebracht hat eine Quittung über einen lächerlich kleinen Betrag. Man trennte sich, wie in solchen Fällen üblich, «einvernehmlich». Erst später, angesichts des Ausmasses der Betrügereien, reichte die geschädigte Firma eine Klage ein.

Neue Firma, bewährtes Muster

Unglaublich, aber wahr: Der Geschäftsführer heuerte bei der Konkurrenz an, bald wechselte auch sein «persönlicher Mitarbeiter» dorthin, und innert eines Jahres stand das 60 Jahre alte Familienunternehmen am Rand des Bankrotts. Der Geschäftsführer hat sein «Geschäftsmodell» beibehalten. Der Schaden beträgt auch bei dieser Firma mehrere Hunderttausend Franken. Der Mann arbeitete nach dem zweiten Rausschmiss gar bei einem dritten Anbieter in der Altstoff-Branche. Dieses Arbeitsverhältnis dauerte aber nur kurz. Dann wechselt der in eigener Sache sehr erfolgreiche Geschäftsführer zu einem Lebensmittel-Händler. Einer seiner Gläubiger erwähnte in der Pause, auch in seinem neuesten Job habe der Mann Geschäfte auf eigene Rechnung getätigt, und es laufe deswegen ein weiteres Gerichtsverfahren an.

Überzeugend

Vor Gericht gab der Hauptangeklagte einen Fall von Urkundenfälschung zu, bestritt aber alle anderen, also Dutzende ihm vorgeworfene Straftaten. Er wirkte dabei überzeugend, souverän, verhandlungssicher, sprach unaufgeregt, mit fester Stimme und hatte für alles eine plausible Erklärung. Auch für den 1000-fränkigen Gasgrill, den er auf Geschäftskosten gekauft und (von Angestellten) privat nach Hause hatte liefern lassen oder zum Umstand, dass er für die Firma 25 000 Liter Diesel bestellt, aber 5000 Liter davon in private, externe Kunststoff-Tanks hatte einfüllen lassen.