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«Campen ist nicht mehr das, was es einmal war»: Wie eine Familie nach 25 Jahren Abschied vom Sonnensee in Kriessern nimmt

Jahrelang campte Familie Keller am Sonnensee in Kriessern. Nun steht eine Mulde bereit. Es ist ein Abschied mit gemischten Gefühlen.
Hildegard Bickel
Der Abbruch: Familie Keller aus Altstätten trennt sich von ihrem Wochenend- und Ferienhöckli. (Bild: hb)Der Abbruch: Familie Keller aus Altstätten trennt sich von ihrem Wochenend- und Ferienhöckli. (Bild: hb)
Sieben Mieter verlassen per Ende September den Campingplatz am Sonnensee. Die zwei grünen Flächen mit direktem Seeanstoss sollen nicht lange leer stehen. Sie sind an Nachfolger vergeben. (Bild: hb)Sieben Mieter verlassen per Ende September den Campingplatz am Sonnensee. Die zwei grünen Flächen mit direktem Seeanstoss sollen nicht lange leer stehen. Sie sind an Nachfolger vergeben. (Bild: hb)
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Nach 25 Jahren den Platz räumen

Camping liegt im Trend, Jahresplätze sind rar. Zum Saisonende künden sich allerdings Abgänge an. Auf dem Campingplatz Sonnensee in Kriessern werden gar sieben Plätze frei, wovon drei allerdings wieder vergeben sind. Doch bevor sich die Neuen einrichten können, müssen die bisherigen Mieter ihre Anwesen komplett entfernen.

Seit letzter Woche ist der Platz von Rolf Keller und sei­ner Familie eine Baustelle. Er schwitzt, nimmt die Bohrmaschine zur Hand und löst Schrauben aus dem Wohnwagen-Vorbau. Seine Frau und die Tochter brechen splitternde Bretter aus der Wand und werfen sie in die Mulde. Die gut erhaltenen Fenster sind zu schade dafür und werden weitergegeben.

Wechselvolle Jahre erlebt

Geschätzt 7000 bis 10'000 Franken investierte der Altstätter während 25 Jahren in das nahe Feriendomizil. Der Rückbau schmerzt. «Wir verbrachten unsere Wochenenden und Ferien auf dem Campingplatz», sagt Rolf Keller.

«Erst mit unseren Kindern, später kamen die Enkel dazu.»

Doch das Cam­pen sei nicht mehr das, was es einmal war. Viele freundschaftliche Nachbarverhältnisse gingen durch Wechsel verloren, Operationen machen Rolf Keller gesundheitlich zu schaffen. Da­zu mischt sich Unverständnis gegenüber ständig neuen Vorschriften. Tatsächlich sind auf dem Gelände verschiedene Schilder aufgestellt, die das Neben- und Miteinander auf dem Campingplatz regeln sollen. «Fahrverbot während der Mittagsruhe» oder «Hunde von Besuchern sind auf dem Campingplatz unerwünscht», fallen im Eingangsbereich als erstes auf.

Im Büro kann Campingplatzbesitzer Thomas Zünd auf einem Bildschirm die Aufnahmen von Überwachungskameras abrufen. «Was denken Sie, wozu die da sind?» fragt er. «Es kam vor, dass einzelne Camper ihre Abfälle von zu Hause mitbrachten und in den Kübeln auf dem Gelände entsorgten.»

«Camper sind Kunden, keine Kollegen»

Thomas Zünd, ein Kontrollfreak? Er machte die Erfahrung, dass eine Weisung erst dann gilt, wenn sie geschrieben steht. Für ihn ein Zeichen, wie sich die Gesellschaft wandelt. «Früher galt das Wort oder ein Handschlag.» Er behält sich vor, wenn nötig Verordnungen anzupassen.

Eine weitere, markige Aussage folgt, als er sagt:

«Für mich sind die Camper Kunden, keine Kollegen.»

Er wolle alle gleich behandeln. Deshalb auch die Weisung, den Platz bei Ende des Mietverhältnisses komplett geräumt zu verlassen. So seien keine Altlasten für Nachfolger zu erwarten. Bei all den Regulierungen habe er die Freude am Campingplatz trotzdem nicht verloren. «Sonst hätte ich schon längst alles verkaufen können.»

Eine Warteliste für die momentan vier freien Jahresplätze führt Thomas Zünd nicht. Ihm fehlt die Verbindlichkeit der Interessenten, tatsächlich einen Platz übernehmen zu wollen. Angebot und Nachfrage hätten sich bisher meist ausgeglichen.

Andere Handhabe beim Baggersee

Ebenfalls freie Plätze gibt es derzeit auf dem Campingplatz beim Baggersee. Zwei Mieter wollen sich altershalber zurückziehen. Anders als beim Sonnensee ist es üblich, dass Mieter ihre Wohnwagen an Nachfolger verkaufen oder die Übernahme innerhalb der Familie regeln.

«Seit einigen Jahren stellen wir einen Generationenwechsel fest», sagt Bad- und Campingwart Markus Hensch. «Ältere Leute geben den Wagen oft an ihre erwachsenen Kinder weiter, die nun mit der eigenen Familie herkommen.»

Dadurch sei der Platz sehr gut ausgelastet. Auch die drei Tagesplätze sind beliebt bei Durchreisenden.

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