Burn-out und Freizeitstress

Am Dienstag luden Junge Wirtschaftskammer und Kantonalbank zum dritten Academy-Weiterbildungsanlass dieses Jahr ein. Im Mittelpunkt stand das Thema Stress.

Max Pflüger
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Der Arzt Andreas Fleischmann und die Autorin Antonia Payr-Eppisser beantworteten interessante Fragen aus dem Publikum. (Bild: Max Pflüger)

Der Arzt Andreas Fleischmann und die Autorin Antonia Payr-Eppisser beantworteten interessante Fragen aus dem Publikum. (Bild: Max Pflüger)

Der Abend wurde mit zwei Vorträgen gestartet. Zuerst war die Reihe an Andreas Fleischmann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er gab einen Überblick über die Entstehung, die körperlichen und seelischen Auswirkungen sowie die Möglichkeiten der Verhütung von Stress und Burn-out.

Die seit letztem Wochenende vermählte Antonia Payr-Eppisser hat solche Situationen selbst erlebt und auf einer Seereise überwunden. Im Buch «Ausbrechen statt einbrechen» hat sie ihre Erfahrungen verarbeitet und veröffentlicht. Im Referat ergänzte sie die medizinisch-wissenschaftliche Sicht des Arztes mit den Erkenntnissen aus dem Leben.

Lebhafte Diskussion nach den Referaten

Um es vorwegzunehmen: Das Thema kam bei den anwesenden Unternehmern und Wirtschaftsführern gut an. Sie sind sich der Gefährdung ihrer Mitarbeiter sowie ihrer Verantwortung als Vorgesetzte bewusst, suchen das Gespräch mit allfällig Betroffenen und wollen helfen. Die Diskussion machte das deutlich.

Genaue Rezepte und Verhaltensregeln durften sie allerdings nicht erwarten. Dazu sind die Erscheinungsbilder der Stressursachen und -folgen zu unterschiedlich. Jeder Fall muss einzeln betrachtet und behandelt werden, wie Andreas Fleischmann sagte. Vor allem müssen die Betroffenen selbst ihre Situation erkennen, akzeptieren und von innen heraus bekämpfen. Sie dahin zu führen, ist die wichtigste Hilfe.

Am Ball bleiben nach dieser Sensibilisierung

Zur Ruhe kommen, sich selbst akzeptieren, sich achten lernen: Das sind die Grundpfeiler, um die Gefahr einer Stresserkrankung zu minimieren. Zu hohe Ansprüche an sich selbst, Perfektionismus und nicht Nein-Sagen-Können erhöhen das Stressrisiko. Der Mensch ist immer gefordert. Weiterbildungen, Musikunterricht, soziale Medien, Turnvereine und Joga-Kurse, Kreativität und sportliche Leistungen, der ganze Freizeitstress neben den immer höheren Anforderungen des Berufslebens: All das kann für Schüler und Erwachsene zu viel werden.

Ein anschauliches Beispiel aus dem Leben erzählte Antonia Payr-Eppisser: «Über zwei Wochen dauerte es, bis ich auf der langen Reise mit dem Frachtschiff über die endlose Wasserfläche endlich einen ganzen Tag verbrachte, ohne von Arbeit und Schule zu reden.» Von da an sei es ihr dann immer besser gegangen. Mit einem kurzen Film zu ihrem grossen Erlebnis schloss sie ihre Ausführungen ab.

Die Unternehmer und Chefs sind an diesem Weiterbildungsabend für ein Thema sensibilisiert worden, das ihnen aus der Praxis zum Teil bekannt ist. Dennoch hat wohl jeder in den Ausführungen Neues erfahren und Anregungen für den Alltag mit nach Hause nehmen können. Für sie gilt es nun, am Ball zu bleiben.