Bürger diskutierten hart aber fair

Die St. Margrether Bürgerschaft informierte sich gestern Abend zur Umzonung Ottersbach, zum Hundegesetz und zu den Verkehrsprojekten rund um «Europuls». Diskutiert wurde hart, aber sachlich/fair. Applaus gab es für alle Voten.

René Schneider
Drucken
Teilen

St. Margrethen. Knapp zwei Stunden dauerte die «Bürgerinformation» des Gemeinderates in der Wiesenau-Aula. Danach wurde bei guter Stimmung und angeregten Gesprächen ein Apéro genossen. Schwerpunkt-Thema war die «Teilrevision Zonenplan Ottersbach». Der Gemeinderat befürwortet ein Projekt von privaten Investoren, unter dem «Heldsberg», am südöstlichen Dorfeingang, auf 6500 Quadratmetern jetzt noch landwirtschaftlicher Wiese eine «moderne, technologisch fortschrittliche Passivhaus-Siedlung» mit 65 «hochwertigen» Wohnungen zu bauen.

Ein Referendumskomitee hatte gegen das Vorhaben über 500 Unterschriften gesammelt. Darum wird am 13. Februar an der Urne abgestimmt.

Siedlungslücke schliessen

Gemeindepräsident Reto Friedauer erläuterte die Überlegungen des Gemeinderates, der «voll und ganz» hinter dem Projekt stehe. Das Gebiet sei schon heute «zersiedelt». Es gehe darum, mit einer guten, zukunftsgerichteten Überbauung ein «Loch im Siedlungsgebiet» zu schliessen. Das neue Angebot mit eher teuren Wohnungen werde neue und vor allem eher begüterte Einwohner anziehen, die dann im Dorf Steuern zahlen und mithelfen, die wirtschaftliche Stagnation und die einseitige Bevölkerungsentwicklung zu überwinden. Die Einzonung von 6500 Quadratmetern Fruchtfolgefläche sei «massvoll und von hohem öffentlichem Interesse». Im übrigen habe St. Margrethen in den letzten Jahren einige Hektaren «übriges Gemeindegebiet» wieder als Landwirtschaftsland eingezont.

Europuls reicht aus

Die Referentin der Gegner argumentierte, die neuen Wohnungen seien nicht nötig, weil das Projekt Europuls 200 hochwertige Wohnungen anbieten werde – an zentraler Lage statt am Siedlungs-Rand. Der Zuzug von begüterten Einwohnern sei ungewiss. Vielleicht werde eher innerhalb des Dorfes umgezogen, und würden in die frei werdenden günstigeren Wohnungen weniger Begüterte einziehen. Dies könne «in eine weitere Abwärtsspirale» führen. Die Votantin (und andere) kritisierten, dass eher kleine Wohnungen für Singles oder Paare gebaut würden, statt welche für Familien.

«Bombe» zum Schluss

Ein Raunen in den Reihen löste die letzte Rednerin (und Land-Besitzerin im Ottersbach) aus: Sie zitierte aus einem Anwalts-Brief, der belegen soll, dass es einem Teil der aktiven Gegner weniger um Natur, Siedlungspolitik und Fruchtfolgeflächen gehe als vielmehr um eigene Überbauungspläne bzw. Baulandreserven.