BUECHEN/THAL: Weise Frauen und gute «Hexen»

Gegen 300 Bäuerinnen folgten der Einladung des Landfrauenvereins Thal-Rheineck zur Tagung in der Bützelhalle. Das Thema Wasser stand im Mittelpunkt.

Rudolf Hirtl
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Unterstützung für das Trachtenchörli durch die drei Buben, die zuvor mit ihrem Waldsketch die Frauen im Saal zum Lachen brachten. (Bild: rtl)

Unterstützung für das Trachtenchörli durch die drei Buben, die zuvor mit ihrem Waldsketch die Frauen im Saal zum Lachen brachten. (Bild: rtl)

Wally Herzog begrüsste als Präsidentin der Landfrauen Thal-Rheineck die Vertreterinnen der anderen Vereine und die Kolleginnen aus dem Gebiet Mittelrheintal bis Rorschach. Nach dem Eröffnungslied «Of em Buechberg» richtete Thals Gemeindepräsident Robert Raths ein paar Worte an die Landfrauen. Er ­bedankte sich besonders für das grosse Engagement der hiesigen Vertretung. Die Gemeinde greife beispielsweise bei Zuzügerfeiern oder Personalanlässen gerne auf das Know-how der Landfrauen zurück. Es sei ein guter und wichtiger Verein für das Dorf.

Eine angeregte Debatte über Themen, die der Landwirtschaft unter den Fingern brennen, fand in der Bützelhalle nicht statt. Es war vielmehr ein geselliges Aufeinandertreffen, umrahmt von Gesang, an dem sich die Frauen austauschten. Kantonalpräsidentin Petra Artho bedankte sich bei den Organisatorinnen für eine ­lebendige und unterhaltsame ­Tagung, die, obwohl sie unter dem Motto «Wasser – Quelle des Lebens» stand, keinesfalls wässrig und lau sei. Sie machte darauf aufmerksam, dass auf der Website schon bald eine Trachten­börse aufgeschaltet werde, was mit wohlwollender Zustimmung quittiert wurde.

Das unterirdische Wissen als ein Privileg der Frauen

Sie erinnerte auch an das Hilfeangebot des Verbandes, der bei Problemen jeglicher Art ein Coaching für Bauernfamilien anbiete. Ein Coaching hätte sich vielleicht auch Pfarrer Klaus Steinmetz gewünscht, der zu Beginn seines Referates «Wasser – fliessendes Glück» scherzend bemerkte, dass ihm schon etwas mulmig sei, vor 280 Frauen zu sprechen. Der Pfarrer blickte weit zurück, bis ins Jahr 1490, als ­entlang des Rheins noch Landvogte herrschten, die das Volk in ihrer jeweils nur zwei Jahre dauernden Amtsschaft auspressten. Er spannte den Boden weiter zu den damaligen Ängsten, als Überschwemmungen noch die denkbar grössten Katastrophen waren. «Kein Wunder, gibt es 200 Geschichten über die Sintflut», so Steinmetz.

Schon damals hätten weise Frauen, man habe sie auch Hexen genannt, viel über die Natur und damit auch über Wasser gewusst. Etwa über die Kommunikation zwischen Wurzeln und Erde. Und damals wie auch heute bekämen die Männer von dieser unterirdischen Kommunikation der Frauen wenig mit. Dass Luft als Element zu den Männern gehöre, merke man etwa an Trump und Erdogan. Beide müssten dringend geerdet werden. «Vielleicht hat es auch heute ein paar Hexen unter Ihnen, aber selbstverständlich im positiven Sinn», sagte Steinmetz und rief ein Raunen in den Reihen der Frauen hervor. Viele Junge hätten die Bodenhaftung verloren, fügte der Pfarrer an. Die Landfrauen im Saal hingegen besässen die nötige Weisheit. «Helfen Sie mit, dieses Wissen für die Zukunft zu erhalten.»

Rudolf Hirtl