«Buchen sollst du suchen»

Das ist ein Ratschlag für Gewitter. Ob er stimmt, ist höchst umstritten. Hoffentlich aber findet der Blitz diese Buche nicht, die ein echtes Naturdenkmal, ein Monument ist.

Urs Stieger Berneck
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Das ist ein Ratschlag für Gewitter. Ob er stimmt, ist höchst umstritten. Hoffentlich aber findet der Blitz diese Buche nicht, die ein echtes Naturdenkmal, ein Monument ist.

«Durch diese hohle Gasse muss er kommen …» Kaum jemand, der diesen Spruch Schillers nicht kennt. So muss man sich das vorstellen, ohne Gessler und Tell. Eine hohle Gasse oder ein Wanderweg, möglicherweise der historische Weg vom Rheintal Richtung Appenzellerland. Links und rechts Buchen, und in der Mitte, man glaubt es kaum, ein Baum wie aus dem Märchen. Oder vom Amazonas. Oder aus dem Film «Herr der Ringe». Eine Buche steht da in der Reihe, ein Monument, wie ich es selten gesehen habe!

Kerzengerade steht sie. Auf etwa 12 Meter Höhe geht ein Ast weg, dicker als die meisten Buchenstämme, die man in den Wäldern sieht. Unendlich lang! Mit unzähligen, frischgrünen Blättern. Und überall, vieltausendfach fruchtet er. Wer beim Anblick dieser Buche nicht ins schwärmen kommt: Wo dann?

Buchen werden im Vergleich zu anderen Bäumen nicht sehr alt. Die Langlebige Kiefer (Pinus longaeva) bringt es tatsächlich auf 5067 Jahre. (Neueste Forschung!) Eine Rotbuche ist mit 300 Jahren an der Lebensgrenze angekommen. Ob die Buche im Eschenmoos 150, 200 oder 300 Jahre alt ist? Wenn sie auch einige tote Äste hat, sie ist sehr vital. Alte Buchen haben vielfach kurze Stämme. Nicht so diese: Fast zwölf Meter ein gerader Stamm. So erinnert sie mich an den grössten Baum, den ich je gesehen habe: Ceiba pentandra, der Kapokbaum. Allerdings war der etwa dreimal höher und dicker und stand im Amazonasbecken.

Buchen sind wichtige Bäume in unseren Wäldern. Da das Holz «unruhig» bei der Trocknung und Verarbeitung ist, gehört es nicht zur ersten Wahl. Als Brennholz wird es wegen dem hohen Brennwert geschätzt.

Buche kann aber viel mehr. Die Farbe in unserem Haus besteht zu einem sehr grossen Teil aus Fasern der Buche, die zusammen mit einem Binder und Farbstoffen eine matte, nicht stinkende und strapazierfähige Farbe ergeben.

In der Guerilla-Gärtner-Szene wie bei Sterneköchen ist Buchengemüse «en vogue»: Frische, noch weiche Buchenblätter leicht dünsten, mit Butter und Gewürzen abschmecken. Zart und eigen! Buchenblätter wurden vielfach in frühen Klöstern gegessen (Clairvaux) wie heute im Gourmetlokal.

Lage: Eschenmoos zwischen Berneck und Reute/Oberegg. Berneck, Taa, Sulzbach. Oberhalb der Sägerei im Sulzbach zweigt der Wanderweg von der Strasse Richtung Oberegg rechts ab. Von hier etwa zehn Minuten. Keine Parkplätze, Fahrverbot.

Übrigens: Herzen, Initialen und andere Liebesbezeugungen braucht sie nicht.

Das Buch «Hädöpfl und Mäzeschtärn», gesammelte Kolumnen aus «Der Rheintaler» und «Rheintalischen Volkszeitung» ist im blabla-verlag.ch erschienen.