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Brücke war über 100 Jahre alt

Zurzeit wird die Binnenkanal-Brücke beim Hundeferienheim abgebrochen. Die genietete Stahlkonstruktion ist eine Zeitzeugin für den Brückenbau über den Rheintaler Binnenkanal.
Kurt Latzer
Ein Stück Geschichte aus der Zeit des Binnenkanalbaus verschwindet. Die Stahlkonstruktion ist vermutlich über 100 Jahre alt. (Bild: Kurt Latzer)

Ein Stück Geschichte aus der Zeit des Binnenkanalbaus verschwindet. Die Stahlkonstruktion ist vermutlich über 100 Jahre alt. (Bild: Kurt Latzer)

Auf der einen Seite das Hundeferienheim am Rhein, ennet dem Kanal das Strandbad Brugger­horn: Kurz, nachdem der Rheindammweg in die Bruggerhorn-strasse mündet, überquert die schmale Brücke, die nun verschwindet, den Binnenkanal. Weil sie marode ist, kommt das Bauwerk weg. Weil die Konstruktion jenen von anderen Stahlbrücken über den Rheintaler Binnenkanal gleicht, dürfte das Bauwerk anfangs 20. Jahrhundert entstanden sein. Zuständig für den Abbruch ist der Zweckverband Rheintaler Binnenkanal.

Stünde das Bauwerk 100 Meter flussabwärts, müsste sich das Rheinunternehmen um den Rückbau kümmern. Dort, bei der Werkleitungsbrücke, geht der Rheintaler Binnenkanal in den Alten Rhein über.

Ein Pendant ist 116 Jahre alt

Eine der ältesten ihrer Art ist die Feldwegbrücke über die Rietach im Gebiet Drei Brücken zwischen Balgach und Diepoldsau. Gebaut wurde sie vor 116 Jahren von der Firma Theodor Bell & Cie in Kriens, wie ein kleines ovales Schild an der Brücke beweist. Die Bauweise der Stahlkonstruktion zeigt Parallelen zur St. Margre-ther Brücke. Bei beiden sind die Stahlteile mit Nieten verbunden worden – typisch für jene Zeit. Welchem Zweck die etwa eineinhalb Meter breite Brücke beim Bruggerhorn gedient hat, steht nicht zweifelsfrei fest.

Der heutige St. Margrether Bauverwalter erinnert sich, die Brücke sei schon in seiner Kindheit nicht mehr begehbar gewesen. «Auf beiden Seiten war Eisen mit langen Stacheln montiert. Als Buben haben wir versucht, über den Steg zu kommen, hatten aber keine Chance», sagt Claudio Pallecchi mit einem Lächeln.

Franco Steccanella war Bauverwalter in St. Margrethen. Er glaubt, die Brücke könnte dem Kiesabbau im Bruggerhorn gedient haben. Vor dem Bau der Autobahn habe ein Weg aus dem Ort – vorbei am Areal der Firma Bauwerk – hin zur Brücke geführt. Vergittert habe man die Brücke, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

Ein Hinweis von Claudio Senn, stellvertretender Leiter Rheinunternehmen und ebenfalls ehemaliger Bauverwalter St. Margrethen, bringt etwas Licht ins Dunkel. «Auf einer Luftaufnahme der Schweizer Luftwaffe vom 18. Juni 1945 ist die Brücke zu sehen», sagt Senn. Wenn man die Aufnahme vergrössert, fällt auf: Die Brücke war damals von einem Dach überspannt, vermutlich mit Ziegeln gedeckt. Auf dem Bild ist von Kiesabbau nichts zu sehen, es zeigt nur Wiesen und Felder. «Ich könnte mir vorstellen, dass die Brücke als Fussweg und für die Bewirtschaftung der Landwirtschaftsflächen genutzt wurde», sagt Senn. Ein anderer, direkter Übergang von einer zur anderen Seite des Binnenkanals ist auf dem Bild nicht zu sehen.

Er vermutet zudem, dass sich unweit der Binnenkanalbrücke die erste ÖBB-Eisenbahnbrücke befunden hatte. «Vor einigen Jahren sind wir dort bei Grabarbeiten auf eine grosse Betonplatte gestossen», sagt Senn, «ich vermutete, es könnte sich um einen Teil des Fundaments der Eisenbahnbrücke handeln.»

Auf der Luftaufnahme von 1945 ist bereits die neuere Eisenbahnbrücke zu sehen, die man vor ein paar Jahren durch einen Neubau ersetzt hat. Die Stahlteile werden vor Ort zertrennt und finden dann ihr Ende bei der Moser Recycling Center AG in Altstätten.

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