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Brotverträger ist Blickfang in Bäckerei

Im Schaufenster der Oberegger Bäckerei Bischofberger ist ein lebensgrosser Brotverträger mit der «Chrääze» auf dem Rücken ausgestellt.
Der Brotverträger in Oberegg wird viel beachtet und weckt Erinnerungen an frühere Zeiten mit einer aus heutiger Sicht unglaublichen Vielzahl von Bäckereien. (Bild: Peter Eggenberger)

Der Brotverträger in Oberegg wird viel beachtet und weckt Erinnerungen an frühere Zeiten mit einer aus heutiger Sicht unglaublichen Vielzahl von Bäckereien. (Bild: Peter Eggenberger)

Damit wird an die Tradition jener Hausierer erinnert, die früher im Auftrag der rund 80 Vorderländer Bäckereien unterwegs waren. Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg hatten im Vorderland auch kleinere Weiler Dorfcharakter. Ein Schulhaus, eine Wirtschaft mit Säli, ein Kolonialwarenlädeli, ein oder zwei kleinere Gewerbebetriebe und auch eine Bäckerei ermöglichten ein weitgehend autonomes Leben ohne Abhängigkeit von Gemeindezentren. Mit über jeweils zehn Bäckereien waren Heiden, Walzenhausen, Wolfhalden und Oberegg vor siebzig Jahren führend. Heute liegt die Zahl der eigenständigen Bäckereien im gesamten Vorderland einschliesslich Oberegg unter zehn.

Der Kreis der die damaligen Backwarenlädeli besuchenden Kunden war klein, und jeder Bäcker sah sich gezwungen, die Zahl der Abnehmer von Brot und weiterem Gebäck zu vergrössern. Nach dem Motto «Kommst du nicht zu mir, so komme ich zu dir…» wurden Brotverträger eingestellt (oft waren es Schüler der oberen Klassen), die auch abseits wohnende Bauern- und Seidenweberfamilien regelmässig mit Backwaren versorgten. Reich wurden dabei weder die Bäcker noch die Verträger, aber immerhin sorgte das regelmässige Hausieren für eine gewisse Grundauslastung der Backstuben. Zu Beginn der Verkaufstour war die «Chrääze» der Brotverträger prall gefüllt. Entsprechend gross war das Gewicht, zumal viele Kunden Abnehmer von Fünfpfünder-Brotlaiben waren. Im Jahre 1945 kostete ein Fünfpfünder 1.22 Franken, und für einen Dreipfünder verlangten die Verträger 75 Rappen. Für einen runden Kilolaib waren 49 Rappen und für ein «Pfünderli» 30 Rappen zu entrichten. Diese Preise waren in den Richtlinien der Sektion Oberegg-Reute des kantonal appenzellischen Bäckermeisterverbandes vom 22. Oktober 1945 festgelegt.

Oft Bäckerei und Restaurant betrieben

Wie vermochten die vielen Kleinbäckereien zu überleben und eine Familie zu ernähren? Viele Ehepaare betrieben nicht nur eine Bäckerei, sondern auch ein angegliedertes Restaurant. Zu dieser Kategorie gehörten in Oberegg der «Riethof», in Reute die «Taube», in Heiden der «Rebstock», in Walzenhausen das «Gemsli», in Wolfhalden die «Fernsicht» und in Grub der «Anker». Die zunehmende Mobilität und das total veränderte Kundenverhalten führten dann zum Verschwinden der vielen Kleinbetriebe und damit auch der Brotverträger. (egb)

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