Bronze gewonnen – Gold blieb verwehrt

Leichtathletik Der 22-jährige Lüchinger Marco Tanner wollte in seinem letzten U23-Jahr die Goldmedaille verteidigen, der Dreisprung fand aber «mangels Teilnehmern» nicht statt. Dafür gewann er seine erste nationale Weitsprung-Medaille

Yves Solenthaler
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Schweizer Meisterschaften sind der Höhepunkt in der Karriere der jungen Leichtathleten. Nicht anders bei Marco Tanner, der an seinen letzten Nachwuchsmeisterschaften in Langenthal seinen Titel im Dreisprung von 2015 wiederholen wollte.

«Darauf habe ich hingearbeitet, meine Saisonplanung ausgerichtet», sagt Tanner. Die U23-Meisterschaft war ihm umso wichtiger, als er im Championnat der Elite wegen eines Muskelfaserrisses nicht zeigen konnte, was in ihm steckt.

Dubiose und kurzfristige Absage des Dreisprungs

Wenige Tage vor diesem wichtigen Wettkampf erhielt der Lüchinger den Bescheid, dass er gar nicht stattfinde: «Alles Intervenieren half nichts: Der Verband blieb stur.»

Swiss Athletics stützt sich bei der Absage auf ein Reglement, wonach sechs Sportler die Limite erfüllt haben müssen, um an der Schweizer Meisterschaft zu starten, im Dreisprung waren es nur vier. «Es gibt auch den Passus, dass Meisterschaften stattfinden, wenn mindestens drei Teilnehmer am Start sind», sagt Marco Tanner. Und so konsequent setze der Verband die erwähnte «Sechser»-Regel auch gar nicht um: «Im Dreisprung der U20-Frauen traten auch nur fünf Athletinnen an der Schweizer Meisterschaft an.»

Egal, ob die Regel korrekt umgesetzt worden ist oder nicht: Die Leidtragenden sind die Athleten, die am Sonntag in Langenthal um Medaillen springen wollen. Marco Tanner wollte in seiner Paradedisziplin zum vierten Mal eine SM-Goldmedaille gewinnen, die erste als Titelverteidiger. «Ich bin gut in Form, vielleicht wäre sogar ein 15-Meter-Sprung möglich gewesen», sagt Tanner, dessen Bestweite bei 14,85 m liegt.

«Ich hatte nach der Dreisprung-Absage das Gefühl, dass sich der Verband nicht um unsere Anliegen kümmert – und es herrscht noch immer vor», sagt Tanner.

Der Leichtathlet hat letzte Saison im Bobsport geschnuppert, in diesem Winter gehört er im Europacup zur Schweizer Mannschaft – an der Anschiebe-Meisterschaft vor einer Woche hat er Gold bei den Junioren und Bronze bei der Elite gewonnen. Hat der negative Entscheid des Leichtathletik-Verbandes Einfluss auf seinen Entscheid, dereinst allenfalls die Sportart zu wechseln? «Es ist möglich, dass dieses negative Erlebnis mich beeinflusst – aber ich möchte diese Entscheidung nicht aus dem Frust heraus treffen», sagt Tanner.

Mit der Wut im Bauch im Weitsprung stark

Allerdings boten die Wettkämpfe, die Tanner bestreiten dufte, keinen Grund für Frustration: «Nach der Absage des Dreisprungs wollte ich umso mehr die Weitsprung-Medaille.» Mit 6,91 m im dritten Versuch sicherte er diese in bronzener Legierung. Der Zweite kam nur 5 cm weiter, aber den Dritten schlug Tanner auch nur um 3 Zentimeter.

Beschwingt ging er danach direkt zum Speerwerfen. Dort steigerte Tanner seine Jahresbestleistung um fast acht Meter: Mit 58,29 m und neuer persönlicher Bestleistung wurde er Vierter.

Ein guter Wettkampf, aber ein schlechter Ersatz für die verwehrt gebliebene Goldmedaille.