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BRASILIEN/DIEPOLDSAU: Den Ärmsten Perspektiven geben

Der von Yves Störi gegründete Verein «Mauern fürs Leben» setzt sich für bessere Chancen von Einheimischen in Brasilien ein. Dank berufsbildenden Kursen wird eine nachhaltige Hilfe gefördert.
Benjamin Schmid
Die 14 Teilnehmer des Bauarbeiterkurses erhalten ihr Diplom: ihr Eintrittsticket in die Berufswelt. Im Hintergrund steht das im praktischen Kursteil errichtete Bauobjekt. (Bild: Leticia Sena)

Die 14 Teilnehmer des Bauarbeiterkurses erhalten ihr Diplom: ihr Eintrittsticket in die Berufswelt. Im Hintergrund steht das im praktischen Kursteil errichtete Bauobjekt. (Bild: Leticia Sena)

Benjamin Schmid

Vor sechs Jahren entschied sich Yves Störi einen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen: Er reiste als Musiklehrer nach Fortaleza dos Nogueiras in Brasilien. Für den über eine Genfer Hilfsorganisation vermittelten Zivildienst-Einsatz sammelte Störi Geld, damit er Instrumente kaufen und mitnehmen konnte.

Kulturschock und Abenteuer zugleich

Schon während der mühsamen Anreise in das abgelegene Dorf erkannte der heute 27-Jährige, dass sich das Leben vor Ort von allem bisher Gekannten unterscheidet. Die meisten Einwohner waren sehr arm und führten ein einfaches Leben. Fast täglich gab es Reis und Bohnen zu essen. Zu besonderen Anlässen wurde Fleisch oder Fisch serviert – vor der Haustüre gejagt, über dem Feuer zubereitet und auf dem Boden sitzend verzerrt.

«Die Kultur, die Menschen und vor allem die Sprache waren mir fremd», beschreibt Störi seine ersten Eindrücke. Alles änderte sich, als er in der Schule mit dem Musikunterricht beginnen konnte: «Von da an sprachen wir die internationale Sprache der Musik», erinnert sich der spätere Gründer des Vereins. Er liess sich auf das Abenteuer ein. Nicht zuletzt dank der Unterstützung und Hilfsbereitschaft seiner Gastfamilie lebte sich der Schweizer in den Weiten des brasilianischen Hinterlandes ein.

Ein anderer Lebensrhythmus

Hektik und Stress sind für die meisten Einwohner ein Fremdwort – ebenso berufliche Perspektiven oder ein eigenes Haus. In Anbetracht der teilweise menschenunwürdigen Bedingungen, in denen gewisse Familien leben mussten, empfand Störi seinen Lohn aus dem Erwerbsersatz als unberechtigt hoch. Kurzerhand nahm er das Geld und unterstützte damit den Hausbau der ärmsten Familie. «Es war keine nachhaltige Investition, aber ein Dankeschön meinerseits für die tollen Erlebnisse und Erfahrungen», sagt Störi. Wieder zu Hause in Diepoldsau, liess ihn das Gefühl nicht los: «Da geht noch viel mehr.» Während er an der Uni den Bachelor machte, blieben die Gedanken in Brasilien. Störi begann erneut Geld zu sammeln, dieses Mal jedoch nicht mehr für Instrumente, sondern um damit Wohnhäuser zu bauen.

Im September 2014 machte er sich mit dem gesammelten Geld im Gepäck auf nach Fortaleza dos Nogueiras. Zusammen mit Irma Claudete, Projektverantwortliche bei der Hilfsorganisation Vida Nova, erarbeitete Störi einen Plan zur nachhaltigen Selbsthilfe. In Zusammenarbeit mit lokalen Behördenvertretern und einflussreichen Familien wurden Möglichkeiten zur Selbsthilfe ausgelotet.

Schnell war ersichtlich, dass Anreize geschaffen werden mussten, um die Einwohner dazu zu ermutigen, selbst Hand anzu­legen und sich gegenseitig zu unterstützen. Störi und sein Team vor Ort entwickelten zuerst einen Bauarbeiter- und später auch noch einen Elektrikerkurs.

Theoretische und praktische Kenntnisse vermitteln

Mit den 2015 eingeführten Kursen hatte der in der Zwischenzeit gegründete Verein «Mauern fürs Leben» ein geeignetes Mittel gefunden, die Einheimischen nachhaltig zu unterstützen. Einerseits lernen die Absolventinnen und Absolventen der Kurse berufsspezifisches Wissen und andererseits vertiefen sie dieses an praxisbezogenen Projekten. Dazu dienen öffentliche Gebäude im Dorf, die renoviert oder gänzlich neu gebaut werden müssen. «Dadurch profitieren alle im Dorf», sagt Störi und ergänzt: «Ein Grossteil der bisher 75 Kursteilnehmer hat den Schritt in die wirtschaftliche Unabhängigkeit bereits geschafft und weitere sollen folgen.»

Was als Idee eines Einzelnen begann, hat sich heute zu einer Organisation entwickelt. Vor Ort arbeiten drei Personen für die Kurse und in der Schweiz kann sich Störi auf ein grosses Netzwerk von Helfenden stützen. Ohne die ehrenamtliche Unterstützung von Freunden und Bekannten wäre das komplexe Projekt nicht nachhaltig zu führen, macht der Rheintaler deutlich: Ein guter Freund designt den einheitlichen Auftritt, eine Kollegin führt die Vereinsbuchhaltung, eine weitere Person unterstützt im Bereich Kommunikationstechnik. Störi betont die schlanke Struktur der kleinen Entwicklungshilfeorganisation: «Alle Spendengelder kommen direkt dem Projekt in Brasilien zugute.»

Ohne Gönner geht es nicht

Der Vereinspräsident bezahlt auch die Flüge selber. In naher Zukunft möchte Störi das Angebot weiter ausbauen und dazu auch frauenspezifische Kurse anbieten. Nebst der Differenzierung über die Berufe kann sich der Initiator gut vorstellen, das Projekt über die Dorfgrenze hinaus zu etablieren. Störi ist sich aber der Notwendigkeit von Spendern und Gönnern bewusst. Ohne das benötigte Kapital kann nicht viel erreicht werden. So wünscht sich der Präsident, dass noch mehr Menschen spenden, denn eine nachhaltige Hilfe ist auf nachhaltige Finanzierung angewiesen. «Wir freuen uns, bereits mehrere Personen zu unseren längerfristigen Unterstützern zählen zu dürfen», so der Diepoldsauer.

Pro Kurs werden 11000 Franken benötigt. In den Kurskosten enthalten sind die nötigen Materialien für Bauobjekte und täglich stattfindende Theorie­lektionen sowie der Lohn des Kursleiters. Damit nicht alles als selbstverständlich angesehen wird, müssen die Teilnehmer der Bauarbeiterkurse eine Maurerkelle, einen Zementkübel sowie eine Wasserwaage selber erwerben; diejenigen der Elektrikerkurse ihr jeweiliges Berufswerkzeug. Zehn bis zwölf Personen ­erhalten so eine halbjährige Ausbildung mit staatlich anerkanntem Diplom. «Dazu Chancen und Perspektiven für die Zukunft», sagt der Gründer. Bereits sind einige Erfolge zu verzeichnen: Mateus war 2012 Schüler in Störis Musikunterricht und schloss Anfang dieses Jahres den Elektrikerkurs erfolgreich ab. Rogério Barros, Cousin von Störis Gastfamilie, verfiel Drogen und Alkohol, fand aber dank des Bauarbeiterkurses einen neuen Lebensinhalt. Mauro dos Santos hat dank des im Kurs erlernten Fachwissens zusammen mit seinem Vater das erste Haus ihrer Familie aus Ziegelsteinen errichten können. Genivaldo, Birimbal und Paulinho bestanden 2015 den Handwerkerkurs, schlossen sich im Anschluss daran zusammen und gründeten eine kleine Firma. Mit den Aufträgen können sie sich und ihre Familien ernähren.

Weitere Informationen: www.mauernfuersleben.com Spenden/Gönner: IBAN CH23 8126 2000 0031 9690 5, Kontoinhaber: Verein «Mauern fürs Leben», Flurstrasse 1, 9444 Diepoldsau, Raiffeisenbank Diepoldsau-Schmitter

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