BOXEN: Der Boxer mit der Waage

Der 25-jährige Altstätter Ylli Rashiti trainiert auf seinen zehnten Profikampf vom 23. September in Frauenfeld gegen Karama Nyilawila aus Tansania. In der Vorbereitung geht er neue Wege.

Yves Solenthaler
Drucken
Der 25-jährige Ylli (rechts) bereitet sich derzeit mit seinem Trainer und Bruder Blerim Rashiti auf seinen zehnten Profikampf vor. Er greift die Top 100 der Weltrangliste im Cruisergewicht an. (Bild: Yves Solenthaler)

Der 25-jährige Ylli (rechts) bereitet sich derzeit mit seinem Trainer und Bruder Blerim Rashiti auf seinen zehnten Profikampf vor. Er greift die Top 100 der Weltrangliste im Cruisergewicht an. (Bild: Yves Solenthaler)

Yves Solenthaler

Acht Siege und ein Unentschieden stehen in der Vista des Profiboxers Ylli Rashiti. Schöner als jeder seiner Siege war für den in der Schweiz geborenen Kosovaren aber der 5. August 2017 – der Tag, an dem seine Tochter geboren wurde.

Mitten in der Vorbereitung auf seinen zehnten Profikampf hat Rashiti nun nebst der Kunst des Faustgefechts nun auch gelernt, Windeln zu wechseln.

Yoga für die Ruhe und Crossfit für die Fitness

Neue Wege geht der junge Vater aber schon seit längerer Zeit. «Ich habe mein Trainingsumfeld professionalisiert», sagt er. Dazu gehört, dass er gemeinsam mit älteren Frauen Yoga-Stunden besucht: «Floyd Mayweather, der weltbeste Boxer, macht auch Yoga. Ob es mir etwas nützt, wird sich zeigen – es geht mir einfach darum, etwas Neues auszuprobieren.» Die Idee dahinter ist, ruhiger und gelassener zu werden – gerade auch in der Hektik eines Boxkampfs.

Auch im Fitnessbereich hat Rashiti sein Training intensiviert: Er betreibt nun Crossfit, ein Trainingsprogramm, das ganzheitlich und variabel angepriesen wird. «In diesen Trainings gehe ich jeweils an die Grenzen; ich fühle, wie mein Körper davon profitiert.»

Aber dieser Teil der Vorbereitung liegt schon hinter Rashiti, in den zwei Wochen vor dem Kampf geht es nicht mehr um Höchstleistungen, sondern darum, die für den Ring benötigte Explosivität und Spritzigkeit aufzubauen.

Durch das intensivere Fitnesstraining hat Rashiti vorerst Muskelmasse aufgebaut, so viel, «dass ich im Moment zwei, drei Kilo zu schwer bin, um im Cruisergewicht zu kämpfen». Bis zum Kampf in Frauenfeld muss er wieder auf höchstens 90,7 Kilo runterkommen.

Der Menüplan ist aufs Gramm genau bestimmt

Hier kommt die dritte grosse Veränderung ins Spiel, die Rashiti in der Vorbereitung auf seinen zehnten Profikampf vorgenommen hat – er arbeitet nun mit einem Ernährungsberater zusammen.

Geradezu pingelig achtet er nun auf seine Ernährung. Zum Frühstück gibt’s Haferflocken mit Magermilch, zum Znüni ein paar Reiswaffeln und Mandeln, am Mittag 150 g Kohlenhydrate (Reis oder Kartoffeln) und 200 g Protein (Fleisch) sowie Gemüse als Beilage, am Nachmittag Trockenfleisch und nochmals ein paar Nüsse und am Abend gibt’s Früchte vor und nach dem Training.

«Süsses gibt’s nur heimlich», lacht Ylli Rashiti und fügt ernsthaft an: «Höchstens sehr selten fürs Gemüt.» Er achtet sehr genau darauf, wie er sich ernährt und wiegt die Produkte, die er isst selbst ab. ««Ich hatte während meiner Karriere auch auf die Ernährung geachtet», sagt Yllis 34-jähriger Bruder Blerim Rashiti, der weltweit einer der besten Kickboxer gewesen ist. Heute ist er der Trainer seines jüngeren Bruders: «Aber ich war dabei nie so genau, wie Ylli jetzt ist. Jedenfalls lief ich nicht dauernd mit einer Waage herum.»

Ylli Rashiti ist zwar Profi­boxer, aber nicht im Wortsinn – er arbeitet mit 100 Stellenprozent als Werkzeugmechaniker. Das gehe gut, weil es kein körperlich fordernder Beruf ist.

Die Professionalisierung seines Trainings lässt sich Ylli Rashiti einiges kosten. Deshalb ist er auch in der Geldbeschaffung professioneller geworden: «Ich habe mir ein Sponsoringkonzept erarbeiten lassen.»

Das Echo darauf falle bisher aber ernüchternd aus. Das sei schade: «Ich bin zwar Kosovare, vertrete in meinem Sport aber auch das Rheintal – wo ich viele Fans habe – und die Schweiz.» Sein Fokus ist auf die europäische oder gar Weltspitze gerichtet: «Ich habe den Eindruck, dass einheimische Firmen eher bereit sind, regionale Sportler und Vereine zu unterstützen.»

Aktuelle Nachrichten