Bont–Film: «Ackerschollen-Poesie»

Jetzt ist Kuno Bonts Spielfilm «Das Deckelbad» in den Kinos. Das Meinungsspektrum der Kritiker ist sehr breit. Es reicht vom Verriss bis zu überschwenglichem Lob.

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Unsere Zeitung beschrieb den Film schon im November als atmosphärisch dicht, lobte die starken Bilder und schauspielerischen Leistungen. Besonders schön, hiess es in dieser Rezension, arbeite Kuno Bont die behördliche Willkür und die im Umfeld der Hauptfiguren grassierende Doppelmoral heraus. Allerdings hätte sich aus der spannenden Geschichte «sogar noch etwas mehr herausholen lassen».

Uneingeschränktes Lob erhält der Film «Das Deckelbad» von der «Weltwoche». Auch die «Berner Zeitung» äussert sich positiv. Dagegen geht die NZZ mit dem Werk hart ins Gericht, und im «Züritipp» («Tages-Anzeiger») wird der Film als «grob gefertigter Holzschnitt» abgetan.

Neue Zürcher Zeitung: «Der epische Plot verlangte eine sorgfältige Inszenierung, doch die grobschlächtige Figurenzeichnung des Rheintaler Regisseurs Kuno Bont kommt dem Volkstheater gefährlich nah, und so zerbröselt die dramaturgisch überladene Geschichte, ohne wirklich zu berühren.»

Berner Zeitung: «<Das Deckelbad> ist rustikal inszeniert, und es dauert, bis sich die Dramatik des authentischen Stoffes entfaltet. Aber selten hat ein Film mit so wenig Geld so gut ausgesehen. Eine Entdeckung ist zudem Hauptdarstellerin Simona Specker, die einen Föhnsturm der Emotionen entfesselt.»

Züritipp: «Es ist auch im Kino der gute Wille das eine. Das andere sind seine künstlerischen Folgen. <Das Deckelbad> zum Beispiel enthält gewiss viel Wahres, ist aber doch nur ein grob gefertigter Holzschnitt. Schwarzweiss in Farbe sozusagen. Man könnte es ein Stück verdüsterte Sozialromantik nennen oder sogar: einen psychiatrischen Ballenberg. (Hierzu kann unsere Redaktion sich die Bemerkung nicht verkneifen, ein grob gefertigter Holzschnitt sei wohl auch diese Kurzkritik.)

Weltwoche: «Bonts düstere, erdige Tragödie ist ein faszinierendes Sittengemälde, wie es mit solch emotionaler Wucht schon lange nicht mehr im Schweizer Film zu sehen war. <Der Verdingbub>, der ein ähnliches Thema behandelte, wirkt dagegen wie eine trockene Akademiearbeit. Bei Bont, der fast alle Rollen mit Laien besetzte, ist die Provinz der Kneipen, Höfe, Läden und Behörden ein tückisches Nesthocker-Idyll, das Ordnung, Anstand und Sitte als Fassade nutzt, um seine freudlose, miesepetrige Lust an Niedertracht und Schadenfreude gegen alles Unangepasste voll ausleben zu können. Durch das eigenbrötlerische Kraftspiel des Ensembles – allen voran die wunderbare Simona Specker als Katharina – ist störrische Ackerschollen-Poesie voll böser Tücken daraus geworden. So muss Heimatfilm sein.»

Von der «Weltwoche» bekommt Kuno Bonts Film fünf von fünf Sternen. (gb)