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Börsencrash im Blumenbeet

Stellen Sie sich vor, Sie besässen ein stattliches Haus und tauschten dieses gegen eine einzige Blumenzwiebel ein. Im Frühjahr merken Sie dann, dass das wertvolle Stück nicht die berühmte «Semper Augustus» ist, sondern eine fast wertlose Allerweltstulpe.
Urs Stieger Berneck
Sie sind kein Spekulationsobjekt: Wildtulpen. (Bild: Urs Stieger)

Sie sind kein Spekulationsobjekt: Wildtulpen. (Bild: Urs Stieger)

Stellen Sie sich vor, Sie besässen ein stattliches Haus und tauschten dieses gegen eine einzige Blumenzwiebel ein. Im Frühjahr merken Sie dann, dass das wertvolle Stück nicht die berühmte «Semper Augustus» ist, sondern eine fast wertlose Allerweltstulpe. Dann wären sie dem Tulpenwahn verfallen wie Abertausende in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Vom Küchenmädchen bis zum Grossinvestor haben sie spekuliert, alles Hab und Gut eingesetzt für teilweise gar nicht vorhandene Tulpen. Berufe wurden aufgegeben, Häuser verpfändet, Ländereien verkauft. Bis zum 7. Februar 1637: Erstmals konnten Käufer ihre Tulpen nicht bezahlen. Die Preise stürzten ins Bodenlose, die Tulpen-Derivate waren innert Tagen völlig wertlos geworden. Der erste Börsencrash der Geschichte! Das war, wie es ein zeitgenössischer Chronist ziemlich krass schrieb, «der Untergang der grossen Gartenhure».

Die Tulpe aber hat es überlebt. Millionenfach wird sie in Holland gezüchtet, millionenfach verschönert sie die Frühlingsgärten fast auf der ganzen Welt. Interessanterweise waren die meistbezahlten Tulpen während des Tulpenwahns Formen, die teilweise verkrüppelt oder farblich recht bizarr waren. Diese Tulpen waren von einem Virus befallen, der sich anscheinend in den Jahrhunderten danach stabilisierte. Viele dieser mehrfarbigen Tulpen-Nachkommen gibt es heute noch.

Viruskrankheiten bei Pflanzen und Menschen sind ein sehr schwieriges Gebiet. Wer gerade eine Grippe durchgemacht hat, kennt das. Bei Pflanzen hat man überhaupt keine Therapie.

Die vielen vermeintlich günstigen Orchideen, die ich vor drei Jahren bei der Schliessung einer grossen Orchideen-Gärtnerei kaufte, waren grösstenteils von einem Virus befallen und mussten entsorgt werden, nicht einmal für Kompost waren sie gut.

Unsere kleinsten Tulpen sind gerade einmal fünf Zentimeter hoch. Es fällt manchmal schwer, sie im Überfluss von Farben und Formen auszumachen. Eigentlich müssten sie in Steingärten gepflanzt werden, wo jedes Plätzchen im Jahresverlauf geplant ist, zuerst die Tulpen, dann ziehen die ein und ein anderes Pflänzchen ersetzt sie. Aber so perfekt zu gärtnern, schaffe ich nicht mehr in diesem Leben. Die im letzten Dezember vor der Abfuhr geretteten Tulpen treiben kräftig und werden hoffentlich bald den Lohn für eiskalte Finger beim Stecken bringen. Andere botanische Tulpen bringen nur noch Blätter und keine Blüten mehr, sie wandern mittels Ziehwurzel immer tiefer in den Boden, was ja biologisch schon sehr sonderbar ist.

Da heisst es: Ausgraben, im Schatten trocknen und im Herbst wieder einpflanzen. Da kann man dann nach Herzenslust spekulieren: Macht man fette Gewinne in Form von schönen Blüten – oder ist alles verloren?

Das Buch «Hädöpfl und Mäzeschtärn», gesammelte Kolumnen aus dem «Rheintaler» und der «Rheintalischen Volkszeitung», ist im blabla-verlag.ch erschienen.

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