Bodenmühle wird 325 Jahre alt

WOLFHALDEN. An den ins Rheintal fliessenden Appenzeller Bächen befanden sich viele Mühlen. Die meisten sind verschwunden oder zerfallen. Anders die stattliche Bodenmühle im Grenzgebiet zwischen Wolfhalden und Thal.

Peter Eggenberger
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Die Wappen auf der gegen Osten gerichteten Fassade der Bodenmühle erinnern an die Grenzlage des Hauses, das sich auf der Appenzeller Seite des Gstaldenbaches und damit auf Wolfhäldler Boden befindet. (Bild: Peter Eggenberger)

Die Wappen auf der gegen Osten gerichteten Fassade der Bodenmühle erinnern an die Grenzlage des Hauses, das sich auf der Appenzeller Seite des Gstaldenbaches und damit auf Wolfhäldler Boden befindet. (Bild: Peter Eggenberger)

Im Buch «Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden/Bezirk Vorderland» würdigt Autor Eugen Steinmann das jubilierende Haus wie folgt: «Die Bodenmühle am Gstaldenbach ist ein Holzgiebelhaus in romantischer Abgeschiedenheit am alten Saumweg von Thal über Gern nach Heiden. Im Scheitel des rundbogigen Sandsteinportals sind die Jahreszahl der Erbauung (1689) und die Initialen des Bauherrn Herr Hermann Dobler (HHD) zu erkennen.»

Bau der Kirche beaufsichtigt

Dank der Recherchen von Lokalhistoriker Ernst Züst, Wolfhalden, ist die Vergangenheit des wertvollen Gebäudes bekannt. «Der 1637 in Wienacht geborene Hermann Dobler – auch Tobler geschrieben – liess sich mit seiner Gattin Elsbeth Hollin (Hohl) im Weiler Schlipf, Heiden, nieder, wo er mit dem Leinwandgewerbe rasch zu Geld und Ansehen kam. 1685 wurde er zum Hauptmann (Gemeindepräsident) von Heiden gewählt, und in dieser Eigenschaft hatte er 1688 den Bau der Kirche in Reute zu beaufsichtigen.

Wirtschaft, Bäckerei, Weinbau

Tobler liess die Mühle für seinen zweitältesten Sohn Baschion erbauen. 1736 lebten drei Generationen der Familie in der Bodenmühle.

Der Mehrfachbetrieb umfasste nebst der Mühle auch die Bereiche Landwirtschaft, Weinbau, Bäckerei und Gastwirtschaft. 1841 trennte sich Familie Tobler vom Gebäude, das anschliessend verschiedene Besitzer verzeichnete. Um das Jahr 1890 wurde die Müllerei aufgegeben.» 1918 erwarb Bäckermeister und Gastwirt Ernst Graf-Dornbierer die Liegenschaft. Familie Graf erfreute sich eines guten Rufs weit über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus, und bis heute unvergessen ist die Bäckereispezialität «Bodenmühlefladen». Anfang der 1970er-Jahre fand die Ära Graf ihr Ende, womit nach der bereits früher aufgehobenen Wirtschaft auch die Bäckerei verschwand.

Heute gepflegtes Privathaus

Seit 1995 ist das historische Gebäude im Eigentum von Hanskonrad und Christine Tobler-Lutz.

Das liebevoll gepflegte Haus mit seiner interessanten Vergangenheit ist auch heute noch ein Bijou, das von Wanderern und Spaziergängern zu Recht immer wieder bewundert und fotografiert wird.

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