Blumenwiese zwischen den Reben

BERNECK. Was vom Tal aus einem abgeernteten Kornfeld ähnelt, ist ein Rebberg im Bernecker Rüden. Die Winzer haben über den Winter zwei Parzellen terrassiert und kürzlich die steilen Böschungen besät. Im Mai werden 1400 junge Rebstöcke gepflanzt.

Monika von der Linden
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Die bräunliche Farbe des Rebbergs im Bernecker Rüden entstand durch die Hydrosaat. Bald wird eine reichhaltige und artenreiche Blumenwiese zwischen den Reben entstehen. (Bild: Monika von der Linden)

Die bräunliche Farbe des Rebbergs im Bernecker Rüden entstand durch die Hydrosaat. Bald wird eine reichhaltige und artenreiche Blumenwiese zwischen den Reben entstehen. (Bild: Monika von der Linden)

Voraussichtlich im Jahr 2020 wird man den ersten Wein verkosten und kaufen können, der bald im Bernecker Rüden wächst. Felix Indermaur und Jakob Federer (Weingut Stegeler AG) haben sich zusammengetan und erneuen ihre beiden nebeneinanderliegenden Parzellen im Weinberg. Begonnen haben sie mit den Arbeiten bereits in den Wintermonaten. Zuerst wurden die alten Rebstöcke ausgerissen und dann die Terrassen auf den Parzellen beider Winzer angelegt.

Mehr Sonne für den Wein

Mit der Terrassierung sind gleich mehrere Vorteile verbunden. «Jeder Rebstock kann mehr Trauben tragen», sagt Jakob Federer. Einerseits hat er durch die Stufen mehr Erde zur Verfügung als in einem Steilhang. Andererseits werden die Trauben stärker von der Sonne beschienen – weil die Pflanzen in der Nachbar-Reihe höher oder tiefer stehen, werfen sie weniger Schatten.

«Deshalb pflanzen wir insgesamt weniger Rebstöcke auf gleicher Fläche», sagt Jakob Federer. Es sind auf beiden Parzellen – mit insgesamt 3700 m2 Fläche – 1400 Rebstöcke. Jakob Federer pflanzt Anfang Mai 300 Rebstöcke der Sorte Riesling auf seiner Parzelle und 1100 der Sorte Johanniter auf beiden. «Johanniter ist eine Neuzüchtung aus Freiburg im Breisgau», sagt Felix Indermaur. «Einzelne Weine der weissen Traube sind bereits auf dem Markt, mit schönem Erfolg.» Die Rebsorte ist widerstandsfähiger gegen richtigen und falschen Mehltau und benötigt dadurch weniger Pflanzenschutzmittel.

Im Rebberg ist der Verein Pro Riet Bauherr dreier Elemente zur ökologischen Aufwertung. «Die erste ist die Hydrosaat», sagt Urs Weber, Mitarbeiter im Ökobüro Hugentobler. Auf die steilen Böschungen des neu terrassierten Hangs wurde kürzlich das Saatgut aufgespritzt. Zuerst wurde der Rebberg braun, doch recht schnell wächst eine extensiv genutzte Wiese mit grosser Pflanzenvielfalt.

«Besonders steile Böschungen werden mit einer Trockenmauer gestützt», sagt Urs Weber. Sie dienen als Lebensraum und Unterschlupf für Schlingnattern, Zauneidechsen, Insekten und Spinnen.

Bruthöhle für den Wiedehopf

Weiter wird in die Mauer eine Bruthöhle gebaut. «Wir sind überzeugt, dass der Wiedehopf hier bald wieder Brutplätze suchen wird», sagt Urs Weber. Im Moment habe er sich hier noch nicht ausgebreitet, dafür im Churer Rheintal. Vor einigen Jahrzehnten lebte er in der Region.

Steinlinsen sind Steinhaufen, die in den Boden hineinreichen. Somit ergeben sie – verteilt im Rebberg – einen frostsicheren Unterschlupf für die Sommerbewohner der Trockenmauer.

Der Verein Pro Riet investiert rund 30 000 Franken in den Rebberg. Er trägt die Kosten für das Saatgut und 80 Prozent derer für den Bau der Trockenmauern und Steinlinsen.

Die ersten Trauben werden Felix Indermaur und Jakob Federer in drei Jahren kosten können. Die erste Weinlese ist im vierten Jahr.

Wie ist der Geschmack der Traube?

«Fein!», sagt Felix Indermaur. «Es wird ein rassiger Weisswein werden.»

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