Bluescht – Blütenpracht im Mai

Könnte man den Energiewert der Monate messen, der Mai wäre ganz vorne. Dieses Übermass! Dieses Weiss der Bäume, das Gelb (zumindest früher) der Löwenzahnwiesen. Grün in Tausenden Schattierungen. Das ist der Kick für's ganze Jahr.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Könnte man den Energiewert der Monate messen, der Mai wäre ganz vorne. Dieses Übermass! Dieses Weiss der Bäume, das Gelb (zumindest früher) der Löwenzahnwiesen. Grün in Tausenden Schattierungen. Das ist der Kick für's ganze Jahr.

Natürlich kann der Mai auch anders. Als Kind an einer Hochzeit im Mai. Ein schwarzer König sang sich mit «Ganz in Weiss» in die Hitparaden – und draussen schneite es wie im Januar. Doch meistens ist es anders, auch wenn die Eisheiligen wie ein Berg, der überwunden werden muss, am Ende des Monats stehen. Und den ganz Vorsichtigen droht ja noch die Schafskälte im Juni. Und dann die Hundstage, dann ist der Sommer leider in unseren Gefilden schon fast vorbei. Hätte ich die Macht, ich würde das ändern. Mit einer Initiative vielleicht, das Volk hat ja immer recht …

Seit dem Mittelalter hat kein Monat so grosse Bedeutung im Lied wie der Mai. Der «Mayen» war nicht nur der kalendarische Monat, sondern der gesamte Frühling. Man konnte die Verschläge an den Löchern, sprich Fenster in den Wänden entfernen, man wusch sich wieder einmal, konnte Gicht und Augenentzündungen von Kälte und Russ behandeln und den ganzen Rotz der Winterbehausungen aushusten. Die Hormone taten ein Übriges dazu. Das Mailied war fester Bestandteil im Repertoire eines Minnesängers und eine besondere Kunstform. Für das Volk hatte der Mai eine Bedeutung, die für uns fast nicht nachvollziehbar ist. «Her Chunrat vo Altstette» sang dazu: «Der sumer hât den meien froelich vür gesant» und «Ir kint, ir sunt fit fröiden jârlanc wesen geil.» Bis heute hält das an, Mailieder werden immer noch gemacht.

Eine Blueschtfahrt machen! Naheliegend bei uns, mit dem Velo. Nicht Höhenkilometer fressen, nein, so quasi von Baum zu Baum, Veloschlendern. Und staunen.

Dabei sind wir nur Zaungäste. Die Blüten sind ja nicht für uns da. Unter einen Apfelbaum sitzen. Dann macht man eine fast unvorstellbare Phantasieleistung und denkt alle Bienen, Hummeln, Schwebefliegen weg. Dann haben wir chinesische Verhältnisse in vergifteten Regionen, wo mit den Spritzmitteln alle Schädlinge, aber auch die Bienen getilgt wurden. Und jetzt befruchten wir von Hand mit gesammeltem Pollen einen solchen Baum, damit er Äpfel trägt. Haben Sie die Blüten gezählt? Sicher wird uns die Industrie wieder und wieder erzählen, das passiere bei uns nicht und im schlimmsten Fall züchte man dann Bäume, die ohne Befruchtung auskommen, so Zombie-Bankert-Apfelbäume oder mache quasi Apfelpränatalimplantationstechnologie.

Ich aber will Bienen! Und Blüten.

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