«Blotts Maatli»

Hier geht's nicht um irgendwelche Selfie's oder testosteronfördernde Produktionen. Ebenso heisst die Pflanze Tüfelswurz, Nacktarsch, nackte Jungfer, einige andere bedeutungsschwangere Namen gibt's über ganz Europa verstreut. Ihr wissenschaftlicher Gattungsname ist Colchicum.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Die Herbstzeitlose kündigt die kalte Jahreszeit an. (Bild: Anita Stieger)

Die Herbstzeitlose kündigt die kalte Jahreszeit an. (Bild: Anita Stieger)

Hier geht's nicht um irgendwelche Selfie's oder testosteronfördernde Produktionen. Ebenso heisst die Pflanze Tüfelswurz, Nacktarsch, nackte Jungfer, einige andere bedeutungsschwangere Namen gibt's über ganz Europa verstreut. Ihr wissenschaftlicher Gattungsname ist Colchicum. Kolchis in Georgien am Schwarzen Meer soll die Heimat der sagenhaften Zauberin Medea sein.

Umgangssprachlich heisst sie Herbstzeitlose. Das altdeutsche Wort «losen» bedeutet ankündigen, wahrsagen. Womit wir bei aller Schönheit dieser Pflanze beim etwas zartbitteren Beigeschmack wären: Die Pflanze kündigt die kalte Jahreszeit an. «'s hät scho Herbschtzitlose.»

Die Herbstzeitlosen sind überaus interessante und vielseitige Pflanzen. Die Gartenformen gibt es sogar gefüllt in vielen Lila- bis Purpurtönen. Bei pflanzengerechtem Untergrund macht sie edle, elegante Blütenstände in Massen.

Wie viele Schönheiten hat auch sie Schatten. Die Pflanze ist überaus giftig, dadurch aber auch eine äusserst potente Heilpflanze.

Fast alle kennen die Giftigkeit der Pflanze, zumindest wenn sie blüht. Im Frühjahr, wenn nur die Samenstände und die schönen Blätter sichtbar sind, gibt es immer wieder Verwechslungen. Sonderbar, wie Nasen von solchen Sammlern konstruiert sind, Bärlauch riecht bzw. stinkt völlig anders. Nicht nur ist die Pflanze erheblich giftig, es geht auch lange (2 bis 6 Stunden), bis die Vergiftung bemerkt wird. Dabei sind die Blüten am giftigsten.

Anderseits – in der Medizin ist die Pflanze noch immer ein wichtiges Element. Seit der Zeit des französischen Sonnenkönigs (dem bei Gichtanfällen gehacktes, noch warmes Papageienherz aufgelegt wurde), hat sie ihre Nützlichkeit bei Gicht- und Krebstherapien bewiesen. Da die Pflanze unterschiedlich grosse Mengen an Colchicin enthält, ist dringend davon abzuraten, eigene Rezepturen zu basteln. Für Gärtner ist aber eine weitere Eigenschaft des Wirkstoffs wichtig: Colchicin verändert die DNA-Menge im Zellkern. Das bedeutet, damit behandelte Pflanzen, bzw. Blüten werden viel grösser. Die Pflanzenindustrie macht regen Gebrauch von der Technik, von Erdbeeren bis zu Getreide wird der Wirkstoff eingesetzt.

Eine magische Pflanze! «Blotts Maatli» übrigens, weil sie ohne Blüte im Frühjahr spriesst. Nur grün. Schwer, mit ihr ein Selfie zu machen.