Blondschopf auf dem Bike

Jolanda Neff ist zum dritten Mal Rheintaler Sportlerin des Jahres. An der Preisverleihung konnte sie nicht teilnehmen, weil sie auf Gran Canaria ein Trainingslager bestreitet.

Yves Solenthaler
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Jolanda Neff als Werbefigur: Hoher Wiedererkennungswert.

Jolanda Neff als Werbefigur: Hoher Wiedererkennungswert.

Jolanda Neff ist zum dritten Mal Rheintaler Sportlerin des Jahres. An der Preisverleihung konnte sie nicht teilnehmen, weil sie auf Gran Canaria ein Trainingslager bestreitet. Bildlich war sie trotzdem anwesend: Auf einem Plakat von Kühnis Brillen und Hörwelt, einem der vier Sponsoren der Rheintaler Sportlerwahl.

Jolanda Neff war in den letzten zehn Jahren so oft als Sportlerin des Jahres nominiert, wie sonst wohl keine und keiner. Jahrelang hatte sie sich – trotz schon bei den Juniorinnen herausragenden Leistungen – mit Ehrenplätzen begnügen müssen. Als Bikerin hatte sie den Nachteil, keinem grossen Verein anzugehören. Seit 2011 hat sie die Publikumswahl nun dennoch dreimal für sich entschieden. Die Parallelen zu Thomas Litscher, dem anderen international erfolgreichen Biker aus Thal, sind offensichtlich: Auch Litscher war an der Sportlerwahl jahrelang leer ausgegangen, bis er zwischen 2009 und 2011 dreimal obenaus schwang.

Prominent bringt Stimmen

Beide erhielten ihre erste Auszeichnung, als sich die ersten internationalen Erfolge abzeichneten. Der Stimmungswandel hängt also bestimmt auch mit einer gestiegenen Prominenz zusammen. Inzwischen ist Jolanda Neff 22-jährig und dank ihren Erfolgen wohl jedem einigermassen Sportinteressierten in der Schweiz ein Begriff. Auch die Auswertung der Sportlerwahl-Coupons lässt diesen Schluss zu: Jolanda Neff bekommt fast alle der nicht organisierten Stimmen. Die Rheintalerinnen und Rheintaler wissen sportlich herausragende Leistungen zu schätzen, wozu ein Gesamt-Weltcupsieg und drei U23-WM-Titel in einer olympischen Disziplin zweifellos zählen.

Dazu kommt eine Ausdehnung der Wahl, die für Jolanda Neff nützlich sein dürfte: Nach dem Zusammenschluss des «Rheintalers» und der «Volkszeitung» hat sich die Stimmenzahl schlagartig verdoppelt. Zwar kommen die meisten «neuen» Stimmen aus dem Oberrheintal, wo die «Volkszeitung» verankert ist. Dennoch hilft die Steigerung von ungefähr 3000 auf 6000 bis 7000 Stimmen der Mountainbikerin aus Thal: Je grösser die Beteiligung, desto weniger ist es möglich, die Sportlerwahl mit Stimmen aus dem Umfeld zu beeinflussen.

Ein Kind erkennt Neff wieder

Bei Jolanda Neff kommt noch ein dritter Punkt dazu: Wenn ein Kind sie einmal gesehen hat, erkennt es Neff beim nächsten Mal wieder. Werber nennen das Wiedererkennungswert – es bedeutet, dass sich Jolanda Neff deutlich von anderen abhebt. Zusammen mit ihrer unkomplizierten Art und ihren ausgeprägten rhetorischen Fähigkeiten, macht sie das für die Werbung interessant, wie Erich Kühnis sagt: «Viele Sportlerinnen ähneln einander, Jolanda sticht mit ihrem Blondschopf deutlich aus der Masse heraus.»

Deshalb hatte Kühnis die Rheintaler Sportlerwahl vor einem Jahr genutzt, um Kontakte zur Brillenträgerin zu knüpfen – und nun mit ihr zu werben. Zu Kühnis' Portfolio gehört auch die Kunstturnerin Giulia Steingruber. Mit ihr hat Jolanda Neff gemeinsam, dass sie längst auf der internationalen Bühne turnt.

In den letzten zwei Jahren war Jolanda Neff auch für die Wahl zur Schweizer Sportlerin des Jahres nominiert worden – in die Top 5 hat sie es dort aber nicht geschafft.

Das könnte sich 2016 ändern: Wenn Neff in Rio als erst vierte Schweizer Frau im Sommer Olympiasiegerin wird, was aus heutiger Sicht nicht utopisch ist, hat sie Chancen, Schweizer Sportlerin des Jahres zu werden.

Nicht nur, aber auch dank ihres Blondschopfs.