Bliss – die phantastischen Sechs

HEERBRUGG. Das neue Bliss-Programm steht unter keinem guten Stern. Das Publikum sieht es trotzdem leuchten. Die neue A-cappella-Comedy-Show «Die Premiere» gelingt, indem sie misslingt.

Gert Bruderer
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HEERBRUGG. «Die Premiere» (so heisst das neue Bliss-Programm) ist im Heerbrugger Kinotheater Madlen uraufgeführt worden. Der Tournée-Start im Rheintal, wo ein Teil der Band herstammt, bedeutete ein dreimal ausverkauftes Haus. Heute treten Bliss hier zum letzten Mal auf, bevor die diesjährige Tournée das Sextett nach Bern, nach Zürich, nach Luzern und (Ende August) in die Lokremise nach St. Gallen führt.

Neuer Text für «Die da»

«Ist es die da, die da am Eingang steht, oder die da, die dir den Kopf verdreht?» So sangen 1992 die Fantastischen Vier in ihrem Hit «Die da». Bliss haben den Text neu geschrieben. Was dabei herauskam, macht viel Spass und dem Original alle Ehre. Sowieso über jeden Zweifel erhaben ist der Gesang der phantastischen Sechs.

Einer fehlt

Aufgeführt wird ein Programm, mit dem gar nicht begonnen werden dürfte, weil am Anfang einer fehlt. Aber das Publikum, obschon dazu aufgefordert, geht nicht wieder heim. So nimmt das Unheil seinen Lauf, reiht sich Panne an Panne und muss Claudio im Sitzen tanzen. Kein Problem, denn er beherrsche die Choreographie auch im Sitzen. «Ja, sie sitzt», sagt der Tenor. Beiläufig fallen die besten Pointen, und die sind sehr zahlreich. Vor der Pause wird das Publikum in Rauch gehüllt, bis Lucas fragt: «Ist jemand von der Zeitschrift <Nebelspalter> hier?»

Nach der Pause stehen Bliss bereits auf der Bühne und nehmen die Zuschauer aufs Korn, als diese allmählich zurückkehren. «I find's total pinlich, wenn ma z'schpot chunnt», sagt natürlich ausgerechnet Christian, der sich am Anfang selbst verspätet und die Show gefährdet hatte.

Einer von mehreren Running Gags stammt von Viktor, dem ungarischen Bass, und lautet: «In Ungarn wär das undenkbar.» Bis Viktor einmal den Faden verliert und Lucas, ebenfalls ein Tenor, Ironie statt Nachsicht walten lässt: «In Ungarn wär das nicht passiert, gell.» Überhaupt: «Drum heisst's wohl Un-Garn.»

Bloss nicht lachen!

Bliss legen verschiedene Fäden aus, lassen sie los, nehmen sie wieder auf, kommen auf eine Person oder auf eine Geschichte immer dann zurück, wenn niemand es erwartet, und setzen eines von mehreren Glanzlichtern mit einem Lied, das ihnen aufgezwungen wurde. Wollen sie das Geld Elviras erben, führt kein Weg am unliebsamen Lied vorbei. Das Publikum wird angewiesen: «Bloss nicht lachen, bloss nicht klatschen!» Der Notar soll sehen, dass das Lied nicht ins Programm passt.

Könnte das Publikum selbst sehr viel erben, sofern es tatsächlich nicht lachte, – es bekäme keinen Rappen. Die Nummer ist einfach zum Grölen.

Dafür sind Freunde da

Gegen Ende kracht das Bühnenbild zusammen. «Die Premiere» mündet in einen Streit, den die Musik beendet. «That's what Friends are for.» (Dafür sind Freunde da). In guten wie in schlechten Zeiten. Möglich, dass die Band auch schlechte kennt. Das Publikum hingegen kennt, mit Bliss, nur gute.

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