Bis sich die Geldspur verliert

Person A stellt ihr Konto zur Verfügung, Person B ersteigert ein angebliches Schnäppchen: Die Polizei warnt vor dieser neuen Internet-Betrüger-Masche. Auch im Kanton St. Gallen gab es schon erste Fälle.

Chris Gilb
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Ein vermeintliches Schnäppchen ist schnell bezahlt. Steckt jedoch ein Betrug dahinter, ist es schwierig, sein Geld wieder zurückzuerhalten. (Bild: fotolia)

Ein vermeintliches Schnäppchen ist schnell bezahlt. Steckt jedoch ein Betrug dahinter, ist es schwierig, sein Geld wieder zurückzuerhalten. (Bild: fotolia)

Ob Millionengewinne oder die Traumfrau fürs Leben; die Maschen von Internet-Betrügern sind vielfältig. Immer wieder fallen Menschen darauf herein und zahlen beispielsweise einen Geldbetrag im Voraus ein, damit sich die Traumfrau die Reise zu ihnen leisten oder die Transaktionsgebühr für den angeblichen Millionengewinn beglichen werden kann.

Ein komplexes System

Nun warnt die Kantonspolizei Graubünden in einer Mitteilung vor einer Masche, die eher auf den dritten als auf den zweiten Blick als solche erkennbar ist und für deren Durchführung mindestens zwei Personen nötig sind.

So läuft sie ab: Person A erhält ein E-Mail von einem vermeintlichen Finanzinstitut, in dem ihr ein Darlehen zu günstigen Konditionen angeboten wird. Zur Prüfung der Kreditwürdigkeit bittet das Finanzinstitut, die eigenen Kontodaten zu übermitteln. Mit diesem Vorgehen gelangen die Betrüger an Kontodaten in der Schweiz und verwenden diese auf gängigen Schweizer Auktions- oder Inseratplattformen. Dort bieten sie ein vermeintliches Schnäppchen an.

Person B ersteigert oder kauft dieses Schnäppchen und überweist ihr Geld auf das Konto von Person A. Die wird daraufhin vom Geldinstitut informiert, dass zur Überprüfung der Vertrauenswürdigkeit ein Geldbetrag auf ihr Konto eingehen wird. Den soll sie anschliessend über einen Finanzdienstleister auf ein weiteres Konto überweisen. Wenn alles klappt, soll dann der Kredit gutgeheissen werden. Der Betrag werde dann entweder direkt auf ein Konto im Ausland oder zu anderen überwiesen, die ihre Daten ebenfalls leichtgläubig preisgegeben haben. «Und das weiter und weiter, bis sich die Spur des Geldes irgendwo verliert», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, dem solche Fälle ebenfalls bekannt sind. «Es kommt sogar vor, dass der Kontobesitzer gebeten wird, den Betrag in einem Briefumschlag per Post weiterzuschicken, was es noch schwieriger macht, den Tätern auf die Schliche zu kommen.»

Hohe Dunkelziffer

Anlass für die Mitteilung der Kantonspolizei Graubünden ist laut ihrem Sprecher Roman Rüegg, dass in letzter Zeit einige Anzeigen von Opfern eingegangen seien. «Um weitere Fälle zu vermeiden, wollen wir, dass der Bevölkerung die neuste Abwandlung eines gängigen Betrugs-Systems bekannt ist.»

Auch im Kanton St. Gallen gab es laut Krüsi schon Geschädigte. «Die Dunkelziffer bei Internetkriminalität ist aber hoch und zwar aus zwei Gründen. Erstens haben die Betrogenen Hemmungen zuzugeben, dass gerade sie auf Betrüger hereingefallen sind, und zweitens haben sie manchmal Angst, sich straffällig gemacht zu haben.»

Manchmal teile ihnen das vermeintliche Finanzinstitut sogar mit, dass sie einen Teil des Betrages als Aufwandsentschädigung behalten dürften. Wer dann der Verlockung des Geldes erliege, habe oft kein Interesse daran, dass die Strafbehörden davon erfahren würden – dies sei Teil der Strategie der Täter. In ihrer Mitteilung gibt die Kantonspolizei Graubünden auch einige Hinweise, wie Internetnutzer betrügerische E-Mails von richtigen unterscheiden können. Unter anderem heisst es: Je undurchsichtiger und verlockender die Geschichte ist, desto eher besteht ein Grund, die Finger davon zu lassen. Krüsi nennt als Faustregel, auf nichts einzugehen, was etwas verspricht, was zu schön ist, um wahr zu sein.

Verschiedene Tricks im Umlauf

Krüsi weist auch daraufhin, dass es eben auch viele echte Partneragenturen oder Kreditvermittler gebe. «Deshalb ist es schwierig, wenn bei der Bevölkerung der Eindruck entsteht, dass Betrüger aktuell nur diesen einen Trick einsetzen würden. Erstens könnten die Internetnutzer dann denken, sie hätten einen Freipass, auf alle anderen verlockende Angebote einzugehen, und zweitens könnten Branchen fälschlicherweise in Verruf geraten.»

Es würden viele Maschen mit den unterschiedlichsten Geschichten gleichzeitig kursieren, der Trick selbst sei eben nur die jeweilige Verpackung des Betrugssystems, sagt Krüsi.

Die Kantonspolizei Graubünden teilt mit, dass sie, weil die Masche noch relativ neu sei, noch am Anfang der Ermittlungen stehe. «Bei uns beschäftigt sich die Abteilung für Wirtschaftskriminalität mit solchen Fällen, die wirklichen Täter zu ermitteln, ist aber schwierig», sagt Krüsi. Diese befänden sich meistens im Ausland und seien schwer lokalisierbar.

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