Bilanz nach den ersten 100 Tagen

Seit rund hundert Tagen übt Werner Brunner das Amt des Geschäftsleiters der Stiftung Waldheim aus. Jetzt zieht er ein erstes Fazit und sagt, weshalb es wichtig sei, dass die Stiftung auch künftig wahrgenommen werde.

Isabelle Kürsteiner
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Werner Brunner will auf diesem Bild zum Ausdruck bringen, dass ihm gemeinsame Lebensfreude wichtig ist. (Bild: iks)

Werner Brunner will auf diesem Bild zum Ausdruck bringen, dass ihm gemeinsame Lebensfreude wichtig ist. (Bild: iks)

Herr Brunner, wie fällt Ihre Bilanz nach 100 Tagen als Geschäftsleiter der Stiftung Waldheim aus?

Werner Brunner: In den ersten Wochen konnte ich erleben, wie gut die Stiftung Waldheim an ihren vier Standorten arbeitet, zum Beispiel bei der gezielten Förderung der individuell ausgeprägten Potenziale der Bewohnerinnen und Bewohner. Das grosse Engagement der Mitarbeitenden und ihre Verbundenheit mit der Stiftung Waldheim waren von Anfang an spürbar und hilfreich bei meinem Start in einen neuen Berufsabschnitt.

Was war Ihre Motivation, dieses neue berufliche Kapitel aufzuschlagen?

Brunner: Die Stiftung Waldheim kenne ich von Kindesbeinen an. Im ausserrhodischen Wald, wo ich aufgewachsen bin, gehörten die Bewohner zum Dorfleben. Dort wurde Inklusion schon gelebt, bevor dieser Begriff überhaupt existierte. Als sich die Chance ergab, die Verantwortung für diese Institution zu übernehmen, musste ich nicht lange überlegen. Die Stiftung Waldheim ist hervorragend aufgestellt und besonders stark in zwei Leistungen: Wohnen für Menschen mit Behinderung und Tagesstruktur. Sie widmet sich ganz ihrem Kerngeschäft «Heimat bieten». Die einzelnen Heime sind weitestgehend selbständig geführt. Zentralismus wird nur so viel wie unbedingt nötig gelebt. Diese besondere Struktur erachte ich als ideal.

Blicken wir nach vorn. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Brunner: Konsolidieren. Wir verfügen heute über eine moderne Infrastruktur und sind mit unserem Leistungsangebot mit rund 200 Wohnplätzen bestens aufgestellt. Auch die Tagesstruktur ist optimal. So ermöglichen wir den Menschen ein Höchstmass an Teilhabe und gehen auf jeden Einzelnen ein, um ihn dort abzuholen, wo er in seiner Entwicklung steht.

Wie sieht es finanziell aus?

Brunner: Für uns gilt es, das Spendenwesen hochzuhalten. Wir generieren einen Umsatz von 25 Millionen Franken. Diese werden zu 40 Prozent durch Bewohnerbeiträge, zu 55 Prozent durch die öffentliche Hand gedeckt. Fünf Prozent müssen wir durch Spenden, Legate und Gönner erwirtschaften. Deshalb ist es wichtig, dass die Stiftung von der Bevölkerung mitgetragen wird. Auch Kooperationen mit anderen Institutionen kann ich mir vorstellen.

Weshalb?

Brunner: Die administrativen Auflagen werden immer umfangreicher. Hier könnte man künftig Synergien nutzen. Als Institution, die bereits mit 18 Kantonen zusammenarbeitet, verfügen wir über ein breites Wissen, das auch anderen von Nutzen sein kann. Es hat mich übrigens sehr gefreut, dass uns der Heimatkanton Ausserrhoden bei meinem Antrittsgespräch als grössten Anbieter von Wohnplätzen im Behindertenbereich wahrgenommen hat.

Reden wir über Inklusion: Wo stösst diese an ihre Grenzen?

Brunner: Ich bin ein konsequenter Vertreter des Normalitätsprinzips, der Grossfamilie sozusagen. Das Prinzip ist einfach: Menschen mit Behinderung sollen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Umgekehrt stehen auch bei uns die Türen jederzeit offen. Offiziell ergibt sich die Gelegenheit für einen Besuch übrigens am 10. September, wenn wir das neue Wohnheim Sonne in Rehetobel eröffnen. Inklusion sollte jedoch nicht zum Selbstzweck werden, sondern orientiert sich grundsätzlich am Individuum. Es geht darum, was der einzelne Mensch will und kann. Der Bewohner und seine Lebensqualität stehen bei uns immer im Vordergrund. Mit Freude leben – das ist auch mein persönliches Leitmotiv, sei es im Berufs- oder im Privatleben.

Lebensfreude verbunden mit einer verantwortungsvollen Führungsrolle: Woher schöpfen Sie die hierfür nötigen Energien?

Brunner: Leistung ist wichtig, ein guter Ausgleich muss aber sein. Für mich sind das ein harmonisches Familienleben, Sport, Geselligkeit sowie ausgedehnte Spaziergänge mit meiner Partnerin und unserem Hund. Genuss zwischendurch, in Form eines feinen Essens oder eine Zigarre, darf schon mal sein.