Bierprivileg auf dem Rathausplatz

ALTSTÄTTEN. Mit dem Rathausplatz bekommen die Altstätter einen neuen Begegnungsort. Künftig wird hier wohl so manche Veranstaltung stattfinden – mit Auflagen. Im Besonderen dürfen die Veranstalter kein anderes Bier als Schützengarten ausschenken, es sei denn mit Einwilligung der Brauerei.

Max Tinner
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Auf dem neuen Altstätter Rathausplatz darf an Veranstaltungen kein anderes Bier als das von Schützengarten ausgeschenkt werden. Ausser die Brauerei stimmt einer Ausnahme zu. (Bild: Max Tinner)

Auf dem neuen Altstätter Rathausplatz darf an Veranstaltungen kein anderes Bier als das von Schützengarten ausgeschenkt werden. Ausser die Brauerei stimmt einer Ausnahme zu. (Bild: Max Tinner)

Auch wenn Blindtests dies nur selten bestätigen: Bier ist nicht gleich Bier. Ganz besonders nicht auf dem neuen Rathausplatz. Wer künftig hier eine Veranstaltung durchführt, muss nämlich in der Festwirtschaft Schützengarten-Bier ausschenken. Sofern er denn überhaupt Bier auszuschenken gedenkt, was an Rheintaler Festen allerdings eher die Regel als die Ausnahme ist. Das Zugeständnis hat die Stadt Altstätten der Stadtsanktgaller Brauerei im Zuge der Verhandlungen für die Freihof-Rathaus-Überbauung gemacht. Es gilt ab Eröffnung der Gartenwirtschaft im neuen Rathaus auf 15 Jahre hinaus.

Gut verhandelt

Der Brauerei Schützengarten kam zugute, dass ihr das Freihof-Areal gehörte. Hier hatte sie lange ein grosses Depot, von wo aus sie die Kunden im Rheintal belieferte. Hätte die Stadt das Grundstück nicht übernehmen können, wären die Zentrumsüberbauungen Freihof-Rathaus und Zentrumsitz kaum so zu realisieren gewesen, wie sie nun gebaut wurden bzw. noch im Bau sind. Im Besonderen ist fraglich, ob es unter der Freihof-Rathaus-Überbauung eine durchgehende Tiefgarage gegeben hätte, ob die Churerstrasse hätte verlegt werden können und ob ein Busbahnhof in die Überbauung hätte integriert werden können.

Als die Stadt mit der Brauerei Schützengarten die Konditionen für den Grundstückskauf aushandelte, war zwar Ruedi Mattle noch nicht Stadtpräsident. Für ihn ist aber klar, dass die Brauerei ein zentraler Partner für die Umsetzung des Projektes war und damit auch in einer starken Verhandlungsposition. So unschön Einschränkungen wie das Exklusiv-Lieferrecht auf dem neuen Rathausplatz sein können: «Eine Alternative hätte es hier kaum gegeben», meint Mattle. Es gebe solche in Altstätten zudem nicht nur zugunsten der Brauerei Schützengarten, sondern auch zugunsten der Brauerei Sonnenbräu, nämlich auf dem Areal des Museums Schloss Prestegg. Für Sonnenbräu-Geschäftsführerin Claudia Graf hinkt der Vergleich: «Der Rathausplatz ist Altstättens neuer Hauptplatz – er hat eine viel grössere Bedeutung als der Museumsgarten», sagt sie. Fragwürdig ist für sie auch die lange Vertragsdauer. Sonnenbräu gehe Lieferverträge für höchstens fünf Jahre ein. Verträge mit längerer Vertragsdauer würden von der Wettbewerbskommission als unzulässig beanstandet.

Allerdings sind längere Fristen möglich, wenn diesen Gegenleistungen gegenüberstehen. Und als Stockwerkeigentümerin trägt die Brauerei Schützengarten immerhin einen Teil der Kosten für den Bau des neuen Rathauses.

Ausnahmen nach Absprache

Auch an der Gestaltung des Rathausplatzes, auf dem das Exklusiv-Lieferrecht zum Tragen kommen wird, beteiligt sich die Brauerei finanziell. Während sie für die Gartenwirtschaft des Restaurants Rathaus laut Schützengarten-Finanzdirektor Josef Zweifel auf den Ausschank von Schützengarten-Bieren bestehen wird, signalisiert die Brauerei für Veranstaltungen auf dem Platz draussen Gesprächsbereitschaft. Dem Röllelibutzen-Verein hat sie jedenfalls für die Strassenfasnacht 2016 den Ausschank von Sonnenbräu-Bier im Festzelt zugestanden.