Bienen sterben einsam

MONTLINGEN. Für Josef Bandel, Präsident des Oberrheintaler Bienenzüchtervereins, und seine Imker-Kollegen ist es kein gutes Jahr. Erst ging im Winter rund ein Viertel der Bienenvölker verloren, dann fiel bei Bandel auch noch die Waldhonig-Ernte aus.

Kurt Latzer
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2011 war für Josef Bandel die Welt noch in Ordnung. Dieses Jahr haben seine Bienen keinen dunklen Waldhonig geliefert – das erste Mal in seiner bald 50-jährigen Imkerlaufbahn. (Archivbild: Kurt Latzer)

2011 war für Josef Bandel die Welt noch in Ordnung. Dieses Jahr haben seine Bienen keinen dunklen Waldhonig geliefert – das erste Mal in seiner bald 50-jährigen Imkerlaufbahn. (Archivbild: Kurt Latzer)

Nächstes Jahr sind es 50 Jahre her, seit der Montlinger begonnen hat, Bienen zu züchten. In dieser Zeit hat er in der Imkerei mal bessere, mal schlechtere Zeiten erlebt. Sorge bereitet ihm unter anderem die Zahl der Bienenvölker. «1985 hatten wir im Einzugsgebiet des Bienenzüchtervereines Oberrheintal rund 1300 Bienenvölker. Heute sind es noch 600.» Auch Imker gebe es viel weniger als damals. Die Zahl reduzierte sich von 120 Mitte der 80er-Jahre auf derzeit 95. «Wir hatten bereits einmal weniger Imker, etwas über 60. Seit ein paar Jahren sind glücklicherweise neue Imker dazugekommen», beschreibt Bandel die Mitgliedersituation.

Rund ein Viertel verloren

Besonders hart getroffen wurden im vergangenen Winter nicht nur die Oberrheintaler Imker. In der ganzen Ostschweiz und dem benachbarten Ausland gingen viele Bienenvölker verloren. In Österreich etwa ist vom grössten Verlust seit fünf Jahren die Rede. «Im Herbst hatte ich 19 Völker, im Frühling waren es fünf weniger», sagt Bandel. Wie in anderen Regionen sei auch im Oberrheintal etwa ein Viertel der Bienenvölker verschwunden.

Überleben nur im Schwarm

Hans Oppliger, Leiter Fachstelle Bienenhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum Rheinhof, Salez: «Für das Verschwinden der Bienenvölker ist die Varoa-Milbe mit verantwortlich.» Man müsse sich diese Milbe, die sich an Bienen festsaugt, wie eine Miniatur-Zecke vorstellen. Sie sei von Viren befallen, die sie auf die Bienen übertrage, wodurch sie die Insekten schwäche. «Damit die Winterbienen die kalte Jahreszeit überleben können, rücken sie im Stock sehr dicht zusammen», sagt Oppliger. Damit die anderen von einer infizierten Biene nicht angesteckt werden, verlasse sie zum Sterben das Nest. Normalerweise bestehe ein Bienenvolk im Winter durchschnittlich aus 15 000 Tieren. «Verlassen zu viele Bienen den Stock, übersteht auch der Rest die kalte Jahreszeit nicht», sagt der Spezialist für Bienenhaltung.

Damit sich keine Varoa-Milben auf seinen Bienen festsetzen und sie schwächen, setzt Josef Bandel zwischen Juli und August Ameisensäure ein. «Ich glaube nicht, dass die Varoa-Milbe allein Schuld am Massensterben der Bienen hat», ist Josef Bandel überzeugt. Er behandle seine Bienen schon seit einigen Jahren. Trotzdem gingen immer wieder Völker verloren. Wichtig sei, dass alle Imker ihre Bienen zur richtigen Zeit behandeln. Nur so könne man die Gefahr der Reinfektion verringern. Letztmals werden die Bienen im Dezember behandelt, mit Toxalsäure. Wichtig für den Winter sind auch die Vorräte. Oppliger: «Die meisten Leute wissen nicht, dass die Bienen den meisten Honig für sich selbst brauchen und die Imker ab Juli keinen mehr entnehmen.»

Blumengärten wichtig

Gering fällt laut Bandel dieses Jahr auch die Ernte des Blütenhonigs aus. Wie beim Waldhonig müssten auch hierfür verschiedenste Faktoren stimmen. Die Zeit, in der die Bienen ausreichend Blütenstaub sammeln können, sei relativ kurz. Wichtig sei eine Vielfalt an Blumen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. «Weil die Landwirte möglichst fette Wiesen wollen, gedeiht meist nur noch der Löwenzahn», bemängelt der Montlinger Imker. Ist das Wetter in der Blütezeit des Löwenzahns nass oder stürmisch, können die Bienen keinen Blütenstaub sammeln. Entsprechend schlecht sei dann auch die Ernte.

Welch grosse Rolle private und öffentliche Blumengärten spielen, zeige sich bei Imkern in Städten. «Wenn wir hören, wie viel Honig beispielsweise in der Stadt Basel geerntet wird, können wir nur den Kopf schütteln», meint Josef Bandel. Deshalb freut sich der Präsident des Oberrheintaler Bienenzüchtervereins über Gärten, in denen es von März bis Oktober möglichst viel blüht.