Biedermeierfest zum Sechsten

176 Jahre nach dem grossen Dorfbrand erinnert man sich am 6. und 7. September in Heiden wieder an die grosse Zeit des Biedermeiers.

Karin Erni
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Der Umzug am Sonntag bildet den Höhepunkt des Biedermeierfests. (Bild: apz)

Der Umzug am Sonntag bildet den Höhepunkt des Biedermeierfests. (Bild: apz)

HEIDEN. Wenn feine Damen in Reifröcken und Sonnenschirmchen tragend mit Herren im Gehrock und mit steifem Zylinder durch das Dorf flanieren, dann ist wieder Biedermeierfest in Heiden. Das alle vier Jahre stattfindende Fest erinnert an den Dorfbrand von 1838, bei dem Heiden fast vollständig niederbrannte und danach in Rekordzeit im klassizistischen Stil wieder aufgebaut wurde.

Altes Handwerk

Es wird ein Fest für die ganze Familie. In zwei grossen Zelten zeigen 23 Kunsthandwerkerinnen und -handwerker Arbeiten, die es schon zur Biedermeierzeit gab. Darunter sind ein Seifensieder, ein Strohzylinder-Macher, ein Gürtler, ein Filigranist, der Schmuck herstellt, ein Strohspinner und ein Rosshaarflechter. Man wird auch Künstlerinnen und Kunsthandwerkern begegnen, die mit Geduld und hoher Präzision Scherenschnitte herstellen oder Schmuck aus Haar flechten. Auch eine Klöpplerin, eine Putzmacherin und ein Buchbinder werden ihre Künste zeigen. 31 Marktleute schlagen ihre Stände und Budiken entlang der Seeallee auf. Mit seinem Zweiradwagen wird auch der Zuckerbäcker vor Ort sein, der Mandeln und Nüsse brennt. Auf einem Platz ausserhalb des Zeltes zeigen Steinmetze ihre Kunst. Die Marktleute und Handwerker werden an ihren Ständen und in den Werkstätten in Biedermeier-Kleidern auftreten.

Der Heidener Lehrer Stefan Rothenberger hat mit seinem Team eine Ausstellung konzipiert, die eine Zeitreise durch die Geschichte der Schule Heidens erlaubt: Historische Dokumente informieren oder wecken Erinnerungen. Sie zeugen vom Wandel im Schulwesen. Auf alten Schulbänken liegen Prototypen des am 28. Oktober erscheinenden Schulbuches. Ereignisse werden darin aufgerollt, Lehrer, Schulhäuser, Schulklassen porträtiert, und unter Dutzenden von Klassenfotos kann jeder sich selbst als Schüler entdecken. Ein Film porträtiert einstige Schüler, die in Kunst, Sport oder Film Karriere machten.

Humoristisches Hauskonzert

Eine humoristische Schubertiade mit dem Bariton Ruben Drole und der Pianistin Andrea Wiesli kann man am Samstagabend oder Sonntagmorgen im Haus zur Palme erleben. «Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht!» Diesen Satz soll Schubert einst gegenüber dem Pianisten Josef Dessauer geäussert haben, der eines seiner Lieder als allzu melancholisch empfand. Doch Schuberts Liedschaffen zeigt mitunter auch ganz andere Facetten als die des unglücklichen Wanderers aus der abgründigen «Winterreise»: Die vor Spielwitz sprühende «Forelle» oder das «Heidenröslein» präsentieren ihre doppeldeutigen Gedichte durchaus augenzwinkernd. Neben Klassikern präsentieren Ruben Drole und Andrea Wiesli in Heiden selten gehörte Perlen.

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