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Bibliothek an neuem Ort aufwerten

Die Bibliothek hat eine neue Strategie im Sinn. Sie möchte zügeln, die Ludothek im gleichen Haus unterbringen, die Öffnungszeiten stark erweitern und Bücher in umliegende Gemeinden liefern.
Gert Bruderer
Der Verein Bibliothek Reburg hat den Anspruch, Kinder und Jugendliche noch zahlreicher und stärker an die Einrichtung zu binden. (Bild: Gert Bruderer)

Der Verein Bibliothek Reburg hat den Anspruch, Kinder und Jugendliche noch zahlreicher und stärker an die Einrichtung zu binden. (Bild: Gert Bruderer)

Das umfangreiche Strategiepapier liegt derzeit bei den beteiligten Oberrheintaler Gemeinden. An ihnen liegt es, zu bestimmen, was möglich sein darf – und was nicht. Es geht darum, die in Altstätten bestehende Bibliothek so auszurichten, dass sie auch im digitalen Zeitalter bedeutungsvoll bleibt – verbunden mit dem Anspruch, Kinder und Jugendliche noch zahlreicher und stärker an die Einrichtung zu binden.

Freihof-Gebäude als Wunschobjekt

Die heutige Reburg am Rathausplatz ist ein sehr schönes Ge­bäude, das dank der eingemieteten Bibliothek öffentlich zugänglich ist. Der Schutzstatus des Hauses schränkt aber stark ein, ausserdem ist der Platz knapp bemessen.

Der Verein Bibliothek Reburg schlägt nun den Umzug ins nahe Freihof-Gebäude vor. Im hinteren Teil der Freihofpassage stünde im Parterre ein riesiger Raum zur Verfügung, der es ermöglichte, Bibliothek und Ludothek wieder unter ein Dach zu bringen. Nach Einschätzung des Vereins wäre dies für beide förderlich. Die Bibliothek könnte die bislang streng alphabetische Ordnung nach Autorennamen zugunsten von Themenbereichen aufgeben.

Vereinspräsident Hans-Peter Enderli sagt: Eine Bibliothek, wie sie heute besteht, als reines Bücherlager, das dem Ausleihen von Büchern dient, werde es zunehmend schwer haben. Am neuen Ort könnten die Öffnungszeiten dank eines Selbstbedienungssystems deutlich erweitert werden. Das Fernziel ist ein 24-Stunden-Betrieb, wie nordische Länder ihn heute schon kennen.

Da sein für die Bevölkerung

Die Ausleihtheke würde dank eines Selbstbedienungssystems unnötig, die Bibliothekarinnen würden von Administrativem entlastet und könnten sich auf wichtige Aufgaben wie die Beratung beschränken. Besonders am Herzen liegt Hans-Peter Enderli, dass Kinder und Jugendliche keine Hürden zu überwinden haben, wenn sie ein Buch lesen möchten. Heute muss die Familie oder das Schulhaus, in dem ein Kind unterrichtet wird, Mitglied sein.

Ginge es nach Enderli, wäre das Ausleihen für Kinder und Jugendliche in jedem Fall kostenlos, was für die beteiligten sechs Gemeinden jährliche Mehrkosten von zehn- bis fünfzehntausend Franken bedeuten dürfte. Die heute moderaten Mitgliederbeiträge für Erwachsene beizubehalten, hielte Enderli für wichtig, weil das Angebot auch für sie möglichst niederschwellig sein solle. Der Präsident giesst seine Vorstellung vom Nutzen einer Bibliothek in den Satz: «Nicht für die Bildungselite wollen wir da sein, sondern für die Bevölkerung.»

Rückgabeboxen in den Dörfern

Auf diesem Credo gründet der Anspruch, den (vielleicht irgendwann einmal oder schon jetzt) lesenden Menschen im oberen Rheintal als Bibliothek nahe zu sein. Dem Verein schweben Rückgabeboxen an viel began­genen Orten wie zum Beispiel einem Bahnhof vor. Für die Lesenden der umliegenden Gemeinden könnte die Nutzung der Altstätter Bibliothek in der Vorstellung Enderlis künftig so er­folgen: Die gewünschten Bücher werden von zu Hause in der Bibliothek bestellt, ein Bibliothekslieferdienst (Arbeitstitel: «Ein Club der freiwilligen Helfer») bringt die so entstehenden Sammellieferungen in jeder Gemeinde an einen bestimmten Ort, wo der Leser das Gewünschte abholt und wo er die Lektüre bequem auch wieder abgeben kann.

Enderlis Ideensturm

Die Ideen reichen weit, was die beteiligten (Geld gebenden) Gemeinden wohl veranlasst, eine Prioritätenliste zu erstellen und ihre Meinung zur Strategie von dieser Liste abzuleiten. Altstätten zum Beispiel hat für die Bibliothek schon mal vorsorglich einen Mehrbetrag von 44000 Franken ins Budget aufgenommen.

Mit einer Bibliothek liesse sich viel verbinden: eine Art Beiz ohne Konsumzwang, ein sehr niederschwelliger Treffpunkt mit einem Abendkursangebot, die Einrichtung eines Info-Points für die Integrationsstelle oder verschiedene Gruppen. Lesezirkel, etwa für Senioren, sind denkbar, vielleicht in Zusammenarbeit mit Altersheimen, auch Angebote für bildungsferne Menschen.

Es ist ein eigentlicher Ideensturm, den Hans-Peter Enderli im Gespräch entfacht. Klassenführungen könnten von Grund auf neu gestaltet und so ausgerichtet werden, dass solche Führungen wirklich zum Lesen ermuntern. Das setzt Spannung, kindgerechtes Erzählen und spielerische Elemente voraus. Auch für die sprachliche Frühförderung könnte die Bibliothek einiges leisten. Für Spielgruppen und für jene, die in ihrer Gemeinde als Kontaktpersonen in Sachen Frühförderung tätig sind, könnte sie sich zu einer Art Kompetenzzentrum entwickeln.

Kein schneller politischer Prozess

Stefan Schreiber, der für die Vermietung im Freihof-Gebäude zuständig ist, bestätigt den Kontakt mit der Bibliothek. Mit ihr hätte die Novavest Real Estate AG als Eigentümerin eine vorzügliche Mieterin. Der politische Prozess bzw. die Beteiligung von sechs Gemeinden hat jedoch auch einen Nachteil. Indem die Vermieterin länger als sonst im Unge­wissen bleibt, wächst die Gefahr, allenfalls weitere Interessenten zu verlieren und am Ende (bei einem Nein der Gemeinden zum Umzug der Bibliothek) ohne Vertrag dazustehen.

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