Bewegende Passionsmusik

RHEINECK. Die stimmige Aufführung des «Stabat Mater» von G. B. Pergolesi und von drei Bach-Streichquartetten hinterliess ein nachdenkliches und innerlich berührtes Publikum.

Ferdinand Ortner
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Dorothea Christ (Sopran), Manuela Gerzner (Mezzosopran), Hans Schmid (Texte) und ein Instrumentalensemble gestalteten das Passionskonzert. (Bild: Ferdinand Ortner)

Dorothea Christ (Sopran), Manuela Gerzner (Mezzosopran), Hans Schmid (Texte) und ein Instrumentalensemble gestalteten das Passionskonzert. (Bild: Ferdinand Ortner)

Am Gründonnerstagabend vermittelte der Verein KIR (Kultur in Rheineck) mit einem niveauvollen Passionskonzert in der voll besetzten evangelischen Kirche ein berührendes, das Erleben der Fastenzeit vertiefendes religiöses Musikevent. Das stilvolle Programm umfasste das berühmte «Stabat Mater» von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) in der Originalfassung für Sopran, Alt, Streicher und Basso continuo sowie drei Streichquartette von J. S. Bach (1685 – 1750). Diese Perlen der Barockmusik aus dem frühen 18. Jahrhundert regten das aufnahmebereite Publikum zur Besinnung und inneren Einkehr an.

Bereichert und aufgewertet wurde die «Stabat Mater»-Aufführung durch tiefsinnige Gedanken, die der Theologe Hans Schmidt vortrug. Er verwies auf das Leid der Mütter durch die Jahrhunderte – besonders in Kriegszeiten – und bezog sich auch auf das Unvollendet-Sein alles Irdischen.

Engagierte Interpreten

Für den berührenden Vortrag der Sakralwerke sorgten qualifizierte Interpreten, die sich mit den Kompositionen voll identifizierten und sie mit Hingabe und respektablem Können darboten.

Ausführende waren die Gesangssolistinnen Dorothea Christ (Sopran) und Manuela Gerzner (Mezzosopran) sowie ein homogenes Instrumentalensemble mit Luzi Müller (1. Violine), Agnes Byland (2. Violine), Ruth Michael (Viola), Theresa Christ (Cello). Dieses wurde beim «Stabat Mater» durch Björn Baumgartner (Kontrabass) und Anna Danielewicz (Orgelpositiv) erweitert.

Im stimmigen Ambiente der evangelischen Kirche bildeten die drei polyphonen Streichquartette Nr. 1, 2 und 4 aus dem 15 Fugen umfassenden, berühmten Gesamtwerk «Kunst der Fuge» von J. S. Bach. eine ideale Einstimmung und Hinführung zum aufrüttelnden emotionalen Passions-Opus des Italieners G. B. Pergolesi.

Emotionaler Hochgenuss

Die musikalisch anspruchsvollen Quartett-Sätze der «Kunst der Fuge» meisterte das Streichquartett mit dem souveränen Primgeiger Luzi Müller klangschön, lebendig und transparent. Die aus dem zentralen Thema entwickelten Fugen-Fassungen beeindruckten durch ihr polyphones Figurenwerk und ihre feinsinnige Klangkultur. Höhepunkt des Passionskonzertes war die ambitionierte Aufführung des Pergolesi-«Stabat Mater», eines grossartigen Sakralwerkes, geprägt von überwältigender melodischer Ausdruckskraft, von Gefühl und Klangschönheit. Die dramatisch-romantische Darstellung der Schmerzen der Gottesmutter unter dem Kreuz, die Teilhabe am Leiden Christi sowie die Bitte um Vergebung und Aufnahme ins Paradies gelangen. Dorothea Christ und Manuela Gerzner sangen die klagenden und flehenden Melodien mit Feingefühl, sensiblem Klangempfinden und nuancenreichem Ausdrucksvermögen, ohne ins Sentimentale abzugleiten. Die klangvollen Stimmen, die auch in den schmerzlichen, sich überschneidenden Dissonanzen zu harmonischem Zusammenklang verschmolzen, wurden vom kleinen Streicher-Ensemble mit Gefühl und mit kluger Wahl der Tempi empfindsam getragen.

Von ergreifender Wirkung waren schon zu Beginn das einprägsame «Christi Mutter stand mit Schmerzen» und die Duette «O wie traurig», «Wer ist der Mensch», «O Mutter, Quell der Liebe» sowie als Höhepunkt das harmonisch reiche «Drücke deines Sohnes Wunden», wo Expression und Pathos der Opernmelodie im Dienst des religiösen Erlebens stehen. Musikalische Kostbarkeiten waren auch «Heilige Mutter», «Lass mich wahrlich mit dir weinen» und «Mach, dass ich trage Christi Tod». Besonders beeindruckend der polyphone Satz «Mach, dass brenne mein Herz» und – nach der flehentlichen Bitte um Aufnahme ins Paradies – das erlösende «Amen». Das Passionskonzert endete in andächtigem Schweigen.

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