«Bewährtes nicht umkrempeln»

ALTSTÄTTEN. Als Präsident der Spital-Standortgemeinde Altstätten hat Ruedi Mattle ein besonderes Interesse am Fortbestand des örtlichen Spitals. Seines Erachtens stellt sich die Frage nach einem neuen Schwerpunktspital für die Region Rheintal–Werdenberg–Sarganserland nicht.

Gert Bruderer
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Ruedi Mattle: «Ich glaube an die wohnortnahe Grundversorgung.» (Bild: Gert Bruderer)

Ruedi Mattle: «Ich glaube an die wohnortnahe Grundversorgung.» (Bild: Gert Bruderer)

Herr Mattle, wie oft sind die Spitalvorlagen in Ihrem Alltag ein Thema?

Ruedi Mattle: Im Moment sehr oft.

Inwiefern?

Mattle: Gerade heute Morgen habe ich mich mit mehreren Leuten über die Spitalvorlagen unterhalten. Nicht nur Politiker, auch viele andere Interessierte kommen von sich aus auf die Zukunft des Spitals zu sprechen. Man merkt, dass wir uns derzeit in einer besonders intensiven Phase befinden, vier Wochen vor der Abstimmung.

Dem breit abgestützten Komitee, das allen sechs Spitalvorlagen zustimmt, gehört auch der Altstätter Stadtrat an. Ist er angefragt worden, ob er dem Komitee beitritt?

Mattle: Nein, der Stadtrat ist dem Komitee aus eigenem Antrieb beigetreten. Wir haben unsere Unterstützung für die Spitalvorlagen schon früh zum Ausdruck gebracht und schon immer besonderen Wert auf den Austausch zwischen Grabs und Altstätten gelegt.

Auch Sie selbst, nehme ich an, sind also für den Ausbau des Altstätter Spitals.

Mattle: Ja, zu 110 Prozent.

Als Altstättens Stadtpräsident können Sie auch gar nicht anders.

Mattle: Wahrscheinlich ist dem so, aber mein deutliches Ja zum Ausbau der Spitäler kommt aus tiefster Überzeugung. Ich finde das die richtige Strategie.

Als Gegner des Spitalausbaus hätten Sie in Altstätten wohl keine politische Zukunft.

Mattle: Das ist schwer zu sagen, aber die Frage ist angesichts meiner Überzeugung hypothetisch.

Die Position, die der frühere Regierungsrat Anton Grüninger bei der Spitalschliessungsdiskussion vor zehn Jahren vertrat, kostete ihn das Amt, obschon er plausibel argumentierte. Haben Sie jene Diskussion miterlebt?

Mattle: Nur am Rande. Zu jener Zeit lebte ich nicht im Rheintal.

Die SVP ist gegen einen Ausbau der Spitäler Altstätten und Grabs, weil sie einen im Rheintal zentral gelegenen Neubau vorzöge. Ist das Ja zum Ausbau nicht von Anfang an auch ein Anti-SVP-Reflex? Ich sage bewusst «auch».

Mattle: Meine Wahrnehmung ist, dass die Spitaldiskussion sachlich geführt wird. Darum erkenne ich keinen Anti-SVP-Reflex.

Die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell sagt ebenfalls nur zu vier der sechs kantonalen Spitalvorlagen Ja und meint, ein Nein zu Altstätten und Grabs wäre ein Ja zu einem besseren und effizienteren Schwerpunktspital in der Region Rheintal–Werdenberg–Sarganserland. Ist das nicht plausibel?

Mattle: Meines Erachtens stellt sich die Frage nach einem neuen Schwerpunktspital nicht, denn das wichtigste Kriterium ist nach dem 15-jährigen Moratorium die Zeit. Wir können die Erneuerung der Spitäler nicht weiter aufschieben. Sonst riskieren wir entweder eine schlechtere Gesundheitsversorgung oder erhebliche Kosten aufgrund von Überbrückungsinvestitionen bei den bestehenden Spitälern. Alleine für die Bestimmung eines neuen Standorts wären Jahre nötig.

Aber abgesehen vom zeitlichen Druck: Wäre nicht ein neues, zentral gelegenes Rheintaler Schwerpunktspital langfristig das Beste?

Mattle: Ich glaube an die wohnortnahe Grundversorgung. Auch wegen der demographischen Entwicklung. Die Menschen werden immer älter, Geriatrie und Nähe sind entsprechend wichtig. Auch die finanziellen Kennzahlen der Spitäler sprechen für die heutige wohnortnahe Netzwerk-Strategie: Sie funktioniert, ist erfolgreich – und ein erfolgreiches System sollten wir nicht völlig umkrempeln.

Ganz unabhängig von der Spitaldiskussion und völlig eigennützig betrachtet: Was bringt das Altstätter Spital der Stadt Altstätten?

Mattle: Man kann die Frage weiter fassen: Was bringt es der Region? Über 250 Beschäftigte arbeiten am Altstätter Spital, ein guter Viertel von ihnen wohnt in Altstätten. Jeder Vollzeitstelle ist eine weitere halbe Stelle in der Region zu verdanken. Die Stellen im Spital sind attraktiv, gerade auch für Frauen. Das Spital trägt viel zur Standortattraktivität bei.

Sie deuten den Multiplikationseffekt an.

Mattle: Ja, das Spital strahlt auch insofern aus, als es Güter und Dienstleistungen in der Region bezieht. Jeder Franken, den das Spital ausgibt, bedeutet eine Wertschöpfung von mindestens 1.20 Franken.

Können Sie das veranschaulichen, bitte?

Mattle: Wird beispielsweise das Brot für das Spital im Ort gekauft, so wird zunächst das Brot bezahlt. Dieser Umsatz der Bäckerei dient wiederum dem Lohn von Mitarbeitenden, die ihrerseits ebenfalls Konsumenten sind. Wo wir gerade beim Geld sind. Ein Spital, das weiter weg läge, würde zu höheren Kosten und auch längeren Wegen mit entsprechendem Mehrverkehr führen.

Sind Sie Mitglied im Verein «Pro Spital Altstätten»?

Mattle: Ich bin als Delegierter des Stadtrats in diesem Verein vertreten.

Und persönlich nicht, weil Werner Ritter den Verein präsidiert und er Sie verbal schon öfter attackiert hat?

Mattle: Nein, nein – und davon abgesehen: Es gibt ja auch Vorlagen, bei der wir gleicher Meinung sind. Zum Beispiel beim Spital.

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