Betrunken, aber nicht gefahren

Der Altstätter, der sich letzte Woche wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand vor Gericht verantworten musste, wurde freigesprochen.

Kurt Latzer
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ALTSTÄTTEN. Am 22. August 2015, früh morgens, sah ein Grenzwächter, der auf dem Weg zur Arbeit war, einen Mann in einer Wiese liegen, daneben ein Kleinmotorrad. Das Ganze ereignete sich in Eichberg, wenige Hundert Meter vom Restaurant Falken entfernt. Weil der Grenzwächter von einem Unfall ausging, alarmierte er umgehend die Kantonspolizei. Unterdessen hatte der Grenzwächter bemerkt, dass das vermeintliche Unfallopfer schlief. Die Polizisten hatten ihre liebe Mühe, den «leicht schnarchenden» Mann zu wecken. Der Töff-Fahrer wurde vernommen und ein Alkoholtest angeordnet. Der Atemlufttest ergab einen Wert von 1,54 und 1,55 Promille Alkohol im Blut, nach der Blutabnahme im Spital wurden 2,04 Promille Alkohol festgestellt.

Nicht gefahren, nur gestossen

Für das Fahren im angetrunkenem Zustand verlangte die Staatsanwaltschaft die Verurteilung des Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 130 Franken, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von 3000 Franken. Gegen diese Anklage erhob der Altstätter Einspruch. Im Polizeiprotokoll wurde vergangenen August festgehalten, der Beschuldigte habe zugegeben, mit dem Töff gefahren zu sein. Auspuff und Zylinderkopf des Fahrzeuges seien noch warm gewesen.

Während der Polizist, der den Beschuldigten letzten August vernommen hatte, vor Gericht dabei blieb, der Töff-Fahrer habe ein Geständnis abgelegt, beteuerte der Altstätter mehrmals, dass dies nicht stimme. «Ich habe nie gesagt, ich sei gefahren», beteuerte der Beschuldigte vergangenen Mittwoch vor Gericht. Weil der Töff nicht mehr angesprungen sei und er den Oldtimer nicht vor dem «Falken» stehen lassen wollte, habe er das Fahrzeug gestossen.

Protokoll nicht unterschrieben

Wenige Hundert Meter vom Restaurant entfernt sei er dann zu müde geworden und habe sich in der Wiese hingelegt.

Der Töff-Fahrer bestritt zudem, das Protokoll der Polizei gelesen und unterschrieben zu haben. Der Verteidiger des Beschuldigten führte ins Feld, die Unterschrift seines Mandanten könnte gefälscht sein. Und weil er so betrunken gewesen sei, hätte man ihn nicht vernehmen dürfen.

Im Zweifel für den Angeklagten

Die Verhandlung von vergangener Woche dauerte über vier Stunden, einvernommen wurden der Grenzwächter, die beiden Polizisten sowie der Beschuldigte. In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt, den Beschuldigten im Sinne der Anklage zu verurteilen, der Anwalt des Altstätters forderte einen Einspruch. Es gibt keine Zeugen, die den Mann fahren gesehen haben. Dass Teile am Töff nach dem Auffinden des Beschuldigten noch warm waren, haben weder der zweite Polizist noch der Grenzwächter bestätigt. Auch an ein Geständnis des Töff-Fahrers konnte sich der zweite Polizist nicht erinnern. Er habe etwas entfernt vom Beschuldigten gestanden.

Zwei Tage nach der Verhandlung wurde der Altstätter in dubio pro reo (Im Zweifel zu Gunsten des Angeklagten) freigesprochen. Der Staatsanwaltschaft gelang es nicht, dem Angeschuldigten eindeutig nachzuweisen, dass er betrunken gefahren ist. Alle Auslagen des Beschuldigten trägt die Staatskasse.