Bessere Aussicht am See

In der Oberrheintaler Gemeinde sind zwei Aussichtsplattformen geplant. Die am Wichensteiner See ist im Bau, gegen die am Blattenberg hat der WWF nach Ablauf der Frist Einspruch erhoben.

Kurt Latzer
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Wann die Aussicht vom Blattenberg her besser ist, hängt allein von den Naturschutzverbänden ab. Die Gemeinde wäre parat, die Arbeiten hätten vergangenen Monat beginnen können. (Bild: Kurt Latzer)

Wann die Aussicht vom Blattenberg her besser ist, hängt allein von den Naturschutzverbänden ab. Die Gemeinde wäre parat, die Arbeiten hätten vergangenen Monat beginnen können. (Bild: Kurt Latzer)

Für all jene, die sich in der Fünf-Dörfer-Gemeinde gerne in der Natur bewegen und die Landschaft geniessen, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Schlechte Aussichten hat die geplante Plattform auf dem Blattenberg, für die bereits die Baubewilligung erteilt war.

«Während der Auflagefrist für die Aussichtsplattform Blattenberg haben wir keine Einsprachen bekommen», sagt Rolf Huber, «alle zuständigen Stellen im Kanton haben dem Projekt zugestimmt.» Eigentlich hätten die Bauarbeiten vergangenen Monat beginnen sollen. Daraus wurde nichts. Denn kaum war die Baubewilligung im Rathaus eingetroffen, ergriff der WWF rechtliche Schritte.

Einsprachefrist war längst abgelaufen

«Etwa vier Wochen nach der Einsprachefrist hat sich der WWF zu Wort gemeldet», sagt Huber. Die Einsprache habe der Gemeinderat abgewiesen, worauf das Projekt bewilligt worden sei. Daraufhin hat der WWF Rechtsmittel ergriffen. Der Kanton muss nun entscheiden, ob der Einspruch anerkannt und das Vorhaben an die Vorinstanz zurückgeschickt wird. «In meinen Augen ist das völlig falsch, ich verstehe das Vorgehen nicht», sagt der Gemeindepräsident. Mit der Aussichtsplattform wolle der Rat nicht den Tourismus fördern, sondern den Einheimischen eine schöne Aussicht aus der Natur in die Landschaft bieten. «Wir wollen keine Besucherströme generieren, sondern den Leuten aus der Region etwas bieten, die auf dem Blattenberg Naherholung suchen», sagt Rolf Huber. Der Weg des Vitaparcours auf dem Blattenberg besteht schon lange, ein Aussichtspunkt auch. Der ist geschätzte 500 Meter vom Schloss Blatten entfernt, dort, wo in der steil abfallenden Felswand ein grosser Riss zu sehen ist.

Schutzgebiet von nationaler Bedeutung

An der Stelle soll die Plattform entstehen, vorausgesetzt man einigt sich. «Ich persönlich finde es schade: Wir haben eine Verzögerung, können am Ende nicht bauen und schleppen den Budgetposten immer weiter mit», sagt der Gemeindepräsident. Weshalb sich der WWF zur Wehr setzt, sagt Reto Schmid, Vorstandsmitglied der Sektion WWF Kanton St. Gallen: «Die Bauanzeige war unserer Meinung nach nicht komplett, es fehlten die genaue Ortsbezeichnung, Umfang des Bauvorhabens sowie Angaben zur Erschliessung, Zonenzugehörigkeit und Auflistung betroffener Schutzgebiete.» Die geplante Aussichtsplattform liege ausserhalb der Bauzone im Wald, sei im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Zudem befinde sich die Plattform in einem Wildkorridor von nationaler Bedeutung.

«Als Einsprecher hat der WWF am Verfahren bereits vor der Vorinstanz teilgenommen und beantragt, die Baubewilligung abzulehnen. Der Kanton war anderer Meinung und hat die Baubewilligung erteilt», sagt Reto Schmid. Nun gilt es abzuwarten, ob der Kanton den Rekurs des WWF stützt oder ablehnt. «Ob wir die Angelegenheit weiterziehen, wenn unser Rekurs abgelehnt werden sollte, weiss ich noch nicht», sagt das WWF-St. Gallen-Vorstandsmitglied.

Bessere Aussichten am Wichensteiner See

Deutlich besser als am Blattenberg sind die Aussichten für die Plattform am Wichensteiner See. Eigentlich ist es eher ein geschlossener Gang, der ins Wasser reicht. Mit Sehschlitzen, die den Naturfreunden einen ungestörten Blick in die Tierwelt im Oberrieter Naturparadies bieten. Der Beobachtungssteg ist Teil der zweiten Aufwertungsetappe der Gemeinde für das Naturschutzgebiet Wichenstein–Loo. Wer vom Parkplatz mit Grillstelle aus dem Uferweg folgt, stösst nach ein paar Hundert Metern auf die Baustelle. Bisher sind erste Fundamente zu sehen: «Wird gehen davon aus, dass die Plattform noch dieses Jahr fertig wird», sagt Rolf Huber. Bereits länger in Arbeit ist das Projekt Amphibienschutz. Wichtig, weil der Wichensteiner See ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Be­- deutung ist und seit Jahren Biber beheimatet sind. Obwohl diese Nager im Moment eher den See im Loo bevorzugen, ist nicht ausgeschlossen, dass die fleissigen Dammbaumeister von der neuen Aussichtsplattform aus zu sehen sein werden.