Beschwingte Klassiker des Rock

Am vergangenen Sonntag musizierten der Organist Franz Pfab, der Cellist Stefan Baumann und Töbi Tobler am Hackbrett nach allen Regeln der Kunst. Sie erhielten eine Standing Ovation.

Rolf Rechsteiner
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OBEREGG. Das gab es schon lange nicht mehr: Offenbar war sich das Publikum in der Einschätzung des Dargebotenen einig. Die drei Berufsmusiker erhielten nach fünf Viertelstunden eifrigen Musizierens tosenden Applaus in der halbvollen Kirche.

Das «Konzert zum Maien» ist jeweils ganz auf Frühling eingestellt, beschwingt soll es sein und doch kunstvoll in der Anlage. Diesmal stand eine «Leibspeise» des Gastgebers auf dem Programm. Tim Haas, Präsident des Vereins Konzerte in der Kirche, erklärte, er habe seit Bestehen des Vereins (Gründung am 4. März 1998) davon geträumt, einmal die Verschmelzung von Rock und Klassik erleben zu dürfen – mit der Kuhn-Orgel als Mittelpunkt.

Drei Profis am Werk

Franz Pfab schien für dieses Vorhaben die Idealbesetzung zu sein. Er ist Besitzer einer grossen Hammond-Orgel, die in den 1970er-Jahren von der Rockszene nicht wegzudenken war. Entsprechend fein austariert war seine Registratur, die schillernde Klangfarben produzierte, zu denen seine Mitstreiter nach Herzenslust «rocken» konnten. Es war schon lustig anzusehen, wie der Cellist mit dem Kopf wippte, als hätte er einen E-Bass in den Händen, während Töbi Tobler in bewährter Manier seinen Ruten schwang und den Resonanzkasten des Hackbretts gleich mit in sein lustvolles Tun einbaute.

Von Bach bis Deep Purple

Das Programm setzte an beim Boléro von Maurice Ravel, den das ungleiche Trio in erstaunlichem Crescendo aufbaute, anlehnend an eine Version von Frank Zappa. Auch die Toccata in d-Moll (BMV 565) bildete einen Angelpunkt. Rundum siedelten die Musiker eine Reihe von Ohrwürmern aus den Jahren 1967 bis 1972 an – ein wahrlich begrenztes Zeitfenster mit Kompositionen von ungeahnter Vielfalt. Erwähnt seien etwa «I have a dream» von Abba oder «Light my fire» von The Doors mit herrlich hüpfendem Hackbrett (oder war es Töbi, der hüpfte?) und synkopisch schillerndem Orgelsatz. Zudem wurde auch noch Appenzellisches zitiert. Mehrmals setzte Töbi Tobler an zu einem kurzen Hackbrettstück mit Singstimme, das man bei genauem Hinhören als etwas Vertrautes wahrnahm. Das wirkte verblüffend getreu dem alten Motto: «Man weiss nie, wie nah man sich kommt.»

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