Berührung statt Ängste

Im Rahmen einer Projektwoche der Altstätter Schulhäuser Bild, Klaus und Institut, haben Schulkinder aus dem «Klaus» am Donnerstagmorgen das Asylzentrum Altstätten besucht und am Nachmittag von dort Besuch bekommen.

Kurt Latzer
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Altstätter Schulkinder und Familien mit Kindern aus dem EVZ hatten am Projekttag «Gesellschaft» sichtlich Spass. (Bilder: Kurt Latzer)

Altstätter Schulkinder und Familien mit Kindern aus dem EVZ hatten am Projekttag «Gesellschaft» sichtlich Spass. (Bilder: Kurt Latzer)

ALTSTÄTTEN. Gespielt, getanzt und zusammen gegessen: Nicht nur ihre Hände haben sich beim Spielen im Schulhaus Klaus berührt, sondern womöglich auch die Herzen. Die Familien und die jungen Erwachsenen aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) für Asylbewerber haben einen Nachmittag lang ein kleines Stück heile Welt erlebt, abseits von Flucht und ihrem Alltag im Zentrum. Christine Wild, Lehrerinnen im Schulhaus Klaus: «Auch der Besuch im EVZ war für unsere Schüler interessant und lehrreich.»

Keine Berührungsängste

Auch die Erwachsenen Asylbewerber, die ohne Angehörige ins Land gereist sind, hätten sich über den Besuch der Schulkinder sehr gefreut. «Vor allem jene Kinder waren auf den Besuch im EVZ sehr gespannt, die in den Quartieren um das Zentrum zu Hause sind», sagte die Lehrerin. Einfach nur Mensch sein: Fernab von Politik, Religionen oder Fanatismus haben die Altstätter Schüler und die Familien aus dem EVZ viel Neues erfahren. Und sehr wichtig – viel über Gesellschaftsspiele sowie gemeinsames Tanzen.

Mehr als sieben Nationen

Im Mittelpunkt ein grosses buntes Tuch, um das sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene scharten. Mit dem gemeinsamen Tanzen, Hüpfen und Lachen begann ein Programm, das nicht nur die Kinder begeisterte. Sie sprachen Hochdeutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch: Verständigungsprobleme oder gar Berührungsängste kennt das Spielen nicht. Mehr als neun Nationen teilten sich das Foyer des Schulhauses. Besondere Renner waren «UNO», «Leiterlispiel», «Eile mit Weile» und dergleichen. Um die Wette gewürfelt und Karten gezogen haben nicht nur die Kinder untereinander, sondern bunt gemischte Teams aller Altersgruppen. Während sich Kinder und Eltern auf Karten oder Spielsteine konzentrierten, hat der «Mann von der Zeitung» auf die Leute, ihre Gestik und Mimik geachtet.

Ein paar Tränen sind geflossen

So boten sich abseits des Lachens Situation, die einem traurig oder nachdenklich stimmen. Eine junge Frau, die allein aus einer ehemaligen Sowjetrepublik in der Schweiz geflüchtet ist, hatte zeitweise mit den Tränen zu kämpfen. Man hat es beinah spüren können, wie gut es ihr getan hat, als sie ein Schulkind in die Arme nahm. In dieser Szene haben sich ganz bestimmt zwei Herzen berührt.

Die Lehrerinnen und die Betreuer des EVZ hat der Anlass mindestens so begeistert wie Schüler und Besucher Es war das erste Mal, dass so eine Begegnung in Altstätten zustande kam. Ein Projekt, das ruhig Schule machen dürfte.

Die Nicht nur Kinder haben gespielt, sondern auch die jungen Erwachsenen haben das eine oder andere Leiterli überwinden müssen. (Bild: Bilde: Kurt Latzer)

Die Nicht nur Kinder haben gespielt, sondern auch die jungen Erwachsenen haben das eine oder andere Leiterli überwinden müssen. (Bild: Bilde: Kurt Latzer)