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BERNECK/AU: Einst ein begehrter Campingplatz

Alle Spaziergänger der Region kannten das Café Ascot, auf Bernecker Boden, aber an der Grenze zu Au gelegen. Nur noch wenige hingegen erinnern sich, dass dort einer der ersten Campingplätze des Rheintals stand.
Maya Seiler
Zwei vergnügte Tage (und eine kalte Nacht) im Zelt verbrachten die jungen Leute, die zur Eröffnung des Campings Ascot als «Statisten» eingeladen worden waren. Die Fotos stammen aus dem Album von Marianne Riedi-Janko, die selbst anwesend war. (Bilder: pd)

Zwei vergnügte Tage (und eine kalte Nacht) im Zelt verbrachten die jungen Leute, die zur Eröffnung des Campings Ascot als «Statisten» eingeladen worden waren. Die Fotos stammen aus dem Album von Marianne Riedi-Janko, die selbst anwesend war. (Bilder: pd)

Maya Seiler

Seit dem Tod des Inhabers Peter Steiner im Mai 2014 ist das Café Geschichte – und die Tage des alten Hauses an der Kobelstrasse 1 sind ebenfalls gezählt. Auf dem 2000 Quadratmeter umfassenden Grundstück wird nächstens ein Miethaus mit acht Wohnungen errichtet.

Die Liegenschaft hat schon einiges erlebt. 1940 ging der damalige Besitzer Konkurs; Alfred Steiner ersteigerte Haus und Grundstück und verkaufte es kurz darauf an Sohn Paul, der dort mit seiner Frau und den drei Kindern Melitta, Paul junior und Peter Wohnsitz nahm.

Camper beherbergen statt Rasen mähen

Der gelernte Werkzeugmacher Paul Steiner hatte bei Wild-Leica einen Bürojob. Daneben vermietete er Autos, wie sich der Auer Peter Bischofberger erinnert. Er hat vor der Rekrutenschule mit einem Mietauto von Steiner Autofahren gelernt, ennet der Grenze für drei Franken die Fahrstunde.

Der beträchtliche Umschwung der Liegenschaft Ascot brachte einige Arbeit. Die heute in Perly bei Genf lebende Tochter erinnert sich, dass ihr Vater gegenüber einem Freund klagte, immer müsse er Rasen mähen. Dieser riet ihm, das grosse Grundstück als Zeltplatz zu nutzen. Paul Steiner befolgte den Rat und eröffnete in den 1950er-Jahren das Camping Ascot, benannt nach dem Hund der Familie, einem Yorkshire-Terrier namens Ascot. Im Volksmund hiess die Liegenschaft «s’Ascot», der Hund «s’Ascötli».

Als Attraktion für Campingfreunde liessen Steiners sogar ein nierenförmiges Schwimmbassin bauen. Zur Eröffnung im Sommer 1957 lud man junge Leute aus Berneck und Widnau ein, ihre Zelte auf dem Platz aufzustellen, auch um Fotos für einen Prospekt zu machen. Elsbeth Messmer-Bischofberger und Marianne Riedi-Janko waren unter den Fotografierten.

Marianne Riedi erinnert sich nicht nur, dass sie in der Nacht erbärmlich fror und darum zu ihrer Schwester Zita schlafen ging, die im Kobel verheiratet war. Sie besitzt auch ein altes Fotoalbum, in dem zahlreiche Bilder der Ascot-Einweihung fein säuberlich eingeklebt und beschriftet sind.

Nach der Scheidung führte Clara Steiner den Campingplatz mit Sohn Peter weiter. In seiner Blütezeit war der idyllisch gelegene Platz vor allem bei hollän-dischen und norddeutschen Campern beliebt. Ausländische Stammgäste kamen viele Jahre lang mit ihren Wohnwagen und Zelten ins Rheintal, teils schon in zweiter Generation. Der Zeltplatz war auch im TCS-Führer und in internationalen Camping-Führern zu finden. Noch bis vor zehn Jahren konnte es vorkommen, dass man nach dem Weg zum Zeltplatz gefragt wurde. Peter Steiner junior hatte den Platz aber schon in den 1980er-Jahren aufgegeben und sich ganz auf die Führung der Cafébar Ascot konzentriert. Das Lokal war bei Spaziergängern gern gesehen und auch ein beliebtes Ziel für die Rollstuhl-Ausfahrten mit Bewohnern des Auer Altersheimes Hof Haslach. Nur der Garten mit dem Schwimmbad erinnerte noch an Camping-Zeiten.

Kein Zusammenhang mit Camper-Brot vom Engelbeck

Obwohl sich Norbert Keller von der Bäckerei Engel gut erinnern kann, dass das Camping Ascot noch bis vor etwa zehn Jahren in internationalen Campingführern erwähnt wurde und darum immer noch Lenker von Wohnwagengespannen mit holländischen und deutschen Nummern danach fragten, hat sein feines Camperbrot nichts mit dem Ascot zu tun. Keller war früher auf Kanutouren oft mehrere Tage abseits der Zivilisation unterwegs. Als Fachmann suchte er nach einem Brot, dass lange frisch blieb und erfand ein geeignetes Rezept: Ein Ruchbrotteig mit kürzerer Ruhezeit wird anfänglich bei hoher Temperatur gebacken, um eine gute Kruste zu erhalten. Das Brot ist dadurch feinporiger und bleibt länger feucht. Da er «Kanu-Brot» nicht passend fand, nannte er seine Eigenkreation Camper-Brot.

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