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BERNECK: Werners Werke wirken

Der Architekt Werner Bänziger hört auf die Sprache der Häuser. Wie er das macht, zeigt ein 50-minütiger Film. Dieses Werk wirft einen eindringlichen Blick auf die üppig bewahrte historische Bausubstanz Bernecks.
Gert Bruderer
Zu den vielen historischen Häusern, die Werner Bänziger erneuert hat, gehören das «Büdeli» (rechts) beim Rathaus und das Torggelhaus (im Hintergrund). (Bilder: Gert Bruderer)

Zu den vielen historischen Häusern, die Werner Bänziger erneuert hat, gehören das «Büdeli» (rechts) beim Rathaus und das Torggelhaus (im Hintergrund). (Bilder: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Obschon eine Auftragsarbeit für einen eher kleinen und privaten Kreis, ist der Film keine Einladung zum Gähnen, sondern vergnügliches Zeitdokument. Die Idee hatte Bernecks früherer Gemeindeschreiber René Schelling.

«Bä und seine Häuser», hatte er gemeint, das könnte doch ein schöner Film sein. Und nun gibt es ihn. Peter Sonderegger hat ihn zusammen mit René Schelling gemacht – und Bä als Hauptperson schreitet 1:1 durch den Film, redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. So und nicht anders hatte er es machen wollen: Aufnehmen und basta, ohne Wiederholung. Szenen mitten aus dem Leben, ungekünstelt.

«Philosoph unter den Architekten»

Für den Arzt Felix Oberholzer ist Werner Bänziger der «beste Philosoph unter den Architekten und vielleicht der beste Architekt unter den Philosophen». Bänziger hat einst zusammen mit dem früheren Gemeindammann Walter Dierauer und dem Bildhauer Walter Jüstrich mit viel Liebe zum Detail das Torggelhaus als Ortsmuseum geschaffen, laut Schelling das «Paradebeispiel der Ära Bänziger». Jüstrichs Sohn Peter sagt im Film, dadurch sei im Dorf das Bewusstsein gewachsen, wie wertvoll es sei, historische Häuser fachgerecht zu erneuern, was wiederum die Bereitschaft erhöht habe, dem Dorfkern Sorge zu tragen. In jüngster Zeit hat Bä das Leichenführer-Schelling-Haus an der Kirchgass 17 erneuert und dabei auf die Sprache des alten Gebäudes gehört. In der Firstkammer, also zuoberst, lasse sich jeweils am besten ablesen, «wia’s amol gsi ischt» – «der Schlüssel, alls ischt no do». Wichtige Hinweise gebe auch die Fassade. Die Stube ist fünf Meter lang und hatte ursprünglich fünf Fenster, die Nebenstube ist drei Meter lang, hatte drei Fenster. Werner Bänziger beschränkt sich auf den Ausdruck «Harmonie», das Haus hat eine Sprache klar wie Glas.

Seltene Lust auf Schutz

Den Denkmalpfleger Moritz Flury brachte Bänziger zum Staunen, als er sich mit diesen Worten an ihn wandte: «I ha do es Hus; chönnt echt da nöd es Schutzobjekt geh?»

Normalerweise ist es umgekehrt, möchten Hauseigentümer den Schutz lieber loswerden. Am Ende des Films erklärt René Schelling: «Berneck mit seiner wertvollen, teilweise aber versteckten Bausubstanz war für Werner Bänziger ein Glücksfall.» Aber noch viel mehr sei Werner Bänziger mit seinen architektonischen Fähigkeiten, dem Sinn für historische Bausubstanz, für Ästhetik und Machbares ein Glücksfall für das Dorf.

Gut zwanzig historische Häuser hat Werner Bänziger fachgerecht erneuert. Acht von ihnen konnte er nur erhalten, indem er sie kaufte. Ihre Schönheit und ihre Charakteristika brachte der Architekt mit grosser Leidenschaft neu zur Geltung. Das grosse Grundstück an der Rüdenstrasse, auf dem das Riegelhaus mit der Nummer 5 steht, hat Bänziger sogar in zwei Parzellen aufgeteilt – aber nicht, um das freie Land zu bebauen, sondern um es mit einem Bauverbot belegen zu lassen. Ihm lag daran, dass der Blick auf das historische Bijou unbeeinträchtigt bleibt. Ein Haus, das Bänziger erwerben musste, um seinen historischen Glanz zu erhalten, ist auch der «Hirschen» beim Rathaus.

Das Flair für Künstlerisches und Historisches teilt Bänziger mit seiner Gattin Luzia, die nicht nur Schloss Grünenstein verwaltet, sondern auch als Präsidentin von Froschkönig wirkt, dem Kulturverein Schloss Grünenstein. So verwundert es nicht, dass das Ehepaar Bänziger selbst auch ein besonderes Haus bewohnt, das 1991 erneuerte «Tokter-Hus» aus dem 17. Jahrhundert, das an der Kirchgass 8 zu finden ist.

Im Erdgeschoss hat Werner Bänziger sein Atelier – vielmehr: sein Altmateriallager. Türbeschläge, Schlösser und Wetterfahnen, die «unheimlich gsuecht» sind. Auf einen «Hirschen» komme ein Hirsch, auf einen «Löwen» ein Leu, aber «bim Liiche­füehrerhus chan i jo nöd en Sarg ufi tue», sagt Werner Bänziger. Weil aber der Leichenführer in jeder Gemeinde derjenige gewesen war, der ein Ross hatte, entschied der Architekt sich für ein Pferd mit Kutsche, ein aussergewöhnliches Wetterfähnchen.

Auch öffentliche Bauten erneuert

Der Film ist sozusagen ein Geschenk zum 80. Geburtstag, den Werner Bänziger im November feierte. Im Sturzenhard ist er aufgewachsen, auswärts schloss er eine Schreinerlehre mit 1,2 – also fast mit der Bestnote – ab, später wurde er auch noch Hochbauzeichner. In Reute war Werner Bänziger vor langer Zeit während zweieinhalb Jahren Gemeinderat; der Amtszwang liess ihm keine Wahl. Freiwillig übernahm er hingegen, zurück in Berneck, 1970 das Präsidium von Verkehrsverein und Torkelfest-OK.

Zu den Häusern, an die Werner Bänziger Hand angelegt hat, gehören in Berneck u. a. auch die beeindruckende Obermühle, das Lindenhaus, das «Büdeli» beim Rathaus oder Schloss Buchholz.

Auch öffentliche Bauten wie das Schulhaus Bünt oder die evangelische Kirche hat Werner Bänziger stilvoll erneuert. Was auf seine Bauten immer zutrifft, sagt der Film mit einem grossen WWW. Werners Werke Wirken.

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