BERNECK: «We make Berneck great again»

Jedermann wollte von den Schnitzelbänken erfahren, was in letzter Zeit an Missgeschicken, Peinlichkeiten und Lächerlichem – hoffentlich den anderen – passiert war.

Maya Seiler
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Die Räbahäxa mit ihrem Helgen zum «Etiketten-Schwindel» von Ralph Heule, «Wein Berneck». (Bild: Maya Seiler)

Die Räbahäxa mit ihrem Helgen zum «Etiketten-Schwindel» von Ralph Heule, «Wein Berneck». (Bild: Maya Seiler)

Maya Seiler

Mit Schadenfreude die einen, mit einem mulmigen Gefühl die andern, begab man sich am Fasnachtssamstag ins Restaurant seiner Wahl. Die Verseschmiede haben keine Mühe gehabt, ihre Sujets zu finden: Die Bauarbeiten an der Neugass, das Haus des Weins oder das Wahlzettel-­Debakel der OMR (und der ­Österreicher), aber auch internationale Politik mit dem neuen US-Präsidenten, der bei den Überfliegern gleich in Persona auf die Bühne kam.

In Anspielung auf die Tourismusförderung im Dorf empfahlen die NewScomer, als internationale «Seitz»-Seeing-Group unterwegs, einen FKK-Strand bei der Schlossbrugg oder «Nacktwandre dur d’ Räbe täts au zur Not, denn werdet die Truube vo selber rot!» Mehrfach war das gekappte Strom-, Telefon- und Internetkabel Thema für satirische Sprüche; so reimten die NewScomer zum Gassenhauer «Marmor, Stein und Eisen bricht, nur die Stromversorgung nicht.»

Drei geniale Bernecker Bären, Mario Ammann als Sänger, Handörgeler Hansruedi Lei und Helgenmaler Pablo Bänziger, drei Fasnachts-Urgesteine, sind heuer erstmals als «Bäredräck» den Bernecker Ungereimtheiten auf der Spur. In absolut professio­nellen Versen und mit hohem sängerischen Niveau, berichteten sie von der «Rheintaler Jeanne d‘Arc» (Helga Klees Hilfe im ­Kantonsrats-Wahlkampf), von der defekten Leuchtreklame bei der Garage Kauf(mann) Nissan oder vom ertappten Schinkenschmuggler Peter Schmid.

Wie immer erfreuten die Räbahäxa mit fantasievollen Kostümen und bissigen Anspielungen auf eine E-Bike-Tour, die mit einem Fussmarsch endete oder auf das Sofa des «Rössli»-Wirts, das nicht durchs Treppenhaus passte.

Lange Zeit als Mexikaner, seit einigen Jahren als bunte Clowns aus der Schnitzelbank-Parade nicht wegzudenken, erntete die Schnitzelbank GmbH heuer für ihren letzten Auftritt besonders viel Applaus. Sie erfreute mit Erinnerungen an den Kabelbruch an der Neugass oder – zu «O ­Tannenbaum» – an das Haus des Weins, das nun doch nicht ins Fürstenhaus kommt. Sicher ist eins: Man wird sie vermissen. Die Herisauer Saitenspringer verbreiteten als Gäste mit Appenzeller Witz und alten Hits gute Laune.

Polit-Kabarett vom Feinsten

Jedes Jahr freut man sich auf den Auftritt der ÜberfliegAir und fragt sich, als wessen Doubles sie wohl diesmal auftreten. Absolut richtig lag, wer auf einen Auftritt von Donald Trump gesetzt hatte. Mit einer «Frisur wie en Goldfasan», Anzug und roter Krawatte ähnelte Roman Federer frappant dem «verwirrtischte Präsident und Twitterer Number One». Er wurde empfangen von July Thurnherr (René Lei), der alles fotografierte und auf Facebook postete, Radrenn-Legende Ferdi Kübler (Philipp Färber) und Fernsehmoderatorin Steffi Buchli. Keine Bernecker Polit-Verirrung war vor den Kabarettisten sicher: Postschliessung, Lohn des Gemeindepräsidenten oder das neue Hochwasserkonzept, das mit einer Überflutungszone in der Kloteren dem Dorf eine attraktive Bäderlandschaft bescheren wird und zur Änderung des Namens in «Bad Berneck» führen wird. Den Vogel schoss sie ab mit dem Tipp, den stillgelegten Silo der Weissmühle in einen ­Seelos-Tower zu verwandeln. Als Schneeleoparden begeisterten die Guggesuuser musikalisch und rhythmisch präzise mit den beliebtesten Fasnachtshits.

Mehr Bilder von den Schnitzelbänken gibt es im Internet auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken.