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BERNECK: Sie entlarvt Pfeifen und Psychopathen

Profiler gibt es höchstens in TV-Krimis. Das könnte man annehmen, ist aber falsch. Mit Suzanne Grieger-Langer hat die Rheintal Medien AG eine Referentin verpflichtet, die den Gästen die Augen öffnen sollte.
Seraina Hess
Suzanne Grieger-Langer passt zwar ins Bild der extrovertierten Fernseh-Kriminalistin. Sie arbeitet aber im Dienste der Wirtschaft. (Bilder: Monika von der Linden)

Suzanne Grieger-Langer passt zwar ins Bild der extrovertierten Fernseh-Kriminalistin. Sie arbeitet aber im Dienste der Wirtschaft. (Bilder: Monika von der Linden)

Seraina Hess

Wenn die Wald-und-Wiesen-Polizei in einem Mordfall nicht mehr weiter weiss, hat sie meistens ein Ass im Ärmel: Den Profiler, der anhand nichtigster Hinweise ein Profil des Gesuchten erstellen kann. So kennen wir es beispielsweise aus der US-Serie «Criminal Minds», so oder ähnlich gibt es sie bei der Polizei tatsächlich. Suzanne Grieger-Langer ist Profilerin – aber eben nicht bei der Polizei, die eingreift, wenn die üble Tat schon geschehen ist. Grieger-Langer ist Wirtschafts-Profilerin: «Ich will, dass Sie erst gar nicht über den Tisch gezogen werden», führte sie die Gäste des Neujahrsapéros der Rheintal Medien AG in den Vortrag «Herausforderungen begegnen – 007 statt 08/15» ein. Die deutsche Unternehmerin, Autorin und Dozentin an mehreren Wirtschaftshochschulen bezeichnet sich selbst als Pre-Crime-Profilerin. Sie arbeitet im Bereich der Betrugsvorbeugung und Personalentwicklung – oder kurz: «Ich finde heraus, ob jemand für einen Job taugt oder nicht.» Ein Thema also, das den 206 Zuhörern, darunter viele Unternehmer, gelegen gekommen sein dürfte.

«Pfeifen sind ein Erziehungsfehler»

Grieger-Langer kam auf zwei Charaktertypen zu sprechen, die es in einem Unternehmen gibt und einem das (Geschäfts-)Leben schwer machen, sofern man denn selbst zu den sich stets reflektierenden, leistungsfähigen Performern gehört: Sie nannte diese beiden Störfaktoren salopp Pfeifen und Psychopathen.

Pfeifen, «von Beruf Sohn und Tochter», seien nicht etwa durch eine schlimme Kindheit verdorben worden: «Sie sind so, weil sie von den Eltern nicht auf die Welt, sondern die Welt auf die Kinder vorbereitet wurde», erklärt Grieger-Langer, «Pfeifen sind ein Erziehungsfehler». Nach der Geburt habe sich die Pfeife eine mentale Fruchtblase zugelegt: einen Bezugsrahmen, der wie ein Ganzkörper-Präservativ wirkt, jegliche Kritik abprallen lässt und der Pfeife das Gefühl vermittelt, der oder die Grösste zu sein – ohne dafür etwas zu tun. Doch weil es den meisten Performern unangenehm sei, gegen diese mühsamen Charaktertypen vorzugehen, kämen Pfeifen in der Unternehmenshierarchie oft weit nach oben.

Womit Grieger-Langer beim zweiten Charakter angelangt war, dem Psychopathen. «Ein Montagsmodell, verkehrt herum geschlüpft und falsch verdrahtet», beschreibt sie den Typ Mensch, der selbst keine Gefühle besitzt, allerdings jene der anderen wahrnehmen, interpretieren und zu seinem Vorteil nutzen kann. Psychopathen – dazu gehören ein Prozent der Weltbevölkerung, in Führungspositionen seien es gar 14,5 Prozent – seien gefährlich, weil sie keine Angst verspüren und Sanktionen nicht greifen.

Um sein eigenes Potenzial auszuschöpfen und Störfaktoren fernzuhalten, gab die Profilerin ihrem Publikum ganz in James-Bond-Manier ein Rezept mit auf den Weg. Nach der Festlegung der Sinnstiftung eines Unternehmens (001) und der Entscheidung zur Vorgehensweise (002) riet die Referentin, sich auf die festgelegten Ziele zu fokussieren (003) und diszipliniert (004) dranzubleiben. Wichtig sei die Achtsamkeit (005): das Aussortieren von Menschen, die einen nicht weiterbringen, sondern runterziehen. Fitting (006) bedeute, sich stets den heutigen Anforderungen anzupassen. Als letzten Input nannte Grieger-Langer die Individualität (007): «Haben Sie Mut, sich zu zeigen, und seien Sie gewiss, es gibt auch Menschen, die ihren schwierigen Charakter schätzen.»25

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