BERNECK-REHETOBEL: Oldtimer ersetzen Leiterplatten

Ins Optiprint-Gebäude in Rehetobel ziehen doch keine arabischen Düfte ein – und somit kein Hochstapler. Ein Wasserschaden hat alles zum Guten gewendet. Es ist die perfekte Weihnachtsgeschichte.

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Optiprint-CEO Hans Jörg Etter freut sich mit der neuen Besitzerin Mirjam Mohn über die gute Lösung fürs bisherige Optiprint-Gebäude. (Bild: pd)

Optiprint-CEO Hans Jörg Etter freut sich mit der neuen Besitzerin Mirjam Mohn über die gute Lösung fürs bisherige Optiprint-Gebäude. (Bild: pd)

1985 übernahm die Optiprint AG das Gebäude der ehemaligen Vorhangweberei Volkart in Rehetobel, um darin eine Produktion von Leiterplatten für die Elek­tronik einzurichten. Das junge Unternehmen wuchs rasch und musste schon bald Produktionsflächen dazu mieten.

1998 konnte das Unternehmen an der Auerstrasse 37 in Berneck ein Fabrikations- und Bürogebäude mit 4000 m2 Gesamtfläche übernehmen. Dorthin wurde schrittweise der Grossteil der Produktion ausgelagert. Doch an verschiedenen Standorten zu produzieren, ist nicht vorteilhaft. Die Chance, ein Nachbargrundstück zu erwerben, packte Optiprint beim Schopf. So steht heute in Berneck ein Neubau an bester Lage, fünf Minuten von EU-Grenze und Autobahn entfernt, in ebenem Gelände, ohne «Nachbarn».

Das Gebäude in Rehetobel wurde zum Verkauf angeboten. Teils aus blosser Neugier kamen «Interessenten» zur Besichtigung, der zeitliche Aufwand überstieg bald einen vertretbaren Aufwand, weshalb Optiprint einen Agenten mit dem Geschäft betraute.

Geld schien eine zweitrangige Rolle zu spielen

Dann endlich ein Lichtblick! Es meldete sich ein angeblich solventer, erfolgreicher Interessent. Dieser hielt den Agenten auf Trab, sprach mit Behörden und Heimatschutz, mit Nachbarn wegen Zusatzboden, mit Herstellern von Produktionsmaschinen, mit der Bank, weil er gleich mehrere Firmen zu gründen beabsichtigte, sogar eine Filmgesellschaft spielte eine Rolle. Schon bald hatte der umtriebige Interessent vorsorglich ein Büro im Optiprint-Gebäude bezogen. Auf Optiprint-Inhaber Kurt Etter wirkte der Kaufinteressent entschlossen, Geld schien eine zweitrangige Rolle zu spielen, zumal der Interessent beste Kontakte zu arabischen Parfüm-Abnehmern hatte.

Dann aber tauchten ein paar Fragen auf: Produktion von Parfüm und Schokolade im gleichen Gebäude? Zufahrt mit Sattelschleppern? 40 bis 60 Mitarbeitende, aber kein Interesse an Parkplätzen? Möglichst rasche Produktionsaufnahme, aber keine Sofortmassnahmen wie Bau- und Betriebs-Bewilligungen?

Nachforschungen ergaben: Der Interessent war in den Konkurs mehrerer untergegangener Firmen verwickelt und hatte sich den Ruf eines Hochstaplers erworben. Geschädigt hatte er Optiprint zwar minimal, doch viele hatte er viel Zeit gekostet. Für Optiprint hiess es: Zurück auf Feld eins. Was sollte nun aus dem Gebäude werden? Ein Gewerbezentrum? Luxuswohnungen mit Säntisblick? Ein Drogen-, ein Behindertenheim oder eine Asylun­terkunft?

Begeistert und voller Ideen

Dann, wie in allen guten Weihnachtsgeschichten, griff das Schicksal ein: Ein Riss in der Hauptleitung setzte das Untergeschoss unter Wasser, die Feuerwehr musste kommen – und siehe da: Ein zufällig anwesender Zuschauer hatte schon lange so ein Gebäude für seine Sammlung landwirtschaftlicher Oldtimer gesucht, man trat in Verhandlungen ein, und nun, am 22. Dezember, wurde das Grundstück verschrieben. Ende gut, alles gut? Die neuen Besitzer sind begeistert und voller Ideen. Optiprints Arbeitsplätze in Berneck bleiben für die Vorderländer Mitarbeitenden in Reichweite. Und für die Nachbarn ist es die beste Lösung: Ein ruhiger Betrieb ohne Nachtarbeit, keine Licht- und Geräuschbelästigungen und schon gar keine «Düfte Arabiens». (pd/gb)