Berneck prüft ABRW-Beitritt

BERNECK. Seit 60 Jahren versorgen sich die Gemeinden Au, Balgach, Rebstein und Widnau im regionalen Wasserwerk ABRW gemeinsam mit Trinkwasser. Berneck bezieht Wasser aus Diepoldsau, erwägt aber jetzt den Beitritt zum Verband.

René Schneider
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Die Pumpstation Wisen der Wasserversorgung Berneck. Die einstige Schutzzone ist zum Teil überbaut. (Bild: René Schneider)

Die Pumpstation Wisen der Wasserversorgung Berneck. Die einstige Schutzzone ist zum Teil überbaut. (Bild: René Schneider)

Warum trat Berneck nicht nicht schon vor 60 Jahren dem ABRW bei? Gemeindepräsident Andreas Zellweger: «Aus dem Wasserlieferungsvertrag zwischen Berneck und Diepoldsau aus dem Jahr 1991 geht hervor, dass das Wasserwerk ABRW damals trotz gut ausgebauter Anlagen die für Berneck erforderliche Wassermenge nicht liefern konnte. Weil sowohl Diepoldsau als auch Berneck bereits damals Mitgliedschaft im geplanten Wasserverbund Rheintal anstrebten, wurde von den Vertragspartnern und Fachleuten diese Zwischenlösung als zweckmässig erachtet. In den Schlussbestimmungen ist festgehalten: <Alle Vertragspartner streben die Gründung des Wasserverbundes an.>»

Ausreichend eigenes Wasser

Ausreichend eigenes Wasser hätte Berneck auch heute noch – theoretisch. Aus eigenen Quellen und der 1933 erbauten Pumpwasserfassung Wisen. Diese wurde 1991 stillgelegt, weil das Werk hätte modernisiert und das stark eisen- und kalkhaltige Wasser aufwendig aufbereitet werden müssen. Wichtig: Würden Pumpwerk und Wasserfassung Wisen wieder in Betrieb gesetzt, müsste die Grundwasser-Schutzzone darum herum neu definiert, verhandelt und errichtet werden. Die Schutzzone wurde damals aufgegeben. «Es könnten durch die neue Schutzzone Nutzungskonflikte entstehen», sagt Zellweger. Seit 1991 bezieht Berneck einen Teil seines Trinkwassers aus Diepoldsau; nicht über eine eigene Leitung, sondern über Widnau bzw. das Leitungsnetz des ABRW. Berneck zahlt Diepoldsau für das Wasser sowie Widnau und dem Wasserwerk ABRW für das Durchleitungsrecht. Die Details sind in Verträgen geregelt, die jetzt auslaufen.

Wasser aus Diepoldsau

Weil es offenbar ab und zu technische Probleme (Trübungen) gab bei der Vermischung des Diepoldsauer Wassers mit dem Widnauer Wasser, kündigte der ABRW der Gemeinde Berneck 2010 den Liefer- und Durchleitungsvertrag auf den Zeitpunkt, an dem auch der befristete Vertrag aus dem Jahr 1991 ausläuft. Das ist Ende 2014.

Gemäss dem Bernecker Gemeindepräsidenten kamen gemeinsame Bemühungen des ABRW (Au, Balgach, Rebstein, Widnau), Diepoldsau und Berneck, eine gute Lösung für eine gemeinsame Wasserversorgung zu finden, über etwa zehn Jahre immer wieder ins Stocken. Die Bernecker Gemeindebehörden prüften währenddessen parallel Alternativen zu einem ABRW-Beitritt. Um nicht mit leeren Händen dazustehen, falls der Beitritt nicht zustande käme. Darum wurde auch die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Pumpwerks Wisen geprüft.

Inzwischen hat der ABRW der Gemeinde Berneck ein fünfzig Seiten starkes Aufnahme-Angebot für 3,8 Mio. Franken unterbreitet. Und inzwischen weiss der Gemeinderat Berneck, dass bei einer «Reaktivierung» des Pumpwerkes Wisen mit ähnlich hohen Kosten zu rechnen wäre.

Übergangslösung

Eine dritte Möglichkeit wäre, lediglich Wasser vom ABRW zu beziehen, ohne dem Verband beizutreten. In diesem Fall würden die vier Partnergemeinden als Lieferanten und Netzbetreiber den Wasserpreis für Berneck allein festlegen.

Er favorisiere mit dem Gemeinderat den Beitritt zum ABRW, sagt Andreas Zellweger, und er werde der Bürgerschaft nächstes Jahr voraussichtlich diesen Weg zum Beschluss vorschlagen. Er sei bei Berücksichtigung aller Faktoren der beste, auch mit Blick in die Zukunft.

Weil die Liefer- und Durchleitungsverträge Ende Jahr auslaufen, bietet der ABRW Hand zu einer Übergangslösung: Er liefert ab 1. Januar den Berneckern Trinkwasser zu den gleichen Bedingungen wie den Verbandsmitgliedern.

Unabhängige Prüfung

Der Gemeinderat Berneck hat im Hinblick auf einen Bürgerschaftsentscheid im nächsten Jahr bei einem externen Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen die Prüfung des ABRW-Angebots in Auftrag gegeben. Nicht aus Misstrauen gegenüber dem ABRW, betont Gemeindepräsident Zellweger, sondern um die Bürgerschaft von der Seriosität und Richtigkeit des Angebotes überzeugen zu können.

Auch Diepoldsau erwägt den Beitritt zum regionalen Wasserwerk. Eine Anfrage beim ABRW nach den Möglichkeiten und Bedingungen sei deponiert, aber noch nicht beantwortet, sagt der Diepoldsauer Vize-Gemeindepräsident Stefan Britschgi.

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